Gruppe Bündnis 90/Die Grünen: Nicht nur RE-Autor Zbigniew Menschinski setzt sich heute in seinem Beitrag “Oskar Lafontaine und das Elend des deutschen Journalismus” mit den jüngsten Ereignissen rund um den Linken-Politiker und die damit einhergehende mediale Berichterstattung auseinander. Die StudiVZler tun es ihm gleich. Sie diskutieren in derzeit fast 40 Kommentaren. Überschrieben werden könnte das in etwa so: Der Fall “Lafo & die Medien”: Wie ist er zu bewerten?
Am Anfang der Diskussion steht zwei Meldungen von tagesschau.de vom 17. und 18.11.09. Die Titel: “Oskar Lafontaine schwer erkrankt” sowie “Lafontaine löst Nachfolgestreit aus“.
Nach einer ersten unangemessenen Reaktion durch einen VZ-Nutzer meint ein anderer: “Die schändliche Behandlung durch die Medien in den letzten Wochen ist ein Armutszeugnis für ihr Niveau. Da will man am liebsten kotzen.” Eine Aussage, die nicht alle nachvollziehen können. Ein Kommentator schreibt hierzu Folgendes: “Wieso. Das ist politisches Tagesgeschäft, und das soll jetzt alles nachträglich ‘schändlich’ sein, weil er Krebs hat? Nein Danke. An ‘Krebs wäscht von allen Sünden rein’ glaube ich nicht. Nichts desto trotz wünsche ich Lafo eine schnelle Genesung.” Doch dies sei auch gar nicht der springende Punkt, wird daraufhin eingeworfen. Vielmehr geht es darum, dass “die Medien (…) jede Menge Blödsinn verzapft (haben) über die angeblichen Gründe für seinen Rückzug aus Berlin.” Doch das sei nicht erst seit heute so. Bereits seit seinem Rückzug aus der SPD würde er in der deutschen Öffentlichkeit wie ein “Aussätziger” behandelt und so stellt der VZ-Nutzer fest: “Die reißerische Berichterstattung der letzen Wochen war das typische Verhalten gegenüber Lafontaine, wie es seit März 1999 üblich war. Für mich ist die sukzessive Zerstörung eines Menschen, der einmal eine mutige konsequente persönliche politische Entscheidung getroffen hatte ein Armutszeugnis für die (falsche) Moral und das Niveau in der deutschen Medienlandschaft.” Er fügt hinzu: “Hoffentlich gibt man jetzt mal Ruhe. Jeder soll sich mal an die eigene Nase fassen und prüfen, ob er immer so ehrlich zu sich selbst handelt, wie er es vlt sollte, oder ob er nicht gerne Fehler und Versagen bei anderen sucht um sich selber als was besseres zu fühlen. Ich finde diesen Druck, der aufgebaut wird, nach dem Motto, wenn du etwas aufgibst, wenn du deine Leistung nicht bringst, bist du ein Versager, einfach unglaublich destruktiv. So was macht einfach krank.”
Aber hätte Lafontaine es anders/besser machen können? Vielleicht, meint ein Mit-Diskutant. Denn als Politprofi hätte ihm klar sein müssen, dass “Spekulationszeit” anbricht, wenn er Gründe für sein Tun zurückhält. Müntefering hätte es zum Beispiel bei seiner Frau anders gehandhabt. Bei Beck habe es auch kein jahrelanges mediales Nachspiel gegeben. Er hält fest: “Lafontaine hingegen macht immer mir nichts dir nichts eine 180° Wendung, und wenn man Glück hat kriegt man das irgendwann mal erklärt, wenn man Pech hat, dann nicht.” Und ergänzt: “Es ist billig und recht, dass das in einer freien Gesellschaft so diskutiert wird. Letztendlich ist das ja auch eine wichtige Funktion der Medien. Mich interessiert nicht, was Lafontaine zu Mittag isst, oder mit wem er seine Frau betrügt. Wohl aber interessiert mich, was für Beweggründe hinter seinem Handeln stehen, wenn dies unmittelbare politische Konsequenzen hat.” Ob das auch im Falle seiner Erkrankung gilt, stellt ein weiterer in Frage. Er schreibt: “Also ich würde sagen, das ist jedem selber überlassen, wie er mit der Diagnose Krebs umgeht, ob öffentliche Person oder nicht, das ist privat. Er will ja nach der OP zurück in die Politik, sollte er geheilt werden. Er hat keinen Wähler betrogen, weil er keine Versprechen abgegeben hat, dass er nach der Wahl die und die Funktion behält. Davon abgesehen weiß man nicht, wie lange er von seiner Krankheit weiß und wie weit fortgeschritten sie ist, und ich sage ganz klar: Das müssen wir auch nicht wissen, das geht uns nichts an, das ist Privatsache.”
Hin und her fliegen im Folgenden die Meinungen. Ein StudiVZler scheint es jedoch auf den Punkt zu bringen. Er sagt: “Die Menschenwürde hat IMMER Vorrang.”
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