“Wikipedia ist kein kafkaeskes Labyrinth”

- “Wikipedia ist bereits unglaublich transparent.” Jimmy Wales glaubt nicht an ein Bürokratieproblem.
Wikipedia in der Diskussion: Das Wall Street Journal berichtet von der Abwanderung von über 49.000 Autoren in der ersten drei Monaten dieses Jahres. In Deutschland kam es es zum regelrechten Aufstand wegen der Streichung eines Beitrags über den Verein “Missbrauchsopfer Gegen Internetsperren” (MOGis e.V.). Wikipedia-Gründer Jimmy Wales verteidigt die Online-Enzyklopädie im Email-Interview mit der Readers Edition etwas gereizt und hält weiteres unbegrenztes Wachstum für “nicht erstrebenswert”.
Readers Edition: Es gibt einige Diskussion um Wikipedia: Vor einigen Tagen berichtete das Wall Street Journal, dass die Zahl der neuen Autoren dramatisch zurückgehe. Was ist los bei Wikipedia?
Jimmy Wales: Wir sehen nicht im geringsten einen Rückgang der Zahl der Autoren. Wir sehen, dass sich die Zahl der Autoren stabilisiert hat. Das war so zu erwarten, da wir bereits jetzt eine der populärsten Websites im Internet sind. Es ist nicht möglich, das Wachstum unbegrenzt fortzusetzen. Und es ist auch nicht erstrebenswert.
“Wir wollen kein Müllablade-Platz sein“
Readers Edition: Viele Unterstützer sagen, sie seien frustriert von einem zunehmenden Maß an Bürokratie, im besonderen, wenn Artikel aus fragwürdigen Gründen geblockt werden. Der Vorwurf der Arroganz wird erhoben. In Deutschland gab es wegen eines Beitrags soeben eine kleine Revolution. Kann es mehr Transparenz für solche Entscheidungen geben?
Jimmy Wales: Wikipedia ist bereits unglaublich transparent, und es gibt keinen konkreten Beleg, dass “Bürokratie” ein Problem wäre. Ich glaube, dass dieser Vorwurf schlicht und einfach unwahr ist.
Readers Edition: Wenn ein Artikel einmal blockiert wird, ist der Verfasser jedoch verloren wie in einem kafkaesken Labyrinth. Wie kann Wikipedia die Kommunikation mit den Autoren verbessern?
Jimmy Wales: Ich teile Ihre Meinung von dem kafkaesken Labyrinth überhaupt nicht. Alles ist klar und offen erläutert. Es stimmt, dass einige Leute frustriert sind, die gerne nicht belegte Informationen auf der Wikipedia posten wollen. Aber genau das soll ja sein! Wikipedia erhebt den Anspruch von hoher Qualität, wir wollen kein Müllablade-Platz sein.
Readers Edition: Manche haben den Eindruck, dass neue Autoren Schwierigkeiten haben, überhaupt reinzukommen. Kann man da etwas verbessern?
Jimmy Wales: Es ist sehr leicht reinzukommen: Klickt auf “Edit” – und beginnt zu schreiben!
Readers Edition: In gewisser Weise ist Wikipedia sehr traditionell – alle Artikel werden auf einer Plattform veröffentlicht. Gehört die Zukunft nicht Modellen der Disaggregation wie Twitter, und sehen Sie die Notwendigkeit, dass Wikipedia sich in diese Richtung entwickelt?
Jimmy Wales: Nein, und ich verstehe nicht einmal, was diese Frage soll! Twitter ist keine Plattform zum Schreiben einer Enzyklopädie, es ist eine Plattform für Konversation. Wikipedia soll nicht wie Twitter werden, und Wikipedia soll auch nicht wie Facebook werden. Wikipedia sollte Wikipedia bleiben.
Readers Edition: Wie könnte man den Enthusiasmus für Wikipedia neu beleben?
Jimmy Wales: Ich teile Ihre Meinung nicht, dass es auch nur irgendein Nachlassen des Enthusiasmus für Wikipedia gibt. Diese Frage beweist hochgradige Voreingenommenheit!
“Meistens entsprechen alarmistische Berichte nicht der Wahrheit.”
Readers Edition: Sollte Wikipedia stärker multimedial werden, etwa in der Form, dass ein Artikel ein Video oder ein Audifile ist?
Jimmy Wales: Gibt es alles bereits.
Readers Edition: Wikipedia ist das erste relevante Beispiel von “crowdsourcing” – also einer Kollaboration im großen Stil. Welche Lehren können Verleger aus der Geschichte von Wikipedia ziehen?
Jimmy Wales: Sie können lernen, dass Offenheit nicht der Feind der Qualität ist. Und eines der wichtigsten Dinge, welches die Leute lernen können – von diesem Interview wie von vielen anderen Dingen, die sich mit Wikipedia befassen - ist: Alarmistische Berichte sind in der Regel unwahr.
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Photo Quelle/Copyright: manuelaoprea, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr










Guillaume
Ich stimme J. Wales überwiegend zu.
Wikipedia dient nicht der Selbstdarstellung von einigen SpinnerInnen die ihre trögen Ideologien an den Mann/ die Frau bringen wollen und versuchen Wahrheiten zu manipulieren.
Leider sind die meisten USER von Wikipedia zu unkritisch was die Qualität der Artikel betrifft.
Wenn die SchnarcherInnen von der Presse/ Politik sogar wortwörtlich abschreiben ist Gefahr im Verzug.
Ob das noch zu reparieren ist, ich weiss nicht. Mal sehen.
Die Fragen des Interviews sind keine Glanzleistung oder ?
Klaus Koschintzki
Ich stimme keineswegs mit J. Wales zu. Er weicht jeder Kritik aus.
Neben Relevanzkriterium (sollten nicht alle Fakten relevant sein), gibt es natürlich auch die Gruppen die Zusammenarbeiten um Wikipedia gezielt zu manipulieren. Kein Wunder das da normale Nutzer (dort auch gerne abwertend IP’s genannt) keine Lust mehr drauf haben.
Interview mit J. Wales – Gründer von Wikipedia » Wikipedia, Readers, Autoren, Edition, Wales, Autor » webwork-magazin.net
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