Drei harte Kerle und ihre blonde Perle- “Osaka Bordell” rockt deutsch
Der Weg zum Proberaum gleicht einem Horrortrip… Durch dunkle Gänge, über abgewetzte Treppenstufen, vorbei an alten Farbeimern, herabhängenden Leitungen, rostigem Werkzeug, stillgelegten Maschinen. Eine Holztüre, ein Baumarkt-Schloss, ein Knarren: jetzt wird”™s gemütlich. Regale an den Wänden, ein bunter Teppich, Schlagzeug und Boxen bis zum Abwinken, Schnittchen, Bier und Selters auf dem Tisch; der Probenraum ist erreicht.
“Osaka Bordell” üben im Keller eines alten Hanauer Industriegebäudes. Neben ihnen gibt es noch andere Bands, die Atmosphäre schreit geradezu nach Rock und Metal. Sie sind die Vertreter der harten Linie, mit groovigem Rhythmus und eigenen Texten. Auf Deutsch. Osaka Bordell: der Name ist eine Persiflage auf die etwas berühmteren “Tokio Hotel”. Bassist Thomas “Charly” Braun hatte vor rund einem Jahr “schwere Depressionen, weil mein Haarspray nicht mehr wirkte. Da fiel mir dieser Gag ein. Er ist eine Hommage an meine Lieblingsband”, grinst er breit. “Charly” und “Knoppi”, Jürgen Knopp, das Altenmittlauer Rock-Urgestein an der Gitarre, sie kennen sich schon seit Jahren. Ihre musikalischen Ursprünge liegen im Punk und Independent der Achtziger. Gemeinsam spielten sie vor der Gründung von Osaka Bordell in einer Band, welche den Begriff für eine Großkaliberpatrone im Namen trug. Exakt 20 Minuten nach der “Beurlaubung” aus dieser Truppe trafen sie sich in einem Schnellrestaurant “ohne den Buchstaben M”, wie Knopp betont.
“Was machen wir jetzt? ““ Wir suchen einen Sänger und einen Drummer”. Der Schlagzeuger war schnell gefunden. Jürgen “JR” Reul hatte sich gerade nach einer Tour mit dem Gospel-Musical “Hope” durch Deutschland sowie die Schweiz und mit seinem rund 16. Umzug in Maintal zur vorübergehenden Ruhe gesetzt. Der gebürtige Windecker ist “Multikulti und multinational”; so versteht er sich selbst. Und er hat ein Faible für Rock. Es fehlte also nur noch der Sänger, der aus den drei Kerlen eine richtige Combo machen sollte. An eine Frau hatte dabei keiner gedacht. Doch es gab da eine, die immer mal wieder zum Kaffee vorbeischaute. An einem verregneten Sonntagnachmittag hatte sie dann plötzlich einen Stapel Texte und eine CD auf dem Arm, plus eine höflichen Aufforderung von Knopp im Ohr: “Sing das einfach mal morgen auf der Probe”.
Kontakte zum Kirchenchor…
Birgit Niederreiter, blond, langmähnig, Â ist das, was Mann sich ““ pardon ““ unter einer “Granate” vorstellt. “Brav wie ich bin”, sagt sie, “habe ich das dann gemacht”. Und sie ist eine ungeheure Bereicherung für die Gruppe, wie alle männlichen Mitmusiker bestätigen. Ihre Stimme besitzt Leidenschaft, Timbre, sie ist eine ideale “Rock-Röhre”. Obwohl ihre musikalische Entwicklung dank ihrer Oma ““ die hatte Kontakte zum Kirchenchor ““ erst spät diese Ausprägung fand. In Großwelsheim wie in Rodenbach, ihrem jetzigen Heimatort, ist sie als Chorsängerin bekannt, aber auch aus so einigen Cover-Bands mit dem Rock der Achtziger.
Sozialkritisch und mit einem gewissen “Augenzwinkern”
So haben drei Kerle ihre Perle gefunden. Osaka Bordell spielt harte, rockende Töne mit eigenen deutschen Texten. Beim letzten “Rock in Schroth”, dem Metal-Festival im Hasselrother Ortsteil Gondsroth, hatte sie ihr Debüt, Auftritte bei der “Rock & Bike ““ Show” in Erlensee sowie bei der “Metal Night” in Lindheim folgten; bei “Under the Bridge” ließen sie in Grossauheim bei Hanau die Brückenpfeiler beben. Ihre Texte kommen sozialkritisch und mit einem gewissen “Augenzwinkern” daher. Um Egoisten, Manager und andere düstere Elemente der Menschheit geht es.
Ihre erste CD ist gepresst, sie heißt “Licht aus”. Beim Hören von Songs wie: “Seine Welt”, “Generaldirektor” oder “Bloody Mary” sollten allerdings alle Lampen angehen!
Und die Welt ist ein Kaff!
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