Raus aus der Bildungsmisere

Gruppe Piratenpartei: Der “heiße Herbst” hat es in diesem Jahr schon zum zweiten Mal gezeigt – Deutschland befindet sich in Sachen Bildung offensichtlich auf einem absteigenden Ast. Nicht nur die Protestierenden auf den Straßen und in den Hörsälen machen sich Gedanken, wie sich ihre Situation verbessern könnte. Seit heute geschieht

Gruppe Piratenpartei: Der “heiße Herbst” hat es in diesem Jahr schon zum zweiten Mal gezeigt – Deutschland befindet sich in Sachen Bildung offensichtlich auf einem absteigenden Ast. Nicht nur die Protestierenden auf den Straßen und in den Hörsälen machen sich Gedanken, wie sich ihre Situation verbessern könnte. Seit heute geschieht das auch in einem eigenen Thread auf StudiVZ, der gemeinsam mit der “Crew: AK/Bildungspolitik/Aktuelle Probleme im Bildungssystem 2009″ neue Ansätze zu Tage fördern soll.

“Wir brauchen konkrete Lösungen, um die Bildungsmisere zu überwinden”, mahnt der Eröffner der Diskussionsrunde an. “Also postet hier (tinyurl.com/yjtdsff), was ihr konkret anders machen würdet, aber auch in diesem Thread, um die Dynamik des Forums mitzunehmen und andere anzustecken, mitzumachen.”

Er selbst macht den Anfang und weist auf drei Probleme und mögliche Auswege hin. “BAföG wird nur innerhalb der Regelstudienzeit gezahlt. Die Regelstudienzeit ist durch den Bologna-Prozess wiederum so knapp bemessen, dass der Abschluss des Studiums in der Regelstudienzeit zu einer unzumutbaren Anforderung geworden ist, die manche Studenten sogar ins Burnout-Syndrom führt. Die finanziell vom BAföG abhängigen Studenten haben aber keine Wahl, als den vom Bologna-Prozess vorgezeichneten Weg des Turbo-Studiums zu beschreiten”, erklärt der VZ-Nutzer. Seine Lösung sieht so aus: “BAföG bis maximal 2 Semester nach der Regelstudienzeit.”

Weiterhin für bedenklich hält er, dass die Zulassung zum Master-Studiengang oft an die Vorweispflicht umfangreicher Praktika gebunden sei, die mehrere Monate dauern müssten. “In diesen Praktika werden die Studenten in der Regel wie richtige Arbeitskräfte eingesetzt und übernehmen betriebliche Verantwortung als seien sie fest angestellte, reguläre Arbeitnehmer. Ein für diese Leistung angemessener Lohn kommt ihnen jedoch nicht zu. Dieser Umstand wird insbesondere dann zum Problem, wenn man den Abschluss des Bachelor-Studiengangs erst ein Semester später als von der Regelstudienzeit vorgesehen schafft, der Masterstudiengang jedoch erst 2 Semester nach der Regelstudienzeit wieder neue Bewerber aufnimmt (=Zeitfenster 6 Monate), und bis dahin noch die bspw. 3 Monate Praktikum abgearbeitet werden müssen, denn lebensunterhaltsichernden Tätigkeiten kann man während der 3 Monate Praktikum zeitlich bedingt nicht nachgehen.” Sein Lösungsansatz lautet: “Lebensunterhaltsichernder Lohn von ca. 600 € für Vollzeit-Praktika.”

Das dritte Problem, das er anspricht, betrifft wohl alle Studenten, ganz gleich, welcher Studiengang. Sie haben mit überfüllten Hörsälen und daraus resultierend schlechten Lernbedingungen zu kämpfen. Er schlägt deshalb eine kosteneffiziente Lösung solcher Zustände vor, die sicherlich nicht schwer umzusetzen sind: “Öffentlich zugängliche Live-Streams von Vorlesungen und Online-Archivierung eben dessen, damit man die Lehrveranstaltungen nicht verpasst, auch wenn man keinen Platz mehr in ihnen gefunden hat.”

Seine Ausführungen stoßen auf Zustimmung. Ein weiterer Diskutant spricht in der Nachfolge ein grundsätzliches Problem an. Bildung sei noch immer Ländersache. Hätten wir ein bundesweit einheitliches Bildungssystem, gäbe es auch keine Diskrepanzen. Ein Dritter Diskussionsteilnehmer glaubt allerdings, dass nicht nur die Studenten aktiv werden müssten. Er schreibt: “Ich würde aber noch den einen oder anderen Professor zu Weiterbildungen zwingen, die ihnen erst ermöglichen moderne techniken einzusetzen. So mancher kommt noch sehr gut mit Dias und Folien aus und hält firefox für einen brennenden Waldbewohner. Auch Powerpoint ist vielen noch ein Buch mit sieben Siegeln.”

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