Das Wasserhaus stand am vergangenen Wochenende ganz im Zeichen des Gesangs
“Rocken wie Pink oder grooven wie Nneka? Kein Problem!“, so lautete das vielsagende Motto, das sich Florian Brell, Organisator des erstmals stattfindenden, zweitägigen Gesangsworkshops, ganz groß auf die Fahnen geschrieben hatte. Alle Sängerinnen und solche, die es werden wollten, sollten die Gelegenheit bekommen, ihre Stimmen zu schärfen. Am 14. und 15. November war es dann soweit. Die Damen haben die Vorherrschaft im Wasserhaus übernommen. Sie wollten wissen: Wie atme ich richtig? Wie funktioniert das mit der Intonation? Und wie präsentiere ich mich auf einer Bühne. Am Ende der Arbeitsphase stand die erste eigene CD – zuvor jedoch jede Menge Arbeit.
“Hey, ich kann ja viel besser singen, wenn ich gerade stehe und die Beine nicht verkreuze“, stellte Veronika, eine der fünf Teilnehmerinnen des Intensiv-Workshops, schon nach wenigen einleitenden Übungen überrascht fest. Weitere Aha-Erlebnisse sollten folgen. Nachdem Ingo Hassenstein, Dozent an der Rock und Pop Schule Kiel und Mitglied der Hamburger Band Emmy Moll, erst am 23. Oktober die Gitarren-Saiten zahlreicher Herren strapaziert hat, waren jetzt die Stimmbänder der Mädels dran.
In einem zweitägigen Workshop, geleitet von Michaela Voigt, gingen sie auf Entdeckungsreise im eigenen Körper. Verschiedene Praxiseinheiten und Technik-Einführungen sollten die „Goldkehlen“ der jungen Mädchen zwischen 14 und 23 Jahren auf Vordermann bringen. Dafür wurden von Florian Brell keine Mühen gescheut. Ein professionelles Team hatte er ins Haus geholt. Denn veranstaltet wurde das Wochenende von „Ohura“, einem Projekt der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen, das sich bayernweit in den Bereichen Musik, Multimedia, Technik und Persönlichkeitsbildung für Mädchen und Frauen engagiert und vom Bezirk Unterfranken gefördert wird. Das große Ziel am Ende der Arbeitsphase: Die Mädchen haben die Vocal-Spur ihres Lieblingssongs komplett neu eingesungen und konnten dann eine richtige CD voller Stolz ihren Freunden und Eltern präsentieren.
Von Tai Chi bis zur Bühnentechnik
Wie weit es von den ersten Tönen bis zur fertigen CD ist, das ahnten zu Beginn jedoch nur die wenigsten unter den Teilnehmerinnen. Lediglich zwei unter ihnen hatten zu diesem Zeitpunkt schon Erfahrungen mit professionellen Aufnahmen samt Songwriting sammeln können. Der Rest der kleinen Truppe betrat in diesen tristen Novembertagen erhellendes Neuland. Und das ganz zur Freude von Dozentin „Micha“, eigentlich gelernte Tontechnikern, die jedoch selbst acht Jahre lang Gesangsunterricht genommen hatte. Optimale Bedingungen habe sie in Hammelburg vorgefunden. Denn in so einer kleinen Runde könne sie sehr gut auf jeden einzelnen eingehen und behalte viel besser den Überblick. Gesagt getan: Arbeitsreiche Stunden lagen vor ihnen. Angefangen von Tai Chi-Übungen, die nicht nur die Nervosität nehmen, sondern auch die angespannten Körper lockern sollten über spezielle Atemübungen, die bei der richtigen Luftverteilung halfen bis hin zu Gesangsübungen, die das bewusste Hören der eigenen Stimme fördern würden, war alles dabei, was eine Sängerin an Grundlagen für ihr kreatives Schaffen gut gebrauchen kann.
Doch auch die Theorie mit direkten Anknüpfungspunkten zur Bühnenpraxis kam bei Michaela Voigt nicht zu kurz. Was bedeutet eigentlich Intonation? Stand ebenso auf dem „Lehrplan“ wie zum Beispiel: Wie baue ich meinen Mikrophon-Ständer richtig vor mir auf?
“Auf einem solchen Resultat lässt sich gut aufbauen.“
Doch bei Gymnastik und Equipmentaufbau sollte es nicht lange bleiben. Der Titel „Don’t speak“ der bekannten US-amerikanischen Band No Doubt diente als Ausgangspunkt für eigene Kreationen. Aus „Don’t speak“ wurde so im Laufe der beiden Tage „Don’t leave“ – Aus einem schlichten Liebeslied ein Song über die Abgründe des Suizids. Die sichtlich inspirierten Damen, die sich für das Songwriting in zwei Gruppen mit jeweils einem erfahrenen Mitglied einteilten, kamen schnell in Fahrt. Bereits nach kurzem Zögern sprudelten die Ideen nur so aus ihnen heraus. Die Lust endlich selbst zum Mikrophon zu greifen wuchs von Minute zu Minute. Am Ende des zweiten Tages war es dann endlich soweit. Nach einigen kleinen Feinabstimmungen und Hinweisen zur gegenseitigen stimmlichen Unterstützung, ging es auch schon hinunter in das eigens eingerichtete „Tonstudio“ in einem der Wasserhaus-Probenräume. Nun war jede auf sich allein gestellt. Denn es galt Spur um Spur nacheinander einzusingen. Aufmerksam lauschten die Sängerinnen den jeweiligen Kandidatinnen, die ihre Kehlen gerade zu Höchstleistungen herausforderten. Nicht wenige waren am Ende über sich selbst überrascht. Mit dem professionell abgemischten Ergebnis ihrer harten Arbeit in Händen stand für sie fest: Jederzeit gerne wieder!
Das sah auch Organisator Florian Brell so: „Ich denke, es war ein super Workshop, der allen Spaß gemacht und die Mädels in Sachen Gesang nach vorne gebracht hat. Vor allem der Song, den sie selbst geschrieben haben, kann sich hören lassen. Auf einem solchen Resultat lässt sich nun sehr gut aufbauen.“
Text: N. Oppelt/M. Wittmann
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