Gruppe Die Linke: Bis jetzt ist es eine sehr intime Gesprächsrunde unter gerade einmal zwei VZ-Nutzern. Sie tauschen sich aus über “Alternativen zum Zinseszinssystem”. Doch ihre Ausführungen lohnen sicherlich, einmal mehr darüber nachzudenken.
Das Zinseszinssystem sei eine systematische Umverteilung von unten nach oben – Mit dieser These werden die mitlesenden StudiVZler heute morgen zu einer Uhrzeit konfrontiert, zu der viele sicher gerade erst langsam “warm laufen”. Doch der Threaderöffner rechnet schon jetzt vor:
“Ein Sparer gibt 1€ in die Wirtschaft und will dafür 5% Zinsen. Die Wirtschaft macht aus dem Euro jedes Jahr weitere 10 Cent.
Nach 10 Jahren hat die Wirtschaft aus dem Euro schon 2 Euro gemacht. Der Sparer hat ein Guthaben von nur 1,63€. Das heisst die Wirtschaft hat einen Überschuss von 37 Cent erzielt, der kann nun auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt werden und alle freuen sich (etwa der Zustand in den 50ern und 60ern)
Nach 20 Jahren hat die Wirtschaft wieder einen zusätzlichen Euro real erwirtschaftet und liegt nun bei 3 Euro. Der Sparer hat nun ein Guthaben von 2,65 Euro. Noch immer ist die Wirtschaft schneller.
30 Jahre: Wirtschaft: 4 Euro
Sparer : 4,32 Euro (oh,oh)
40 Jahre: Wirtschaft: 5 Euro
Sparer : 7,04 Euro (der Sozialabbau ist jetzt schon in vollem Gange)”
Als Einleitung, da ist er sich sicher, sollte das genügen. Und in der Tat, keine zehn Minuten später, bringt er seine erste Alternativen in den Thread ein. Er führt an: “1. Steuer auf Geldhortung. Am Ende eines jeden Jahres werden alle Vermögen mit 20% besteuert. Bargeld muss mit 5:4 umgetauscht werden. Somit wird auch ohne Zinssystem dafür gesorgt, dass das Geld fliesst. Wer will schon eine Sondersteuer bezahlen. Da geb ich mein Geld doch lieber aus und kurbel die Wirtschaft an. 2. Orientierung am islamischen Finanzsystem (mir wird immer klarer warum die Kapitalisten diese Kriege finanzieren) Es werden nur noch direkte Investitionen erlaubt. Person A hat das Geld und Person B die Idee. Erfolg und Risiko werden zu gleichen Teilen geteilt.”
Doch was halten andere von diesen Ideen? Taugen sie für eine Umsetzung hierzulande? Ein VZ-Nutzer meint: “wie ich schon mehrfach darlegte, halte ich eine 100%ige erbschaftssteuer mit großzügigem freibetrag für die bessere alternative. Dieser geldbesteuerung könnte man leider auch aus dem wege gehen. Das islamische finanzsystem? was meinst du denn damit? Öl gegen dollars verkaufen, und das geld in der wüste vergraben? [polemik, ich weiß]” Und wenig später fügt er an: “zunächst dachte ich es handele sich um Selbsttäuschung aber nun sehe ich, dass das ehrliche daran, die übernahme von (unternehmer)risiko ist (im gegensatz zu “normalem” verleihen gegen überschreibung von sachwerten/sicherheiten). Demnach wäre auch ein versicherungsunternehmen moralisch vertretbar. Ich frage mich dennoch warum die UAE dann US-anleihen kaufen. Wie würde man in einem solchen system die staatsverschuldung in kriesenzeiten regeln? Ich halte es dennoch für einen teilschritt. Es ändert aber nur wenig am grundproblem, aus marxistischer perspektive garnichts.”
Die ersten Anstöße sind gemacht. Werden sich noch mehr StudiVZler einfinden, um über ein solch komplexes Thema zu debattieren? Und wenn ja, wie werden ihre Lösungsvorschläge aussehen?
Wenn man das islamische System, so wie es angerissen wurde, abwandelt auf:
A = Geld, B = Arbeitskraft: Ergebnis = geteilt, kommt man auf eine Mitarbeitergesellschaft.
In fast jeder “normalen” Firma sind die Leistungsträger diejenigen, die die Werte schaffen und nicht die, die die grossen Entscheidungen = Vorstand treffen. Also sollte das Ergebnis geteilt werden.
Ich kann mir eine Arbeitsgesellschaft vorstellen, bei denen Arbeit, Risiko und Erfolg , oder auch Misserfolg, gleichmässig auf alle verteilt werden. Selbst Entscheidungsvorgänge können im Zeitalter der PC schnell und effizient von unten nach oben ablaufen.
Ich habe mir sagen lassen, dass früher kein japanischer Firmenvorstand grosse Entscheidung getroffen hätte, ohne vorher ALLEN Mitarbeitern Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.
Gleichrangigkeit von Kapital, Entscheidung und Arbeit muss keine Utopie sein.