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Vermischtes + Internetkultur

StudiVZ: Einmal Realität und zurück

Donnerstag, den 3. Dezember 2009 um 14:22 Uhr von nicole oppelt
Der “Twin Tower-Inder” von StudiVZ.
Photo: Screenshot

All jene, die die Readers Edition regelmäßig verfolgen, haben ihn mittlerweile kennen gelernt: der “Twin-Tower-Inder” von StudiVZ bewegt seit mehreren Wochen die Gemüter. VZ-Nutzer Nils hat die einschlägige Photographie erst vor wenigen Wochen ins Netz gestellt, darauf dann hunderte Verlinkungen und kontroverse Kommentare erhalten und schließlich auch eine Ausstellung in der realen Welt arrangiert. Im Speckstraßenhaus im Hamburger Gängeviertel war das polarisierende Photo neben einigen anderen Werken des jungen Mannes zu sehen - und wurde dort vom Fleck weg gekauft. Jetzt holt ihn das Netz wieder ein.

“Mir reicht es nicht mehr, dass 150 Nutzer von studiVZ den ‘bösen’ Inder kommentieren. Nein, ich möchte auch andere Menschen damit erreichen und vor allen Dingen nicht nur virtuell”, hatte Nils der Redaktion noch vor der Eröffnung erklärt. Gelungen ist ihm das auf jeden Fall. Der “Inder” ist in der Realität angekommen. Die Reaktionen auf das Motiv der brennenden Türme fielen ähnlich aus wie zuvor innerhalb des sozialen Netzwerkes. “Wenn sich die Betrachter unbeobachtet fühlen, dann tauschen sie sich teilweise ähnlich heftig über das Bild aus. Die Reaktionen reichen allerdings von Belustigung bis zu Schockstarre”, beschreibt er das Gebaren der Ausstellungsbesucher. Als besonderes “Bonbon” hat er die virtuellen Wortmeldungen auf die angrenzende Fensterbank gelegt und “es wird fleißig darin geblättert”. Besondere Aufmerksamkeit erregt auch ein Bild eines auf dem Boden liegenden Polizisten, das ebenfalls auf StudiVZ zu sehen ist. Doch genau hier liegt für die Betreiber der Plattform offensichtlich der Haken.

StudiVZ-Profil weg dank “bösem Inder”?

“Man mag es kaum glauben, studiVZ droht mir mein Profil zu löschen, wenn ich das Foto vom ‘bösen’ Inder hier nicht entferne. Das hat ja ganz schön lange gedauert”, lässt er die Redaktion am späten gestrigen Abend wissen. Dass Photo selbst zu löschen, damit hat Nils kein Problem. “Es gab tatsächlich jemanden, der das Bild unbedingt haben wollte…*kopfschüttel*, aber mir soll es recht sein. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass ich es jetzt hier heraus lösche.” Anders verhält es sich mit dem Umstand, künftig kein Profil mehr auf der Plattform zu haben. “Aber dass sie mir mein Profil löschen… da habe ich überhaupt keine Lust drauf.”

Begonnen hat alles mit folgender Nachricht des Supports: “Hallo Nils, wir haben Bilder aus Deinem Fotoalbum gelöscht, da sie gegen Punkt 10 unseres Verhaltenskodex’ verstoßen haben. Zur Erinnerung: 10. Rassistische, gewalttätige, politisch extremistische, sexistische, diskriminierende oder sonst anstößige Veröffentlichungen, sowie solche, die andere Personen, Volksgruppen oder religiöse Bekenntnisse beleidigen, verleumden, bedrohen oder verbal herabsetzen, sind nicht gestattet. Diese Löschung kann nicht rückgängig gemacht werden. Wir fordern Dich hiermit auf, derartige Bilder künftig nicht mehr hochzuladen. Nimm bitte zur Kenntnis, dass wir Nutzer, die wiederholt gegen die AGB oder unseren Verhaltenskodex verstoßen, nicht dulden und deren Profile gegebenenfalls unwiderruflich löschen. Freundliche Grüße Dein VZ Team”

Am Freitag ist das Photo weg

Nils gibt sich in der Folge gesprächsbereit und weist daraufhin, dass im gleichen Album noch ein identisches Photo mit mittlerweile 170 Kommentaren vorhanden wäre. Er bietet an, dieses selbst zu löschen. Das VZ Team nimmt dankend an. Der junge Mann kündigt an: “Hi, ich lass das Bild noch bis Freitag on, mit dem Vermerk, dass es bald gelöscht wird. Auf das Foto sind ca. 100 Personen verlinkt und es hat 170 Komentare ‘geerntet’. Da finde ich es nur recht und billig den Nutzern dies anzukündigen. Am Freitag ist das Bild dann hier nicht mehr online. Versprochen!”

Welche Konsequenzen ihm letztlich drohen, das weiß Nils bis dato noch nicht. “Super lassen Sie die Säbel rasseln”, kommentiert er die für ihn ungewöhnliche Situation. Der Fall bleibt jedoch weiterhin streitbar. Immerhin konnten sich weder 170 Kommentatoren noch zahlreiche Ausstellungsbesucher einigen. Ist dieses Motiv nun “rassistisch, gewalttätig, politisch extremistisch, sexistisch, diskriminierend oder sonst anstößig”? Das VZ Team ist da schneller…

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