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Vermischtes + Internetkultur

Spendenflut für Wikimedia: Innovativer Internet-Protest

Mittwoch, den 18. November 2009 um 14:13 Uhr von nicole oppelt

Wer entscheidet eigentlich, was von Bedeutung für die Allgemeinheit ist und was nicht? Wer urteilt, was der Internetnutzer lesen möchte und was so unwichtig ist, dass es gleich wieder in die ewigen Jagdgründe versenkt werden kann?

Nun, in letzter Instanz offensichtlich Administratoren der deutschen Version der Mitmach-Enzyklopädie “Wikipedia”. Diese Erfahrung machte unter anderem der Verein MOGiS, eine Vereinigung der “Missbrauchsopfer gegen Internetsperren”, der die Relevanz-Kriterien der Plattform auf Grund “einer umstrittenen Vereinsstruktur und der nicht näher nachweisbaren Mitgliederzahl” nicht erfüllen konnte. Doch jetzt schlagen die Kritiker in höchst innovativer Form zurück.

“Restbetrag wegen mangelnder Relevanz gelöscht.”

Im Zuge des Streits um die Löschung von Artikeln aus der deutschen Wikipedia erreicht die Betreiber “Wikimedia” seit Ende letzter Woche eine wahre Kleinst-Spendenflut. Die Freude über diese neue Dimension der öffentlichen Aufmerksamkeit hält sich auf Seite der Adressaten allerdings in Grenzen. Denn den Spenden beigefügt sind zum Beispiel Sätze wie dieser: “MOGIS ist also irrelevant? Bessert euch, oder geht sterben liebe Blockwarte, dann aber leise.” Ein anderer fügt seiner Ein-Euro-Spende Folgendes hinzu: “Restbetrag wegen mangelnder Relevanz gelöscht.”

Das Ausmaß dieser Art des Protestes, den Wikimedia bereits im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dem Linken Bundestagsabgeordneten Lutz Heilmann erleben durfte, ist neu für Wikimedia. Zudem fühle man sich, so Pavel Richter, Geschäftsführer der Wikimedia Deutschland, eher zu Unrecht angegriffen: “Wikimedia Deutschland ist nicht Betreiber der Wikipedia, wir haben keinen inhaltlichen, technischen oder redaktionellen Einfluss auf das Projekt”, wird zudem im hauseigenen Blog erklärt. Ändern könne der gemeinnützige Verein die Relevanzkriterien ebenfalls nicht.

Der Fall MOGiS beschäftigen indessen Mainstream-Medien und Blogosphäre gleichermaßen. So verweist etwa Julia Seeliger darauf, dass auch Spenden aus der Online-Übersicht entfernt worden seien. Auf jetzt.sueddeutsche.de heißt es hingegen: “Eine gelungene Spendenkampagne sieht anders aus als jene, mit der der Verein Wikimedia seit dem 12. November Geld für mehrere Projekte sammelt.” Und auf wut.wordpress.com fasst ein Blogger zusammen: “Das der Wikimedia Deutschland e.V. nicht der Betreiber der deutschsprachigen Wikipedia ist, das wird zwar sehr deutlich gesagt, wenn es um Kritik an den gegenwärtigen Zuständen in der deutschsprachigen Wikipedia geht, aber es wird — ähm — nicht gerade deutlich gemacht, wenn es darum geht, Spenden für den Wikimedia Deutschland e.V. einzusammeln.”

Photo Quelle/Copyright: nojhan, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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2 Reaktionen zu “Spendenflut für Wikimedia: Innovativer Internet-Protest”

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  1. Jan van Winried

    am 18. November 2009 um 17:23 Uhr | Link | Kommentar melden

    Schöner Artikel, Frau Oppelt. Ergänzend wäre noch hinzuzufügen, dass MOGiS der einzige Betroffenen-Verein ist, der sich gegen den Überwachungs- und Sperrmainstream stemmt und sich damit in den Kreisen der Überwacher höchst unbeliebt gemacht hat und immer noch macht.

    Selbstverständlich ist es in Zeiten der totalen Überwachung dann auch möglich, diese abweichende Meinung aus wichtigen Informationsmedien gezielt zu entfernen bzw. Webseitenbetreiber freundlich zu “zwingen”, Kriterien zu erfinden, die eine Löschung oder Nichtveröffentlichung erforderlich machen.

    Nun ja - was für die SPD die Agenda 2010 war ist für die CDU die Überwachungsgesellschaft. Beides führt mit Sicherheit in die politische Bedeutungslosigkeit und das ist gut so. Die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

    Für NRW gibt es bereits ein neues Überwachungskonzept der CDU, das keine Überwachungslücke mehr offen lässt und sogar “Hilfspolizisten” zur verdachtsunabhängigen Totalkontrolle vorsieht. Das Ding wird Ende November verhandelt und inhaltlich abgestimmt.

    Irgendwie müssen wir ja die täglichen und zahlreichen Terroranschläge in Deutschland in den Griff kriegen oder geht es nur darum, demnächst mit vereinten Kräften protestierende Studenten zusammen zu prügeln nur weil diese nicht bereit sind, sich für ein Schmalspurpaukstudium ein Leben lang zu verschulden?

  2. Guillaume

    am 19. November 2009 um 07:35 Uhr | Link | Kommentar melden

    Alles hat zwei Seiten oder?

    Meine Erfahrung mit Wikipedia ist, dass sehr oft Fakten verfälscht wurden und stark ideologische Inhalte lanciert wurden.

    Nachdem die Enzyklopädien wie Blockhaus und andere zunehmend an Boden verlieren, bekommt die Qualität von elektronischen Nachschlagewerken eine besondere Bedeutung.

    Dazu kommt, dass viele Lehrer, Journalisten und Politiker sind zu faul richtig und aufwendig zu recherchieren und sich blind auf Wikipedia verlassen ( auch in diesem Forum) Damit war es höchste Zeit die Qualität von Wikipedia wieder zu festigen.

    Das darf natürlich nicht zu Meinungsbeschränkungen führen, zumindest da wo diese als Meinung deklariert ist.

    Das dieses von einigen unserer PoilitspinnerInnen , wie immer, ausgenützt wird um Terror Manien zu befriedigen ist eine andere Sache.

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