Gruppe Piratenpartei: “(…) das ist keine heftige Diskussion”, meinte ein Kommentator zum Beitrag “Inszenierte Religionsdiskussion unter Piraten” am gestrigen späten Abend. Er war der Auffassung: “(…) ..über die Lebensmittelkennzeichnung wurde noch heftiger diskutiert”. Und in der Tat: Seit der Eröffnung des Themas am 30. Oktober sind bis dato über 100 Wortmeldungen eingegangen, die ausführlich das Für und Wider einer solchen Maßnahme beleuchten.
Der Diskussionseröffner beginnt folgendermaßen: “Schlaganfall, Herzinfarkt und Embolien sind Todesursache Nummer Eins in Deutschland. Meistens ist falsche Ernährung daran Schuld. Für die Schweinegrippe werden Millionen verprasst, aber um etwas gegen falsche Ernährung zu tun, macht die etablierte Politik gar nichts, sondern blockiert sogar Aktionen dagegen.” Er weist auf die Forderung von Foodwatch hin, die eine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel einführen möchten. Diese würde seiner Meinung nach für “Transparenz in der Ernährung sorgen”.
“Gute Sache, wenn es SO durchgeführt wird, aber ich vermute, es wird eher dazu missbraucht einen Konkurenten durch mangelnde Bewertung auszustechen”, meint hierzu ein Diskutant und verweist auf einen Beitrag von “Frontal 21“. Ähnlich sieht es ein weiterer VZ-Nutzer. Er sagt: “Ich habe zunächst nichts gegen die Ampelkennzeichnung, aber in meinen Augen werden dort Low Produkte als besonders toll dargestellt, ich finde den Eindruck rot gleich schlecht, grün gleich gut für völlig inakzeptabel.” Er setzt auf den menschlichen Instinkt und schreibt: “Wir wissen doch eh alle welches Essen Fett und ungesund ist, und welches Gut ist, die Entscheidung übernimmt eh unser Stammhirn.” Andererseits, so wird im Laufe der Diskussion angemerkt, könne eine solche Kennzeichnung auch der “Entlarvung” so mancher “Produktfalle” dienen. In der Werbung als “gesund” angepriesene Lebensmittel, die in Wahrheit total “überzuckert” seien, könnte so der Gar aus gemacht werden. Als Richtlinie könnten die Farben demnach durchaus Sinn machen.
Der überwiegende Teil der Diskussionsrunde steht der Sache jedoch völlig ablehnend gegenüber.
“Die Ampelkennzeichnung ist vollkommen unzureichend und führt zu vollkommen falschen Schlüssen beim Verbraucher”, glaubt ein Mit-Diskutant. Er hält den Vorstoß für reinen Populismus. Ihm wird zugestimmt. Das “Schienendenken” werde hierdurch gefördert. Viel eher sollte auf den “mündigen” Bürger gesetzt werden. Ein anderer meint: “Ich sehe in der Ampel eine bevormundung, weil irgendein Institut richtlinien dafür festlegen muss.” Ähnliche Gedanken werden wenig später geäußert: “Eine ‘Ampel’ halte ich (…) für blödsinnig, letztlich muss jeder Konsument selbst wissen was er in sich hineinstopft.” Er fügt jedoch hinzu: “Leider blickt man bei dem ganzen Zeug, was sich heute in Lebensmitteln befindet, allerdings nicht mehr wirklich durch.. außer man studiert Ernährungswissenschaft. Hinzu kommen solche quasi-Lügen wie ‘Aus kontrolliertem Anbau’, ‘Höchste Qualität’, ‘Ständige Kontrollen’ etc. welche Qualität suggerieren, ansich jedoch keinerlei Aussagekraft haben.” Doch welche Kennzeichnung auch immer kommen mag, da ist er sich sicher, die Hersteller werden einen Weg finden, ihre Produkte entsprechend an den Mann zu bringen.
Einen Mangel im derzeitigen System sehen die Diskutanten dennoch.
So schreibt ein StudiVZler: “Von mir aus müsste man auch keine Ampel machen, aber eine Kennzeichungspflicht auf 100g normiert. Geht einfach mal in den Supermarkt und versucht den Natrium bzw. Kochsalzgehalt herauszufinden. Es sind gerade oft Markenprodukte die gerade diesen Wert nicht auf die Packung schreiben.” Hierauf starten die Nutzer einen Test und listen eine ganze Reihe von Produkten und deren Auszeichnungen auf. Als vorbildlich erachtet ein Diskutant die Angaben einer großen Fast-Food-Kette. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf aufschlussreiche Seiten (hier, hier oder hier). Ein ums andere Mal werden Hinweise auf die japanische oder mediterrane Lebensweise in den Raum gestellt und gefragt: wie viel Fleisch brauchen wir wirklich?
Zusammenfassend dominieren folgende Einschätzunge: “Missbrauch zu Marketingzwecken”, viele Nutzer sehen gerade hierin das Problem. Eine echte Hilfe werde mit der “Ampel” jedenfalls nicht geboten. Vielmehr greife die Kennzeichnung zu kurz, gehe am eigentlichen Problem vorbei. Die Einteilung sei zu pauschal. Nicht nur einmal wird auf das Thema Fette, Proteine oder Süßstoffe verwiesen. Zur gesünderen Ernährung, da sind sich viele einig, trage das jedenfalls nicht bei. Ein StudiVZler mahnt: “TRANSPARENZ und AUFKLÄRUNG integrieren – das fängt in den Schulen an!!!” Mehr Sportunterricht oder ein Fach “gesundes leben” wären sinnvoll. Unbegdingt dazu gehöre allerdings auch die Aufklärung der Eltern.
Die Ampel, die beispielsweise alle Fette zusammenfasst, macht nicht sichtbar, wie viele lebensnotwenige ungesättigte Fettsäuren enthalten sind und wie viele schädliche Transfette. Auch bei den Zuckerstoffen macht erst eine detaillierte Information Sinn, die aber zu komplziert wäre. Mit dem simplen Instrument der Ampel wird nur ein
Service am Verbraucher vorgetäuscht.