Syl Reinhardt macht in Mode. Damit eckt sie manchmal an, doch meist gewinnt sie durch ihren Fleiß, ihren Charme und ihre Tatkraft. Kreativität wagt sich nun in einen eigenen Laden mit Syl, einer Stoffpüppi und ganz viel schrägem Kleiderwerk. Da musste Volly Tanner einfach nachfragen & er genoss das Zusammensein sichtlich…
Volly Tanner: Hallo Syl, Erstmal Glückwunsch zu Deinen Laden. Gleich am Connewitzer Kreuz, mitten im Herzen der Szene bist Du nun mit Deinem Label ansässig.
Syl Reinhardt: Hallooo Volly! Ich danke Dir und sage: Willkommen in meiner KleiderKammer. Seit 2007 existiert mein Ein-Frau-Label nun in Leipzig, da wurde es doch endlich Zeit einen Schritt weiter zu gehen.
Volly Tanner: Was macht Deine Klamotten denn so besonders?
Syl Reinhardt: Hmm, zusammengefasst: junge DesignerMode mit einem kleinen Hang zur Uniformität. Uniform und Uniformität verstehe ich als ein soziokulturelles Phänomen, das wirksam wird als Kehrseite zur Individualisierung. Standardisierung von Körper und Kleidung, Serialität und massenhafte Herstellung von Kleidung sowie spezifische Körper- sowie Kleidungstechniken bilden grob die genauen Merkmale der Uniformierung. Die Arbeiten sind eine ideale Verbindung von Mode und Musik. Der Massenindividualisierung trete ich mit kleinen Kollektionen und limitierten Auflagen entgegen. Uniformität versus Individualität! Mode versus Musik! Uniform versus mich – Sylvi!
Volly Tanner: Was unterscheidet Deine Arbeit von der der vielen kleinen Stylelabels?
Syl Reinhardt: Ehrlich… ich orientiere mich an meinen Ideen und den Nachfragen wie Wünschen von Kunden und interessierten Leuten.
“Ich setze meine Kopfhörer auf und lasse mich küssen”
Volly Tanner: Du sprichst von der idealen Verbindung zwischen Musik und Mode – was meinst Du denn damit?
Syl Reinhardt: Musik begleitet mich intensiv seit über 15 Jahren. Sie brachte mich schon mit interessanten Menschen zusammen. Sie ist … ja meine Muse. Ich setze meine Kopfhörer auf und lasse mich küssen. Genau!
Volly Tanner: Wer ist Deine Klientel? Wer trägt Deine Sachen?
Syl Reinhardt: Mein Klientel zieht sich durch alle Generationen, ob es der Teenie in der Bahn neben mir sei, der eines der farbigen Shirts aus der Reihe “uniformeD your shirt” trägt, der Mann mit Vorliebe für Krawatten oder die junge Frau, die gern eines der Kleidungsstücke im Alltag und auch am Abend trägt. Es sind Leute, welche zu mir kommen, die gerne etwas individuell Einzigartiges aber Tragbares an Bekleidung suchen.
Volly Tanner: Hast Du das irgendwo gelernt? Also, ich meine: designen?
Syl Reinhardt: Ja. Ich hab in Halle/Saale an der Burg Giebichenstein für Kunst&Design studiert. Ich bin Dipl.-Modedesignerin.
Volly Tanner: Wie siehst du das hiesige Pflaster für Design? Es gibt ja die Designers Open und solche Läden wie die Kaputage – gibt’s da Vernetzungen?
Syl Reinhardt: Die Leute sind sehr interessiert an neuen jungen Designern, vor allem die Wertschätzung für kleine Serien und EinzelStücke/Unikate im Design erhält wieder mehr Zuwendung. Mit der Niederlassung in Leipzig gibt’s jetzt endlich eine persönliche Anlaufstelle und wer weiß, vielleicht bald auf einer jener Messen.
Volly Tanner: Deine Models sind ja durch die Reihe faszinierende Geschöpfe. Wo kommen die denn her?
Syl Reinhardt: Meine tollen Mädchen und Jungs spreche ich bei Veranstaltungen in Clubs oder Konzerten an, bzw. über meine Internetseite auf myspace. www.myspace.com/u_design. Sie stammen aus dem Raum Leipzig, doch manches Mädel kommt gern mal von weiterher z. Bsp. aus Dessau.
Volly Tanner: Wie geht’s eigentlich deiner Püppi? Hat sie sich schon in Massen verkaufen lassen???
Syl Reinhardt: Ach meine stoffgewordene ComicFigur… meiner Püppi geht’s super. Sie steht im Schaufenster und lässt neugierige Plattnasen an der Scheibe auf sich wirken. Wer das Püppchen gern in seine Arme schließen möchte, kann eine von drei limitierten Stück kaufen… also nix mit Massenware.
Volly Tanner: Connewitz an sich ist ja politisch extrem homogen, fast schon langweilig. Gab’s da schon Reibereien oder Vorkommnisse mit der dortigen Meinungs-Führerschaft. Ich meine: UniformeDesign ist ja fast schon ein rotes Tuch im Dogmatikerhaufen. Man trägt ja nur Wurstfrisur und Hausbesetzergeruch.
Syl Reinhardt: Oh nein, nix der Gleichen. Für all jene, die stutzig vor dem Atelier stehen, weist ein eingerahmter 4Zeiler* im Schaufenster auf meine Arbeiten hin.
“Leben heißt nicht umsonst Veränderung”
Volly Tanner: Wo siehst Du dich eigentlich mit Deinem Label in zehn Jahren?
Syl Reinhardt: Zehn Jahre ist eine lange Zeit. Bis dahin wünsche ich mir ein gut laufendes Atelier mit vielen interessanten Nebenprojekten, wie FotoShootings, kleine Aufführungen, Ausstellungen und wer weiß, was noch so passiert. Leben heißt nicht umsonst Veränderung, Volly da sprechen wir uns in spätestens zehn Jahren wieder, oder?
Volly Tanner: Individualisierung durch Einzelstücke und Uniform widerspricht sich ja philosophisch etwas. Wagt das Publikum den Sprung ins Selberdenken?
Syl Reinhardt: Gegensätze ziehen sich an und Mode spielt unheimlich gern mit ihnen. Diese Verführung lässt sich das Publikum nicht entgehen.
Volly Tanner: Was möchtest Du den Interessierten denn noch mitgeben? Warum sollen die unbedingt zu Dir reinkommen?
Syl Reinhardt: Ein Besuch in meinem Atelier und meiner KleiderKammer, in der Wolfgang-Heinze-Str.10, Leipzig, lohnt sich immer wieder auf ein Neues, schon allein da ich ständig neue Artikel/ EinzelTeile herstelle. Falls mal etwas vergriffen sein sollte oder der Wunsch nach einem anderen Motiv, Farbe oder Stoff sei, so lässt sich über Alles reden. Reinhardt-uniformeDesign ist offen für Eure Wünsche und nimmt sich gern Zeit für ein kleines Gespräch! Kommt in meine Welt!
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