Ganzheitliche Gesundheit von Frauen und Familien
Gesundheitswesen bis 1945

Bis hin zum Ende des II. Weltkrieges gab es in den meisten Familien in Deutschland und in ganz Europa ein fundiertes Gesundheitswissen, das im Wesentlichen die Frauen von einer Generation zur anderen weitergaben. Zum Arzt ging man nur mit wirklich erheblichen gesundheitlichen Störungen, die man mit den häuslichen Möglichkeiten nicht sicher bewältigen konnte. Aber welche Frau kennt heute noch die vielen Tees und Kräuter, die selbst gefertigten Salben und Tinkturen, Wadenwickel, Umschläge und Wasseranwendungen? Auch die Psychologie hatte ihren praktischen Ort in den meisten Familien, in denen die Menschen noch gut zusammen hielten. Selbst die Alten wurden im Familienkreise gepflegt. Der Weg ins Altersheim war eine Ausnahme.
Entartetes Gesundheitswesen
In der großen Masse gibt es kaum noch Menschen, die es verstehen, bei Störungen des Wohlbefindens sich und den Mitgliedern ihrer Familie mit natürlichen Mitteln und häuslichen Anwendugen zu helfen. Man geht eben zum Arzt und lässt ihn entscheiden, was zu tun ist. Solche Patienten sehen im Arzt nicht den Partner, mit dem gemeinsam die Probleme gelöst werden sollen. Sie kaufen von ihm den medizinischen Erfolg, ohne dass sie sich selbst auch nur für die Gründe der Entstehung ihrer gesundheitlichen Störungen und die verschiedenen Möglichkeiten sie zu beheben auch nur interessieren. Dabei gibt es heute großartige Diagnoseverfahren zur Erfassung des Gesundheitsstatus des Menschen, auf denen eine wirksame Prävention gegen das Aufkommen gesundheitlicher Störungen aufbauen kann. Was es brauchte, wären “Gesundheitskassen”, die die Kosten sinnvoller Prävention übernehmen. Die immer weiter um sich greifenden “Volkskrankheiten” würden so sicher verdrängt, das System würde viel Geld einsparen. Die meisten Krankheiten haben doch ihren Grund in falscher Lebensführung, falscher Ernährung, falscher Einstellung zum Leben und fehlende Körperertüchtigung.
Diese Krankheiten können niemals mit Giften aus der Pharmaküche geheilt werden. Ein bekanntes Beispiel ist die Krankheit Skorbut, die niemals aufkommt, wenn die Nahrung ausreichen Vitamin C enthält. Was sollen da Medikamente bewirken? Dennoch ist inzwischen das Kurieren an den Symptomen der Krankheiten durch Verschreibung von immer teureren Medikamenten die Hauptarbeit der heutigen praktischen Medizin.
Neues Interesse an gesunder Lebensführung
Wie bei allen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen lassen Gegenbewegungen nicht auf sich warten. Es mögen vielleicht erst zehn bis 20 Prozent der Menschen in unserer Gesellschaft sein, die die Fragen der Gesundheit und Krankheit selbst voll in die Hand genommen haben und im Therapeuten einen Experten aufsuchen, mit dem sie auf Augenhöhe die Fragen des Erhalts und der Wiederherstellung der Gesundheit angehen. Es ist ein sehr breites Wissen, das diese fortschrittlichen Mitglieder unserer Gesellschaft brauchen, um sinnvoll mitreden zu können.
Frau Professor Dr. med. Ingrid Gerhard, fordert in ihrem neuen Buch “Das Frauen-Gesundheitsbuch”, Haug, 2009, ISBN 978-3-8304-2261-7, EUR 29,95, diese Einstellung des Patienten. Sie gibt ihm indessen die ganze Fülle des Wissens, das er zu diesem Zwecke braucht. Ihr großes Buch von 350 Seiten liest sich allerdings wunderbar leicht, weil es von Seite zu Seite gespickt ist mit höchst bemerkenswerten Informationen über die Funktionen unseres Körpers, des Gemüts und des Geistes wie auch mit handfesten Vorschlägen für die Vorbeugung gegen Störungen und für sanfte und stringente Maßnahmen im Fall ihres Eintritts. Die benötigten Fachausdrücke werden wohldosiert verwendet und erläutert. Nach den ersten 116 Seiten, in denen die wichtigen Grundlagen der Erhaltung der Gesundheit und der Behebung von Krankheiten gelegt werden, ist der Leser in der Lage, später nach Bedarf bei den vielen besonderen Problemfällen nachzulesen.
Die Autorin spart kein wichtiges Thema aus und ist sich nicht zu schade, klare Hinweise auf besonders geeignete Methoden und Mittel zu geben. Wer sich in dieses Buch einliest und es als Nachschlagewerk benutzt, kann in praktisch allen Fragen der Gesundheit und der Medizin mitreden. Sehr hilfreich sind dabei die im Anhang mitgeteilten Adressen der Hersteller wichtiger Produkte, Tipps für weiterführende Literatur und insbesondere das gute Sachverzeichnis.
Schwerpunkt Frauenheilkunde
Die Autorin berichtet, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Mann als Modell des gesunden Menschen angesehen wurde. Frausein an sich war eine Krankheit. Im vorliegenden Frauen-Gesundheitsbuch wird diese Relation keinesfalls auf den Kopf gestellt. Die Rolle des Mannes bei der Zeugung des Nachwuchses wird nicht klein geschrieben. Auch werden die typisch männlichen körperlichen, hormonellen und psychischen Probleme, auch bei der Potenz und der Fertilität, umfassend behandelt. Da die Frauen aber biologisch und psychisch die Hauptlast bei der Entstehung und Versorgung unserer Nachkommen haben, sind ihre funktionalen Systeme weit anfälliger. Dem trägt das Buch im Namen wie auch mit einem ausführlicheren Kapitel über die spezifisch weiblichen Gesundheitsprobleme Rechnung. Wie bereits eingangs gesagt, tragen Frauen ohnehin traditionell die Last, für den Erhalt der Gesundheit auch der Männer und aller Mitglieder der Familie zu sorgen. In erster Linie werden es Frauen sein, die dieses Gesundheitsbuch nutzen wollen.
Ganzheitliche Medizin
Bei allen Vorzügen dieses fleißigen Werkes hätte es nur den halben Wert, wenn es sich allein auf das Wissen der klassischen Medizin (Allopathie, Schulmedizin, orthodoxe Medizin) beschränkt hätte. Jeder, der einmal tief in das Fachwissen verschiedener Bereiche der Medizin eingedrungen ist wie auch in das von Biologie, Physik und Chemie, weiß, dass alle Wesen der Natur und wir Menschen vornean nur auf Grund des Zusammenwirkens ungezählter und unvorstellbar komplexer Prozesse im Gesamtzusammenhang funktionieren. Ist der Therapeut nur Fachmann auf einem Teilgebiet, wird er die relevanten Wirkzusammenhänge aus anderen Sparten und Fächern nicht sehen und kann daher nicht erfolgreich helfen. Der Rostocker Dozent Dr. sc. Bodo Kuklinski, der sich zum Verständnis der von ihm als Erstem erkannten Probleme bei der “Schwachstelle Genick” in den Gebieten Stoffwechsel/Endokrinologie, Onkologie, Geriatrie, Gastroenterologie, Intensivtherapie, Ernährung, Vitamin- und Spurenelementenhaushalt, oxidativer Stress, Umweltmedizinische Diagnostik und Therapie tummeln musste, erklärt das so:
“Es ist höchste Zeit, die Gesundheit des Menschen als das Zusammenwirken komplexer Prozesse zu begreifen, die ganzheitlich funktionieren, anstelle streng geordnet nach Fachrichtungen zu diagnostizieren und zu behandeln.”
Dieses Verständnis von Ganzheitlicher Medizin wird vermutlich jedem Mediziner einleuchten. Es berücksichtigt, dass die Teile des Menschen in Körper, Gemüt und Geist in wechselbezüglich aufeinander zugeordnet sind wie auch in wechselseitiger Beziehung zu den von außen einwirkenden Umständen wie Umwelt und Gesellschaft stehen.
Es ist oft nur Geschmackssache, ob man dies als reale Gegebenheit erkennt und pragmatisch nutzt oder ob man darin eine holistische Grunderkenntnis sieht, wonach die Eigenschaften eines Ganzen nicht durch die Eigenschaften seiner isolierten Teile erklärbar sind, vielmehr immer nach den existenten Gesamtheiten zur Erklärung komplexer Systeme sucht. Der Menschen als “bio-psycho-soziales Wesen” zu sehen, liegt noch nahe. Schwerer nachvollziehbar ist es dagegen, wenn in eine holistische Theorie Systembestandteile wie Spiritualität und kosmische Energien eingebunden werden. Wenn schließlich philosophische, religiöse, mystische und esoterische Ideen als angeblich systemnotwendig behauptet werden, wird das Thema Gesundheit stark überfrachtet. Selbstverständlich steht es jedem Menschen frei, sich sein eigenes Weltbild zu zimmern. Aber das Interesse der Menschen an einem Leben in Gesundheit wird besser gewahrt, wenn ihnen nicht mit dem Versprechen der Heilung zugleich abverlangt wird, sich auf sektiererisch anmutende Phantasien von der Natur des ganzen Universums einzulassen. Da kann ich nur sagen: “Schuster, bleib bei Deinem Leisten!”
Frau Prof. Dr. Gerhard, die sich klar für eine ganzheitliche Medizin ausspricht, geht da einen sehr klugen Weg. Der Arzt, der in der Lage ist, die medizinischen Fragen in ihrem Gesamtzusammenhang zu sehen, wird ganz sicher sehen, meint sie, dass die Schulmedizin und die Natruwissenschaften in endlos vielen Details, aber auch im grundlegenden Verständnis der körperlichen, psychischen und geistigen Zusammenhänge noch vor großen Rätseln steht und voraussichtlich immer stehen wird. Dies sollte den Arzt offen machen für den Wert verschiedener Heilmethoden aus der alten Volksmedizin mit Jahrtausende alter Tradition in unseren Breiten wie auch in anderen Teilen der Welt. Es wäre ja zu schön, wenn man bei jeder konkreten Nutzung alternativer Methoden immer genau wüsste, dass das festgestellte positive Ergebnis tatsächlich auf diese Methode zurückzuführen wäre. Da niemand wirklich sagen kann, wie groß die Irrtumswahrscheinlichkeit ist, ist es angebracht, vorsichtig und mit Fingerspitzengefühl an solche Dinge heran zu gehen.
Die Autorin spricht dort, wo sie schweigt, viel beredter als wo sie redet. Sie erwähnt beispielsweise bei den Methoden zur Gesunderhaltung energetische Maßnahmen wie Handauflegen, Reiki, Prana-Heilen, Tuina und Jin Shin Jyutsu, sie nennt ferner die Verhaltenstherapie und unter weiteren Methoden die Angewandte Kinesiologie (ohne den schwer erklärbaren Muskeltest zu nennen), NLP, die Bioenergetische Analyse, das Autogene Training nach J.H.Schultz, die progressive Muskelentspannung nach Jacobson und das Visualisieren. Sie gibt Hinweise auf Körperübungen und Meditation wie Yoga, Fünf Tibeter, Quiging, Tai Chi und Bauchtanz. Aber man findet bei ihr nichts über Archetypische Medizin, Reinkarnationstherapie und astrologsische Symboltherapie. Auch die angeblich so patente Blutgruppendiät erwähnt sie nicht. Kein Wort über vegetarische oder vegane Essweise, über reine Rohkosternährung auf der einen oder die Ablehnung jeder Rohkost, besonders des  Getreidekonsums, auf der anderen Seite. Abseitiges bleibt zu Recht außen vor.
Da aber, wo die Wissenschaften in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht haben, die ein neues Verständnis für die mentalen Abläufe im Menschen gebracht haben, ist das Handbuch natürlich präsent. So schreibt die Autorin zur Frage, was Glück ist:
“Glück ist nach aktueller Forschung im Grunde nichts anderes als Chemie. Das erklärt, warum Menschen mit bestimmten Störungen im Gehirn trotz optimaler Lebensbedingungen traurig sein können. Um Glück oder Freude, Trauer oder Wut empfinden zu können, sind Botenstoffe nötig, die Informationen an die entsprechenden Stellen transportieren.”
Klarer habe ich es in meinem vorweihnachtlichen Beitrag zur Chemie des Glücks vom vergangenen Jahr auch nicht sagen können.










Twitter Trackbacks for Readers Edition » Ganzheitliche Gesundheit von Frauen und Familien [readers-edition.de] on Topsy.com
[…] Readers Edition » Ganzheitliche Gesundheit von Frauen und Familien www.readers-edition.de/2009/11/22/ganzheitliche-gesundheit-von-frauen-und-familien – view page – cached Readers Edition ist ein Portal für Bürgerjournalismus in Deutschland. Bürgerjournalisten schreiben über Politik, Wirtschaft, Web 2.0, Social Media, Klimawandel, Wissenschaft und Kultur. […]
Guillaume
Zeitgeist Lektüre,nun ja.
Dient wahrscheinlich zur Begründung für nachfolgende Tatsachen.
1.
80 Prozent der Gesundheitskosten in diesem Lande werden durch Frauen verursacht.
2.
80 Prozent der Gesundheitskosten werden (noch) durch Männer bezahlt.
Die eigentlich wichtige Aspekt in dem ellenlangen Artikel, dass viel Wissen über Gesundheit in den Familien lag und liegt ist sicherlich wahr, warum das wieder unbedingt den ” Frauenaufhänger” braucht ist ist zwar durchsichtig und offensichtlich heute notwendig um Aufmerksamkeit zu erlangen.
Prost!
Hygieia
@Guillaume
Das Buch heisst “Frauen-Gesundheitsbuch”. Ergo ist es durchaus einleuchtend, wenn der Rezensent beim Thema bleibt und den Schwerpunkt dieses Buches kritisch würdigt.
Wenn Sie den Artikel gelesen hätten, hätten Sie gesehen, dass auch die Schwachstellen der Männer in diesem Werk umfassend behandelt werden. Ob der Titel dann so klug gewählt ist, darüber lässt sich trefflich streiten.
Vielleicht stand dahinter der Gedanke: ist der Mann gesund, fühlt sich auch die Frau wohl.. Eingedenk des Pflegeaufwands, den ein malader Mann in einem Haushalt fordert.
Ganzheitliche Gesundheit von Frauen und Familien « Ernährung und Medizin
[…] mehr lesen […]
Guillaume
“HYGIEA” (oooooh, Tochter des Heilgottes Asklepios, griech.)
Autsch - und danke für Ihre Belehrung. Lehrerin? Kommt so flüssig und eloquent.
Das Buch ist trotzdem nur hohles und ideologisiertes Geschwätz.
“A bunch of motherhood statements”, wie die Engländer sagen,gelle.
Mein Gott, haben sie es vielleicht sogar selbst geschrieben? Nun ja!
**
” Pflegeaufwands, den ein malader Mann in einem Haushalt fordert ” ” Ist der Mann gesund fühlt sich die Frau wohl”
.. ach ja, nur aus Eigennutz, Sie sind ja ein Herzchen….
Als ob jemand wie wie Sie irgend jemand pflegen würde, sie gehören doch zur
Ich AG Generation, da kommt der Partner wenn überhaupt ganz am Schluss.
Liebe und Zuwendung was ist das. Scheidungsanwalt und große Versorgungslage
das wohl schon eher.
Typisch eben!
Zum Abschluss ein kleines Geschenk für Sie:
Es gibt nur zwei Arten von ÄrztenInnen: solche, die mittels ihres Hirns praktizieren
und die, die es mit ihrem Mundwerk tun.
(Sir William Ossler)
- zu welcher Kategorie wohl die Verfasserin gehört ?
Das Frauengesundheitsbuch « Gesundheit, Frauen, Familien, reiki, medizin, schulmedizin « Reiki Medizin
[…] Gestern berichtete Rolf Ehler in der Readers Edition über Ganzheitliche Gesundheit von Frauen und Familien. In dem lesenswerten Artikel wird über das Gesundheitswesen bis 1945, krankhafte Entwicklungen im Gesundheitssystem bis hin zum neue Interesse an gesunder Lebensführung berichtet. Anlass ist das Erscheinen von “Das Frauengesundheitsbuch” von Professor Dr. med. Ingrid Gerhard. Schwerpunkte der Publikation sind das Thema Frauengesundheit und ganzheitliche Medizin. […]