Spätestens als das Fax einer Basarteilnehmerin das Pressebüro von Afro Project e.V. erreichte, war klar: Es geht wieder los. Die dreijährige Tochter der Dame machte nämlich – so war auf dem unscheinbaren Zettel vermerkt – unmissverständlich deutlich, wo sie zwischen dem 21. und 24. Mai 2010 gerne hinreisen möchte. Es soll nach Afrika gehen. Wo das liegt? Natürlich in Würzburg…
Mit dieser kleinen Anekdote wurde am heutigen Mittwochvormittag die “Africa Festival-Familie” erneut vereint. Pressesprecher Christian Raith hatte zur traditionellen Pressekonferenz geladen, um erste Ausblicke auf den nächsten Sommer zu geben. Denn 2010, das dürfte mittlerweile so gut wie allen bewusst sein, wird für Afrika ein ganz besonderes Jahr. Die Fußballweltmeisterschaft findet auf dem Schwarzen Kontinent statt. Doch keine Sorge, Musikfreunde, die dem runden Leder weniger zugetan sind, werden sich nicht in einem Meer von Fußball-Themen wiederfinden. Das Gleichgewicht zwischen Berücksichtigung und Übersättigung wurde sorgfältig eingehalten.
“Vergiss dein Schicksal, komm’ auf die Füße und lebe”
Und so konnte Raith an diesem strahlenden Novembertag schon vier Highlights des nächsten Africa Festivals verkünden. Der erste Abend im großen Zirkuszelt steht diesmal ganz im Zeichen der “Legenden südafrikanischer Musik”. Zu Gast ist Busi Mhlongo & Twasa. Die Sängerin, Tänzerin und Komponistin, deren Musik mehrfach ausgezeichnet wurde, ist nicht zum ersten Mal im Unterfränkischen zu Gast. Bereits 1994 zum sechsten Africa Festival war die “Urban Zulu Queen” auf den Talavera Mainwiesen zu hören und hat mir ihrer lebendig-treibenden, aber nie depressiv wirkenden Sounds die Zuhörer verzaubert. Tradition trifft bei ihr auf Elemente des Jazz und Rock. Dazu gesellen sich Funk und Reggae. Zusammen ergibt das einen Mix, den das Energiebündel eindrucksvoll zu versprühen weiß.
Jung, frech und dynamisch geht es auch am zweiten Abend weiter. Freshlyground erobern die altehrwürdige Universitätsstadt. Sie repräsentieren par excellence das Motto des Tages: “Junge Musik Südafrikas”. Sieben Künstler unterschiedlichster Couleur werden dann die Bühne stürmen, um das Publikum mit so ungewöhnlichen Instrumenten wie Geige oder Querflöte in Bewegung zu versetzen. “Vergiss dein Schicksal, komm’ auf die Füße und lebe”, lautet das Credo der Kulturbotschafter der Fußball-WM 2010. Wie keine andere Band aus Südafrika verkörpern sie den Gedanken der “Rainbow Nation”, ist sich der Fußballverband sicher. Gute-Laune-Pop mischt sich bei ihnen mit traditionellen afrikanischen Rhythmen. Während des 19. Africa Festivals hat die 2002 in Kapstadt gegründete Band das schon einmal beweisen dürfen. Und so dürfte es auch in der 22. Ausgabe äußerst bunt zugehen.
“Nun wird es ganz anders”, meint Christian Raith vielsagend. Der dritte Abend gehört nun Westafrika und mit ihm Mariana Ramos. Wer sie zum ersten Mal höre, könne genauso gut an Südamerika denken, schickt Raith vorweg. Doch weit gefehlt. Diese junge Dame gehört zu den neuen Sternen am kapverdischen Musikhimmel. Wer heuer Sara Tavares erlebt hat, dem spitzen sich nun unweigerlich die Ohren. Mit ihrer zarten Stimme sorgte die charismatische Sängerin für den perfekten Ausklang.
Mariana Ramos wird ihr sicherlich in nichts nachstehen. In Dakar im Senegal geboren und auf den Kapverden aufgewachsen, besetzt sie eine ganz eigene Nische der zeitgenössischen kapverdischen Musik. “Subtile Jazz-Anklänge vermischen sich mit brasilianischen und afrikanischen Sounds”, freut sich das Afro Project Team und entführt so in die ganze Vielfalt der hiesigen Klangwelt.
“Rootsman” Frank Dellé auf Solopfaden
Der vierte und letzte Abend dürfte hingegen vor allem “Teenager-Deutschland” in helle Vorfreude versetzen. Kein geringerer als Frank Dellé, Frontmann der bekannten Berliner Dancehall-Band Seeed, ist mit seiner zwölf Mann starken Band zu Gast. Nach Peter Fox wandelt nun auch der selbsternannte “Rootsman” auf Solopfaden. In Würzburg präsentiert er sein Solodebüt “Bevor I grow old”. Roots-Reggae mal anders, lautet die Devise des 39-jährigen Sohnes deutsch-ghanaischer Eltern. Und wer weiß, vielleicht erfahren die Fans bei dieser Gelegenheit noch mehr über den mysteriösen Truthahn auf seinem Album-Cover, der ihm einst das Leben gerettet haben soll.
Südafrikanische Kunst und Politik treffen sich in Würzburg
“Heute können wir zum ersten Mal ein bisschen durchschnaufen”, gibt Raith am Ende schmunzelnd zu. Ganz schön gestrampelt hätte das Team bisher, um das Mammuth-Programm, das im nächsten Jahr wieder Zehntausende locken soll, auf die Beine zu stellen. Die ersten Eindrücke sind vielversprechend. Südafrika, dem “Country of honor” wird ein angemessener Stellenwert eingeräumt. Sowohl im Zelt als auch auf der Offenen Bühne werden sich Klänge aller WM-qualifizierten Staaten wiederfinden. Mit der Einladung des südafrikanischen “Cape Crafts and Design Institutes” wurde zudem auch die Kunst des faszinierenden Landes berücksichtigt, die 2010 auch auf dem Basar anzutreffen sein wird. “Das erfolgreiche Weinprojekt wird natürlich auch fortgesetzt”, verrät Raith schon jetzt. Besonders stolz seien sie auch auf eine feste Partnerschaft mit der südafrikanischen Botschaft, die Sonwabo Eddie Funde, Botschafter Südafrikas, bereits während der letzten Abschlusskonferenz in Aussicht gestellt hatte. Besonders geehrt fühle sich das Team auch durch den Besuch des stellvertretenden südafrikanischen Kulturministers, der gerade einmal zwei Wochen vor dem Start der Fußballweltmeisterschaft den Weg nach Europa findet. Ebenso wie der Fernsehsender “Arte”. Dieser präsentiert sich nicht nur mit einem eigenen Arte-Filmpalast, sondern wird täglich kleine Berichte in Podcast-Form direkt von den Mainwiesen in die Welt hinaus senden.
Die Worte der Dreijährigen dürften sich also bewahrheiten. Afrika, das liegt 2010 erneut am schattigen Ufer des Mains. Die Reise kann auf ein Neues beginnen…
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