Gruppe Die Linke: Einzelne Studenten, die Hörsäle besetzen, nur ein Bruchteil der Studierenden, die sich an Demonstrationen beteiligen – Ein VZ-Nutzer aus Hamburg sorgt sich um die Bemühungen der Protestierenden. Seine Frage in die Runde: “Wie betrachtet ihr die desinteressierten Haltung der großen Mehrheit der Studenten/innen”.
Ein Diskutant aus Berlin berichtet hingegen von guter Beteiligung in seiner Stadt. Er schreibt jedoch: “Ich denke, das ist auch immer eine Frage, wie man diese Proteste gestaltet. Die Österreicher sind ja jetzt nicht per se revolutionärer, aber trotzdem haben sie auch außerhalb der Uni ein riesiges Echo gefunden. Man muss es halt plural und offen gestalten, so dass sich alle motiviert fühlen, mitzumachen, und die Zustände müssen schlecht genug sein.” Positives meldet ein anderer indessen aus einer anderen Stadt. Er sagt aber: “In Hannover haben sie ne tolle Aktion gemacht, sind mit Transparenten bewaffnet ‘über den Zebrastreifen gegangen’ :p Nach fünf Minuten wollte ein Autofahrer einen Demonstranten verhauen – auf Zustimmung aus dem Volk werdet ihr wohl verzichten müssen.”
In Bezug auf die geringe Beteiligung rät ein Dritter: “Es müssen viel mehr Störaktionen durchgeführt werden. Insbesondere Blitzblockaden auf Autobahnen haben sich – z.B. in Hessen – als sehr erfolgreich erwiesen. Immer wieder eine halbe Stunde blockieren und wenn die herbeigerufenen Hundertschaften der Polizei sich in Position bringen in alle Richtungen zerstreuen. Das hat schon immer geklappt – und das sind Aktionen, mit denen sich letztlich ‘Zwang’ auf die Politik ausüben lässt. …und wem das nun zu radikal ist und sagt, man solle doch lieber friedlich und angemeldet in der Fußgängerzone protestieren: Das bringt leider rein gar nix! Demonstrationen, die nicht zumindest mittelbar wirtschaftlichen Schaden erzeugen, erzeugen keinen Druck. Da können auch bundesweit fast 300.000 Menschen auf die Straßen gehen (wie in diesem Sommer…) – das kümmert die Politik nicht im entferntesten.” In seinen Augen funktionierten auch exzessive Störungen des Lehrablaufs an den Hochschulen – durch Besetzungen von großen Hörsälen, weil dadurch ein ernsthafter Schaden entstehen würde, wenn hunderte Lehrstunden dadurch ausfielen. “Wenn über’s Jahr immer wieder Besetzungen stattfinden kann so auch Druck erzeugt werden.” Sein Gesamteindruck dieses Herbstes: “(…) dass es dieses Mal wesentlich besser läuft als noch im Sommer. Bildungsstreiks müssen gesellschaftlich weiter etabliert werden – es muss geradezu zur Normalität werden, so lange sich das System nicht ändert.”
Andere wollen nicht so weit gehen. Sie verweisen auf die Illegalität so manch vorgeschlagener Maßnahme. Sie raten dringend davon ab, zu solchen Aktionen aufzurufen. Unbeteiligte Dritte sollten ebenfalls außen vor bleiben.
Ein anderer Diskutant sieht die Sache nüchtern: “Ich halte es für illusorisch, sich mit den Studentenprotesten in die ernsthafte politische Debatte einbringen zu können, sodass langfristige Besserungen erreicht werden. So läuft das einfach nicht. Die Politiker sehen uns, erschrecken, versprechen irgendwas, in die Kamera lächelnd, und leiern irgendeine völlig unnütze Reform an (mehr Bafög? Ich will erst mal überhaupt Bafög!), und in nem halben Jahr ist es eh vergessen. Ich hoffe einfach, dass durch die große Medienpräsenz eine Stimmung gegen die Regierung geschaffen wird, die sie möglichst schnell erledigt. Und dann gehts natürlich darum, an jeder Uni konkret was zu verändern, darum, möglichst viele Studenten zu politisieren, und um ein Stück Prostestkultur.” Hierzu wird ergänzt: “Ich frag mich grade, ob es prinzipiell den einen oder anderen Konstruktionsfehler im System gibt, wenn die demokratischen Mittel fast zwangsläufig immer zum Scheitern verurteilt sind (was sich auf verschiedenste Art und Weise zeigt.) Wenn ich das Gelaber von Frau Schavan mit ihrem Bildungssparen höre, möchte ich glatt meine Glotze zertrümmern, aber es zeigt mir auch eindeutig, dass die politische Führung dieses Landes weder Ahnung vom, noch Interesse am Anliegen der Studenten hat. Und damit wäre auch dieser Protest zwangsläufig zum Scheitern verurteilt, weil ich mal davon ausgehe, dass as Interesse bei den Studenten eher abebbt, als das der Politiker aufflammt.”
Eigentlich sollte man meinen daß sich die Stundentenschaft aus intelligentem Nachwuchs rekrutiert. Aber hier trügt wohl der Schein. Der Staat hat eine bestimmte Geldmenge zur Verfügung und damit muß er auskommen, wobei schon auf ” Pump” gewirtschaftet wird. Wenn der Staat nun mehr Geld in Bildung investieren soll muß er diese Mittel notgedrungen anderswo einsparen. Einsparen aber nur dort, wo das auch sinnvoll ist, wo Gelder sinnlos verpulvert werden. Welcher Bereich käme da in Frage? Selbstverständlich der Tabu-Bereich Asyl-und Ausländerpolitik. Dort anzusetzen wäre absolut vernünftig. Nun scheint aber unsere geistige Zukunftselite doch nicht so intelligent zu sein, diese Zusammenhänge zu erkennen. Wenn der Staat nun tatsächlich bei der völlig verfehlten Integrationspolitik Gelder abzweigen würde zugunsten der Bildung dann würden diese gleichen studentischen Prostestierer, denen besagte Mittel eigentlich zugute kommen würden, eine Protestdemonstration gegen Ausländerfeindlichkeit organisieren. Solcher Irrsinn ist schwer nachvollziehbar, erst recht, wenn er von Leuten betrieben wird, die für intelligent halten.