StudiVZ-Profil “Bildungsstreik – Proteste jetzt weltweit!”: Heute ist er da, der große Tag, an dem sich die Energien der protestierenden Studenten und ihrer Befürworter noch einmal bündeln sollen. 43 Unis, so heißt es auf dem StudiVZ-Profil, sind mittlerweile besetzt – 27 davon befinden sich in Deutschland. Warten es am gestrigen Montag noch acht geräumte Hörsäle, ist heute Tübingen erneut mit dabei. Hier wird “wieder besetzt, weil die Sache zu wichtig ist, als dass Repression sie beenden könnte”.
In Abständen von nur wenigen Minuten vermerken die StudiVZler auf der Pinnwand, wo sich was und wie tut. Fast 4000 Einträge sind derzeit zu lesen. “Super, friedliche Demonstration in Augsburg, und die Schulen sperren die Schüler ein, damit sie nicht rauskommen können”, heißt es zum Beispiel um 13.55 Uhr. “Endlich zieht Erlangen auch mit!!! Wie siehts denn in Nürnberg aus?”, fragt ein VZ-Nutzer gerade einmal 60 Sekunden zuvor. Die TU Braunschweig streikt mittlerweile ebenfalls ist den Kommentaren zu entnehmen. Bayreuth, so heißt es, geht um 14.00 Uhr auf die Straße. Ein Würzburger User verlinkt eine Ansprache von Dirk Müller, einem deutschen Börsenmakler und Bankkaufmann, der sich am Ende des Videos mit den deutschen Studenten solidarisiert.
“So ein Aufgebot habe ich beim Fußball noch nicht erlebt!”
Ein weiterer StudiVZler über jedoch auch Kritik. Er sagt: “In Italien wurde es richtig gemacht: BESETZT DIE KULTUSMINISTERIEN! – Denn die Verantwortlichen der Länder haben es verbockt, weniger die Uni’s selbst!” Derweil meldet ein anderer: “Der Hörsaal 1, der Friedrich-Schiller-Universität-Jena ist seit 13 Uhr besetzt! Zeigt Solidarität!!!” Woraufhin gefragt wird: “Wat is eigentlich mit Frankreich?” Eindrücke von Geschehnissen vor Ort liefert ein Mit-Diskutant. Er berichtet: “Die edle Königsallee in Düsseldorf war gerade kurzzeitig durch den Demozug blockiert. Begleitet wurde das Ganze von zwei (!) Einsatzhundertschaften. So ein Aufgebot habe ich beim Fußball noch nicht erlebt! Völlig unnötig und provokant!” Aus Österreich ist zu vernehmen: “in wien verteilten studenten im burgtheater flugblätter und verbreiteten plakate auf der bühne. alles unter absprache mit der theaterleitung und unter beifall der zuschauer!”
Immer wieder wird betont, dass es den Demonstranten nicht um die bloße Lust am “Stunk” gehe. Mehrmals finden sich Verweise auf entsprechende Seiten wie diese hier. Inhalt steht bei ihnen an oberster Stelle. So wird erklärt: “Die Proteste haben in der Sache nichts, aber auch gar nichts mit politischen Lagern zu tun.” Gleichzeitig wird allerdings auch kritisiert: “Auch den konservativ oder liberal eingestellten Studis würde es gut zu Gesicht stehen, die Verhältnisse kritisch zu beurteilen, aber viele scheinen es zu bevorzugen, die hohlen Phrasen ihrer Parteigrößen nachzuplappern, und die Augen vor der Realität zu verschließen. Wie blind muß man eigentlich sein, um offensichtliche Mängel wie eine massive Unterfinanzierung, und den mangelnden politschen Willen, dies zu ändern. zu übersehen?”
Besetzung ist der richtige Weg
Auch die Methoden, wie aufmerksamkeit erregt wird, finden Zuspruch. So sagt ein VZ-Nutzer: “also ich, als sogenannter komilitone, der nicht zu massiv behindert werden sollte, finde die aktionen klasse. ich finde gerade dadurch, das man die leute daran hindert normal zur uni zu gehn, macht man auf sich aufmerksam. seit heute morgen ist an der tu berlin das komplette haupt- und eb.gebäude verbarrikadiert. also fallen meine vorlesungen aus, weil eben niemand hingehn kann, und somit kommen einige leute mehr zum streik, die sonst zur vorlesung gegangen wären, wenn diese stattfinden würde..”
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