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Kultur

“Szene-Schlaglichter” Vol. 2: Damian Duda trifft Dr. Motte

Freitag, den 27. November 2009 um 14:12 Uhr von Redaktion Readers Edition
Dr. Motte (links) und Damian Duda hatten sichtlich Spaß.

Unterfranken ist nicht “tot” - das erfahren die Leserinnen und Leser dieser Plattform allenthalben in verschiedensten Meldungen zu aktuellen Ereignissen. Gerade die Jugendkultur hat im nördlichen Bayern Hochkonjunktur. Überall finden sich engagierte Menschen, die sich die Unterstützung der Musik abseits der Charts ganz groß auf die Fahnen geschrieben haben. Dazu gehört auch der Bad Kissinger Nachwuchs-DJ Damian Duda. Im Rahmen des Projekts “Readers Edition on Tour” begibt sich der junge Mann auf Spurensuche in der eigentlich ruhigen Umgebung der Kurstadt. Dabei läuft ihm von Zeit zu Zeit auch ein prominenter Vertreter der Branche über den Weg…

In diesem Fall handelt es sich um keinen Geringeren als den “Godfather of Loveparade”, Dr. Motte “himself”, der aus Anlass eines DJ-Gigs im Peppermint Club Münnerstadt zu Gast war. Matthias Roeingh, so sein eigentlicher Name, ist eine feste Instanz der weltweiten elektronischen Musik- und Clubkultur. Er ist nicht nur Schöpfer der Berliner Loveparade, sondern auch der “Begründer” der Feierkultur im moderenen Sinne. Ständig erweitert sein Repertoire über “klassischen” Techno hinaus um die verschiedenen Spielarten des Electro und Minimal. Das Ergebnis ist ein vielschichtiger Sound, der seit vielen Jahren ein breites Publikum anspricht.

Seit 20 Jahren lässt der Botschafter des “guten Klangs” die Platten kreisen

Auf der ganzen Welt ist er als Botschafter des “guten Klangs” und “brillianten Technos” unterwegs. Sowohl in kleinen Underground-Clubs als auch großen Events wie der Nature One oder der Mayday, lässt er seit mittlerweile über 20 Jahren die Platten kreisen und stellt dabei trotz seiner 49 Jahre unter Beweis, dass er sein Handwerk wie kein anderer versteht. Die soziale Verantwortung in diesem eigentlich “knallharten” Geschäft versteht Dr. Motte dabei als seine oberste Priorität. Deshalb tritt er auch regelmäßig auf diversen Kultur-Gatherings und Non-Profit-Veranstaltungen auf (z.B. UNICEF) und ist nahezu in jeder Jury bei einflusreichen DJ-Contests und deutschlandweiten Veranstaltungen zur Nachwuchsförderung, wie jüngst den Tresor Awards, vertreten. Diese Einstellung der Musik gegenüber wurde ihm mit dem Life-Time-Award auf Ibiza, einem hoch angesehenen Preis für sein Lebenswerk für dauerhaftes Engagement besonders für die elektronische Tanzmusik honoriert.

DiscJockey ist Dr. Motte zwar seit 1985, aber sein musikalischer Weg hat bereits viel früher begonnen. Schon als Vierjähriger hatte er nach eigener Aussage eine Verbindung zur Musik, beeinflusst von der eigenen Mutter, welche viel klassische Musik gehört hatte. Das Resultat: Klein Matthias gründete kurzerhand sein erste kleines imaginäres Orchester - bestückt mit Kochlöffeln. Die Initialzündung sei das gewesen - die lebenslange Verbindung zur Musik stand. Anfang der 80er Jahre wird er schließlich Frontmann der Berliner Keller-Funk-Band “Tote Piloten”, welche stilistisch durch den Sound der New Yorker Highschool-Band “Liquid Liquid” inspiriert war.

Vom Instrument zum DJ-Pult - Seit zwei Jahrzehnten eine echte Erfolgsgeschichte.

Doch wie kommt ein Musiker zum Auflegen von “Konserven”? Nun, die große Plattensammlung sei es gewesen, erzählt dieser verschmitzt. Seit 1972 hätte er diese kontinuierlich erweitert. Daneben sei aber auch seine Freude am Experimentieren wesentlich “schuld” an seinem Werdegang gewesen. Das Spiel mit verschiedenen Musikrichtungen, nicht zuletzt Acid und House, welche gegen Ende der 80er Jahre durch das Auflösen von Songstrukturen und mixtechnischen Erneuerungen eine kompositorische Revolution für die Berliner Musikszene bedeuteten, gaben den Ausschlag.

Eine Friedensdemonstration namens “Friede, Freude, Eierkuchen”

Den internationalen Durchbruch als DJ erlangte Dr. Motte nicht, wie es heute auf klassichem Wege oftmals der Fall ist, durch eigene Produktionen, Remixe oder ein eigenes Label. Nein, sein Blick ging Richtung Insel. Die “Methodik” englischer Jugendlicher, deren Untergrundparties oftmals durch Polizeigewalt aufgelöst wurden, hatte es ihm angetan. Mit Ghettoblastern auf die Straße zu gehen und weiterzufeiern, das hat ihm imponiert. 1989 war es schließlich soweit: Eine als Friedensdemonstration angemeldete Tanzversanstaltung auf Berlins Straßen mit dem Motto “Friede, Freude, Eierkuchen” sollte es sein. Aus anfangs 150 Personen, welche für Abrüstung (Friede), Musik als Mittel der Verständigung (Freude) und gerechte Nahrungsmittelverteilung (Eierkuchen), “demonstrierten”, wurden bereits zehn Jahre später 1,2 Millionen Teilnehmer, welche die Welt später als Loveparade kannte.

Der Erfolg der Loveparade lässt sich sehr einfach erklären: Elektronische Tanzmusik wurde im Laufe der Zeit zu einem neuartigen Medium, welches sich seit Anfang der 90er Jahre zur wichtigsten Jugendbewegung wurde. Sie füllte die große Lücke bezüglich einer Jugendtanzkultur und entwickelte sich, mit einem konstanten Anstieg der Liebhaber und kombiniert mit der Möglichkeit mit vielen Gleichgesinnten dieser Partykultur gemeinsam unter freiem Himmel zu feiern, zu einer zeitgenössischen Bewegung. Nicht nur auf dem Gebiet der Eventorganisation änderte sich so manches. Auch Musikproduktion und Vertrieb wurden von ihr durch Auflösung der regulären Vertriebswege beeinflusst. Und dieser Weg führte schließlich unweigerlich zu digitalen Musikveröffentlichungen im Internet.

Der sukzessive Niedergang der Loveparade

Die Loveparade: Eine Massenbewegung.

Doch jeder Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Mit der neuen Bewegung ging zugleich eine zunehmende Kommerzialisierung der Loveparade und deren Ausrichtung in eine, wie man heute weiß, komplett falsche Richtung einher, welche im Laufe der Zeit in die Kritik ihres Schöpfers geraten ist. Ursachen dafür sind in erster Linie das Gründen einer GmbH, statt eines Vereins in Kooperation mit der Industrie, welche diesen unterstützt. Vorteil der gegründeten GmbH war die Idee alle Markenrechte der Loveparade weltweit zu schützen, allerdings war darüber hinaus die Loveparade nur eine Lizenz- und keine Veranstaltungsgesellschaft, dessen Interesse im Vordergrund stand nur Profite zu machen, aber nicht organisatorisch zur Weiterentwicklung der Loveparade beizutragen. Folgen dieser Entwicklung waren unter anderem mangelnde Terminsicherheit, Meinungsverschiedenheiten in organsationstechnischen Sinne mit dem Berliner Senat, interne Probleme mit einem nicht vorhandenen Management und daraus resultierende Finanzierungsprobleme, welche es von Jahr zu Jahr immer schwieriger machten die Veranstaltung aufrecht zu erhalten. Letztendlich musste die Loveparade 2006 an eine bekannte Fitnesskette verkauft werden, welche seitdem diese im eigenen Interesse als Werbeveranstaltung nutzt. In der Folge distanzierte sich Dr. Motte komplett von der Loveparade und deklarierte öffentlich nicht mehr an der Veranstaltung teilzunehmen.

Aber wie geht es nun weiter? Abgeneigt eine ähnliche eigene Veranstaltung wie einst die Loveparade auf die Beine zu stellen, ist Dr. Motte zwar nicht, betont aber die Problematik, Schwierigkeit und große Verantwortung, welche Events in dieser Größe zwangsläufig mit sich bringen. Weitere Pläne für die Zukunft sind aber definitiv das Entwickeln eigener Musik und das Gründen des eigenen Plattenlabels “Praxxiz”, an welchem er bereits länger arbeitet.

Seht nun wie das Treffen zwischen Damain Duda und Dr. Motte zu frühmorgendlicher Stunde abgelaufen ist:

Damian Duda trifft Dr. Motte


RE ON TOUR | MySpace Video

Photo Quelle/Copyright: La Entropista, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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Eine Reaktion zu ““Szene-Schlaglichter” Vol. 2: Damian Duda trifft Dr. Motte”

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  1. dr. motte

    am 27. November 2009 um 18:12 Uhr | Link | Kommentar melden

    na das war doch mal ein lustiges interview und eine schöne feierei bei im peppermint club… besten dank fürs posten. dr. motte sagt, danke und bis bald :-D

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