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Wirtschaft + Internetkultur

Japan: Kauf-Nix-Tag

Montag, den 30. November 2009 um 11:00 Uhr von Scilla Alecci

Im Jahr 1992 wurde von dem Künstler Ted Dave in Kanada der Kauf-Nix-Tag [en] eingeführt, der sich in der Zwischenzeit weltweit auf über 60 Länder, einschließlich Japan, ausgedehnt hat. Im Einklang mit der Philosophie der Bewegung wurden die Japaner am Samstag (28. November) dazu aufgefordert, auf das Einkaufen zu verzichten und über ihre gedankenlosen Konsum Gewohnheiten nachzudenken.

Die Grundsatzerklärung des Kauf-Nix-Tages lautet:

“Gewähren sie der Produktions-Verbrauchs-Routine einen Augenblick Ruhe. Suchen Sie nach Alternativen zu einem Lebensstil, der das Kaufen zum Gegenstand hat. Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf die sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und psychologischen Folgen des übermäßigen Konsums. Unterstützen Sie die umweltfreundliche Wirtschaft (lokale und umweltfreundlich verantwortliche Unternehmen. Keine BSP-Reichtum-Indikatoren).”

Kauf-Nix-Tag PV von Illcommonz

Im ganzen Land planen Einzelpersonen und Organisationen besondere Veranstaltungen, um die Menschen auf die durch unverantwortliches Kaufen geschaffenen Probleme, aufmerksam zu machen.

Ikuko, ein Mitglied der Künstlergruppe NU★ie hat angekündigt, dass sie in Sapporo, auf der nördlichen Insel Hokkaido, Workshops organisieren werden. Einer dieser Workshops wird zum Beispiel die Produktion nützlicher Gegenstände aus der Wiederverwendung weggeworfener Produkte zeigen.

“Massenproduktion, Massenkonsum. Das ist eine gute Gelegenheit, um zumindest einmal im Jahr unsere Lebensgewohnheiten zu überdenken, die aus dem Konsum eine scheinbar normale Angelegenheit gemacht haben.’Ein Tag, an dem wir keine unnötigen Dinge kaufen = Kauf-Nix-Tag’

Ursprünglich aus Kanada kommend, findet diese Bewegung heute weltweit zur gleichen Zeit statt.
Wir wollten auch in Sapporo etwas unternehmen und entschieden uns deshalb, etwas zu veranstalten.
Der Name …
‘Kauf-Nix-Tag: ein kostenfreier Urlaubstag’”

Blogger zawasawa denkt über die Bedeutung von ‘Kultur’ und so genannten kulturellen Produkten nach.

“Wir haben uns heute an den Einkauf von vielen was uns amüsiert gewöhnt, die so genannten ‘Kultur’ Produkte, wie Fernseher usw., die von der Unterhaltungsindustrie angeboten werden. Wir sind lediglich passive Konsumenten, oder bestenfalls Teilnehmer. Wir kaufen CDs, sehen uns Filme an und nehmen an Veranstaltungen teil. So wie die Schuhfabriken Schuhe herstellen, produzieren Hollywood und Nintendo ‘Kultur’, die sie uns anbieten.
Das ist jedoch keine ‘Kultur’, das ist ein industrielles Produkt. Betrachten wir die Vergangenheit, dann können wir erkennen, dass ‘Kultur’ eher etwas ist, was Menschen wie wir selbst über viele Generationen hinweg aufgebaut haben.”

Kauf-Nix-Tag 2009 - ER LEBT NOCH von Illcommonz

Anlässlich des Kyoto Kauf-Nix-Tags in 2007 hatte ein Team japanischer Künstler, angeführt von dem Aktivisten und Videofilmer Illcommonz (イルコモンズ), als eine Inspiration für die Anti-Konsum-Bewegung, einen Kurzfilm mit dem Titel 無買日 ä都 ä〇〇ä(Mubaibi Kyoto 2007, Kauf-Nix-Tag 2007) gedreht.

“Zusammenfassung - Illcomonz sieht den Marui Kaufhaus Werbespot für Kreditkarten und den Slogan: ‘Du bist, was du kaufst’. Verärgert über diesen Satz überlegt er “Ist das möglich? Diese Anzeige ist doch eine Blasphemy gegen die Bedeutung, ein Mensch zu sein!” und er entscheidet sich an der ‘Kauf-Nix-Tag’ Bewegung teilzunehmen, die von den Adbustern jedes Jahr während der Weihnachtszeit arrangiert wird.

Er fängt an, eigene Werbe-Poster zu machen und Videos auf YouTube hochzuladen. Er fertigt eine mit Kaufhaus-Quittungen bedeckte Puppe an, die er als den ‘alltäglichen Stimmzettel des Kapitalismus’ bezeichnet. Aber sein Zorn ist noch nicht gestillt und jedes Jahr nimmt er aktiv an einer Veranstaltung teil, die vor dem Hankyu Kaufhaus in Kawaramachi, Shijo, in Kyoto stattfindet.
Aber was ist es, dass Illcommonz dort sieht und welche Antworten hat Illcommonz auf die Frage ‘Was ist es, das bestimmt, welche Art von Menschen wir sind?’
Eine Erklärung über die Menschheit vorgetragen von dem zeitgenössischen Künstler, Dokumentarfilmer und Medien-Aktivist Illcommonz.”

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Hans H. Knauf, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.

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Eine Reaktion zu “Japan: Kauf-Nix-Tag”

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  1. Rolf Ehlers

    am 30. November 2009 um 17:31 Uhr | Link | Kommentar melden

    Eine tolle Bewegung! Statt durch Wirtschaftsbeschleunigunggesetze den Konsumrausch weiter anzukurbeln mal in Ruhe nachdenken, was für einen Ramsch wir uns doch so zulegen und darüber nachzudenken, ob wir uns nicht bald nicht mehr durch das definieren was wir sind, sondern durch das, was wir haben und haben wollen!

    Konsumenten, die immer mehr haben wollen, orientieren sich gern an dem was andere haben und wollen das dann auch für sich. Es kommt zur Identifikation der Habenichtse mit den Begüterten mit dem Erfolg, dass politisch beide für die Parteien eintreten, deren Kleintel die Begüterten sind.

    Wer gründlich über sein Kaufverhalten und sein Verhältnsi zum Haben von Dingen nachdenkt, lernst bald sich ob seiner Unbedachtheit zu schämen.Es hat schon besondere Gründe, dass man kaum etwas findet, wenn man nach einer Philosophie des Habens sucht. Am meisten und klügsten hat darüber Schopenhauer in seinen Aphorismen zur Lebensweisheit geschrieben.

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