“Ich rufe die beiden großen Kirchen in Deutschland, die katholische wie die evangelische, gegliedert in (Erz-)Diözesen und Landeskirchen, und ihre diakonisch tätigen Einrichtungen, die Caritas, die Ordensgemeinschaften und das Diakonische Werk mit ihren jeweiligen Untergliederungen auf, in einem öffentlichen Akt Buße zu tun”, so der evangelische Theologe Dierk Schäfer in einem öffentlichen Bußaufruf. Schäfer weiter: “Der Buß- und Bettag 2010 wäre ein sinnvolles Datum, aber auch der 28. Dezember 2010, der Tag der ‘Unschuldigen Kindlein’.”
Schon seit mehr als zwei Jahren steht Dierk Schäfer, Diplomtheologe und Diplompsychologe und vormals Tagungsleiter in der Evangelischen Akademie Bad Boll, auf der Seite der Heimopfer. Dabei stellt er auch seiner Kirche und dem Diakonischen Werk immer wieder kritische Fragen. Er konfrontiert sie mit ihren Widersprüchen in der Aufarbeitung der Verbrechen in kirchlichen Heimen vor 40 bis 60 Jahren.
In Sachen Heimkinder war er auch beim Runden Tisch in Berlin vorstellig und präsentierte seine “Verfahrensvorschläge zum Umgang mit den derzeit diskutierten Vorkommnissen in Kinderheimen in der Nachkriegszeit in Deutschland.” Dierk Schäfer unterstützt ebenso die Arbeit der “Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“, die Gewalt und Verbrechen in den 50er und 60er Jahren in einem evangelischen Heim für körperbehinderte Kinder in Wetter-Volmarstein aufarbeitet. Die heutige Evangelische Stiftung Volmarstein hat den Historikern Dr. Ulrike Winkler und Prof. Hans Walter Schmuhl ihrerseits einen Forschungsauftrag gegeben. Ihre Erkenntnisse werden zu Beginn des kommenden Jahres als Buch veröffentlicht.
Hier der Wortlaut des Bußaufrufes:
Das Schicksal der ehemaligen Heimkinder in kirchlichen wie auch in staatlichen Heimen bewegt die Öffentlichkeit. Die “Schwarze Pädagogik” der Nazi-Zeit wurde in vielen Heimen fortgeführt. Zahlreiche Heimkinder leiden noch heute unter den Folgen der ständigen Demütigungen, der erlittenen Mißhandlungen und des Mißbrauchs. Viele mußten in den Heimen Zwangsarbeit verrichten, ohne daß dafür Rentenbeiträge gezahlt wurden.
An diesem Unrecht waren viele beteiligt, nicht nur die Kirchen. Doch die meisten der Heime wurden von kirchlichen Einrichtungen betrieben. Darum kommt den Kirchen eine besondere Verantwortung zu. Dieser Verantwortung müssen die Kirchen gerecht werden. Vereinzelt wurden bereits Betroffenheit und Scham bekundet und Entschuldigungen ausgesprochen. Doch dies wird erst vollends glaubwürdig, wenn zum Wort das deutliche Zeichen der Wiedergutmachung hinzutritt, auch wenn nichts wieder “gut” gemacht werden kann.
Ich rufe die beiden großen Kirchen in Deutschland, die katholische wie die evangelische, gegliedert in (Erz-)Diözesen und Landeskirchen, und ihre diakonisch tätigen Einrichtungen, die Caritas, die Ordensgemeinschaften und das Diakonische Werk mit ihren jeweiligen Untergliederungen auf, in einem öffentlichen Akt Buße zu tun. Der Buß- und Bettag 2010 wäre ein sinnvolles Datum, aber auch der 28. Dezember 2010, der Tag der “Unschuldigen Kindlein”.
Dem Bußakt müssen Taten folgen. So wäre von den Kirchen und ihren Einrichtungen der Grundstock zu einer Stiftung zu legen, aus deren Mitteln Fonds einzurichten sind. Zunächst für angemessene Kompensationszahlungen an die ehemaligen Heimkinder. Doch eine solche Stiftung sollte nicht ausschließlich vergangenheitsorientiert sein. Auch heutzutage nehmen die Kinder in unserer Gesellschaft nur eine Randstellung ein. In vielen Bereichen steht es um das Kindeswohl nicht zum besten. Hier liegt die Zukunftsaufgabe einer solchen Stiftung: Die Förderung des Kindeswohls. Die Stiftung sollte als Anwalt des Kindes in besonderer Weise für die Interessen unserer Kinder wirken. Eine solche Stiftung sollte nicht allein von den Kirchen getragen werden. Doch sie könnten die anderen damals Beteiligten nachdrücklich zur Mitfinanzierung einladen: die staatlichen Stellen, die ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind und die teilweise ähnliche Heime betrieben haben; auch die Firmen, die von der Zwangsarbeit profitiert haben. Schließlich ist auch deutlich zu machen, daß damals eine ganze Gesellschaft weggeschaut hat – weite Teile schauen auch heute weg, wenn das Kindeswohl übergangen wird.
Buß- und Bettag 2009
Dierk Schäfer
Pfarrer i.R.
Freibadweg 35
73087 Bad Boll
Weitere Infos:
www.gewalt-im-jhh.de
http://dierkschaefer.wordpress.com/
http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/verfahrensvorschlage-rt.pdf
Wird hier wieder, aus ideologischen Gründen, ein geschichtliches Ereignis ritualisiert, dem Diktat der ” political correctness ” unterworfen.
Die Buß- Schuldbekenntnis Kultur in unserem Lande, Teil einer Unterdrückungsstrategie der selbsternannten GutmenschInnen( der MachthaberInnen) in diesem Lande?
Ablenkung vor den wirklichen Problemen in unserer Gesellschaft ?
Ich glaube der kirchlichen Schauspielerin und EKD Ratsvorsitzenden Kässmann kein Wort, wenn sie dieses Thema kurz vor Wahl ( Zufall?) in die Öffentlichkeit bringt.
Kässmann und alle anderen kannten die Zustände in kirchlichen Heimen doch schon seit vielen Jahren, haben sie etwas dagegen unternommen. Natürlich nicht !
Und die gleiche Kässmann, hat die sich schon jemals z.B. um die Art der Unterbringung unserer Senioren -in kirchlicher und staatlicher Isolationshaft lebend -gekümmert.
Natürlich nicht!
Die Verlogenheit der ganzen Angelegenheit finde ich zum K……