Sauer macht lustig – nicht immer, aber…

Dem Weltuntergang gehen langsam die Teilnehmer aus… Nein, ich muss anders anfangen. Was mir an der gesamten Klima- und Umweltdebatte seit Jahren auffällt, ist die Wissenschaftsferne der Ökologisten und Alarmisten. Man plappert unreflektiert alles nach, was der ein oder andere Professor Doktor, respektive dessen um mediale Aufmerksamkeit buhlende Pressestelle so

Dem Weltuntergang gehen langsam die Teilnehmer aus… Nein, ich muss anders anfangen. Was mir an der gesamten Klima- und Umweltdebatte seit Jahren auffällt, ist die Wissenschaftsferne der Ökologisten und Alarmisten.

Man plappert unreflektiert alles nach, was der ein oder andere Professor Doktor, respektive dessen um mediale Aufmerksamkeit buhlende Pressestelle so von sich geben. Die Einordnung von Forschungsergebnissen in einen wissenschaftlichen Kontext und deren korrekte Interpretation aber ist den Umweltbewegten und Klimaschützern in der Regel nicht gegeben.

Ich sehe es ja ein, die Sprache der Wissenschaft und die Sprache des Alltags unterscheiden sich erheblich. Gleiche Worte ““ unterschiedliche Bedeutungen, am Beispiel der Begriffe “Hypothese” und “Theorie” hat sich das ja schon herumgesprochen. Andere Konzepte dagegen, etwa so grundlegende Ideen wie die Relativitäts- oder die Evolutionstheorie, können von Laien nicht einfach erfasst werden. Und über den Informationsverlust bei Anwendung statistischer Verfahren macht sich kaum jemand Gedanken. Das ist kein Vorwurf an die Laien. Wer nicht die sehr spezielle wissenschaftliche Denkweise und den Code wissenschaftlicher Sprache über längere Zeit hinweg studiert und verinnerlicht hat, der hat es schwer, wirklich zu begreifen.

Wissenschaft ist Kunst, und ebenso wie gestalterische oder musische Werke der Hochkultur verlangt Wissenschaft vom Rezipienten eine besondere Form von Anstrengung der Zugangsfindung. Und diejenigen, die zwischen der Gedankenwelt der Wissenschaft und der des übrigen Wahlvolkes vermitteln sollen, die Wissenschaftsjournalisten, kommen ihrer ureigenen Aufgabe und Verpflichtung nicht mehr nach. Weil sie es nicht können. Weil sie eben nicht entsprechend ausgebildet sind und weil sie sich auch nicht besonders anstrengen. Und weil sie vielleicht denken, ihre Leser, Hörer und Zuschauer nicht “überfordern” zu dürfen.

Nehmen wir das schöne englische Wort “resilient”. Eine wirklich korrekte deutsche Übersetzung hängt vom Sinnzusammenhang ab, im wissenschaftlichen Gebrauch scheint mir das deutsche “robust” passend zu sein. Das Wort ist in der Ökologie durchaus gebräuchlich. Seinen Ursprung aber hat es im militärischen Bereich. Und es weist auf ein gedankliches Konzept hin, das dem alltäglichen Handeln und der individuellen Erfahrungswelt der meisten Menschen widerspricht.

1 Über den robusten Verkehr

Betrachten wir als Beispiel den Transport großer Mengen Schüttgüter, etwa Kohle, von einer Mine zu einem Hafen. Man ist daran gewöhnt, für dieses Problem eine zunächst effektive Lösung zu wählen, aus allen vorhandenen Ideen die beste auszuwählen. In unserem Fall ist es, aus verschiedenerlei Gründen, der Transport auf der Schiene. Diese effektive Lösung, die Eisenbahn, wird nun, einmal etabliert, weiterentwickelt zu immer höherer Effizienz. Ein Prozess, der erkennbar bis heute andauert. Dieses Wechselspiel aus Effektivität und Effizienz prägt nicht nur die technische Entwicklung, sondern unser alltägliches Verhalten, im Kleinen wie im Großen. Wir sind in dieser Denkstruktur verhaftet.

Militärs hingegen ticken anders. Bei der Planung eines Einsatzes zur Lösung eines Problems wird nicht in Kriterien von Effektivität und Effizienz gedacht. Sondern in “resilience”, in Robustheit. Jeder militärische Einsatz erzeugt auf seine Weise unvorhersehbare Ereignisse, eine chaotische Dynamik in den Abläufen. Und die Planung wird darauf ausgerichtet, das gewünschte Resultat auch unter allen möglichen denkbaren Störungen zu erreichen. Deswegen erscheinen uns Zivilisten militärische Abläufe oft so unüberlegt und schlecht geplant. Weil wir nicht die vielen Szenarien bedenken, die alle auch hätten eintreten können, sondern nur das eine, das optimale, das erwartete.

Die Eisenbahn nämlich ist sehr störanfällig gegenüber Unvorhergesehenem. Man nehme einen wichtigen Durchgangsbahnhof, einen wichtigen Knotenpunkt, wie etwa Dortmund oder Hannover, aus dem Netz heraus. Heutzutage reicht dazu schon ein herrenloses Gepäckstück. Und schon bricht das ganze System zusammen. Es ist nicht mehr funktionsfähig, es kann seine Zielstellung des Transportes von Gütern und Personen nicht mehr erreichen.

Der motorisierte Individualverkehr hingegen ist unter vielen Gesichtspunkten weder effektiv, noch effizient. Aber er ist ungemein robust. Es gibt genügend Straßen, so dass selbst eine Störung auf einer Magistrale wie der A1, der A2 oder der A7, nicht verhindern kann, dass Menschen ihr Ziel erreichen. Der Stau kann umfahren werden, das System Autoverkehr nimmt mit relativ kurzer Reaktionszeit einen neuen Zustand an, die Auslastung der Straßen verändert sich, aber man kommt irgendwie durch. Und schlussendlich kann man seinen Wagen auch jederzeit verlassen, und jedes Ziel zu Fuß erreichen, was schon in der Bahn, aber ganz sicher im Flugzeug ein Ding der Unmöglichkeit ist.

2 Über die robuste Natur

Viele Ökologisten übertragen leider in hoher Naivität ihr Alltagsdenken auf die natürliche Umgebung. Man findet immer wieder die Aussage, stabile Ökosysteme ergäben sich, weil all ihre Komponenten, belebte wie unbelebte, so unendlich fein aufeinander abgestimmt seien und im Rahmen des Systems auf eine genau ausgeklügelte Art und Weise funktionieren. Da liegt der gedankliche Schritt natürlich nahe, selbst der kleinste Eingriff, und sei es nur ein Spaziergänger, stelle eine Störung dieses filigranen Werkes dar, die in der Katastrophe, in der Vernichtung endet. Der Schöpfer, der Konstrukteur ist hier nur einen gedanklichen Schritt entfernt. Eine solche Betrachtungsweise ist ihrem Wesen nach kreationistisch.

Die Evolutionstheorie lehrt uns anderes. Stark vereinfacht ausgedrückt entwickeln Arten in Zeiten des Überflusses eine Vielzahl unterschiedlicher Merkmale auf individueller Ebene, die dann in Zeiten des Mangels das Überleben der Art sichern. Denn unter den vielen unterschiedlichen Merkmalen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die, die den Mangel, die Störung zu überstehen helfen. Stabile Ökosysteme sind nicht deswegen stabil, weil sie effektiv und effizient konstruiert wurden. Sie sind stabil, weil sie robust sind.

Die Natur baut keine Eisenbahnen. Die Evolution bevorzugt den Individualverkehr. Es überleben die, die bei einer Störung am besten durchkommen, die den Stau umfahren können.

Wenn man einmal diese Denkweise, die das wissenschaftliche Konzept Darwins umschreibt, verinnerlicht hat, dann weiß man, warum das Leben an sich, also viele, viele Arten und Ökosysteme über viele Millionen Jahre hinweg jede Störung, jeden destruktiven Einfluss, überleben konnten. Stabilität in diesem Sinne bedeutet natürlich nicht, wie in der Alltagssprache, die Abwesenheit von Veränderungen. Sondern Stabilität bedeutet hier, bei einer Vielfalt von Störungen immer wieder einen neuen, im Sinne der Kriterien des Überlebens (fressen, fliehen, fortpflanzen) unter gegebenen Randbedingungen optimalen Zustand einnehmen zu können.

Wenn man diese Denkweise einmal verinnerlicht hat, dann weiß man, warum auch ein Klimawandel der IPCC-Projektionen kein Artensterben und keine sonstwie ausgeprägte ökologische Katastrophe auslösen kann.

3 Sauer macht lustig

Und dann weiß man eben auch, warum die Änderung des ozeanischen pH-Wertes um einige Zehntelpunkte kein Problem darstellt.

Denn neben der Erhöhung des Meeresspiegels wird seitens der Alarmisten oft die “Versauerung der Ozeane” (wissenschaftlich korrekt gesprochen werden sie nur ein bisschen weniger alkalisch) als zweite globale Herausforderung genannt. Der man sich durch CO2-Einsparung stellen muss, denn je mehr CO2 in die Ozeane gelangt, desto mehr sinkt der pH-Wert. Und das soll das marine Leben erschüttern. Organismen, die auf Basis von Kalk Skelette und Schalen aufbauen, Korallen, Krebstiere, Muscheln und viele mehr. Organismen, die wesentliche Funktionen in den ja ach so fragilen (weil fein abgestimmten) marinen Ökosystemen erfüllen, sollen daran zugrunde gehen, alle anderen Arten mit in den Abgrund reißen und die Ozeane als leblose Wüsten zurücklassen.

Nun steckt zwischen der Aufnahme von Stoffen aus dem Meerwasser und der Bildung von kalkhaltigen Schalen immer noch ein Lebewesen. Eine Ansammlung ziemlich dynamischer und komplexer chemischer Prozesse in wässriger Lösung. Und nach dem oben gesagten müssen wir davon ausgehen, dass dieses Lebewesen mit Störungen einer hohen Bandbreite umgehen kann. Denn sonst wäre es vielleicht optimal effizient, aber eben nicht robust, und es wäre schon längst nicht mehr da. Und die Änderung der Konzentration eines Spurengases in der Atmosphäre gehört nun wirklich nicht zu den Störungen, die auf den Zeitskalen der Evolution selten sind. Zumal der pH-Wert der Ozeane ohnehin keine Konstante ist, sondern zwischen 7,5 und 8,4 schwankt (Quelle: Wikipedia).

Selbst ohne wissenschaftliche Ausbildung, selbst ohne konkrete Forschungsergebnisse zu kennen, sollte daher klar sein: Die normale Interpretation der Folgen des steigenden CO2-Gehaltes ist “neutral”. Eine solche ist im Lichte der Evolution weder gut, noch schlecht, und sie ist insbesondere nicht zerstörerisch. Sie fordert bestimmte Merkmale heraus und optimiert deren Weitergabe an kommende Generationen. Wir können ohne weitere Vorarbeiten die Existenz des Merkmals “gedeihen in einem weniger alkalischen Ozean” bei Schalentieren annehmen. Der weniger alkalische Ozean wird zu einer Änderung der Ökosysteme führen, aber nicht zu deren Vernichtung. Und jede Veränderung beinhaltet für jede beteiligte Art, auch für den Menschen als Nutzer, die Chance auf Verbesserung.

So hätte man es kommunizieren müssen, das Thema. Es als potentiellen Untergang darzustellen, ist eben nicht mehr Wissenschaft, sondern Alarmismus. Es ist nicht verantwortlich, sondern dämlich.

Und falsch.

Denn glücklicherweise können Wissenschaftler Experimente machen und schauen, was passiert. Und die Ergebnisse eines solchen Experimentes wurden kürzlich veröffentlicht. Sie offenbaren Erstaunliches. Nun ja, mich erstaunt es eben nicht:

Pressemitteilung

Ein Experiment an der “Woods Hole Oceanographic Institution” hat also gezeigt, dass es Organismen gibt, die bei einem höheren CO2-Gehalt im Meerwasser besser gedeihen. Es gibt Profiteure, es gibt solche, die nicht reagieren, es gibt auch Verlierer. Genauer gesagt reagieren sieben von 18 untersuchten Schalentieren mit erhöhtem Wachstum. Zumindest drei Arten, darunter die oft als Fanal des Untergangs verwendeten Korallen, reagieren überhaupt nicht. Und die anderen eben, nun ja, die haben es schwer. Darunter die Auster, die sicher auf den zahlreichen Empfängen beim bevorstehenden Klimagipfel in Kopenhagen wieder in hoher Zahl von den Alarmisten mit Genuss geschlürft wird.

Zwei Zitate aus der oben verlinkten Pressemitteilung runden meine Argumentation ab:

“œWhat these results indicate to us is that the organism response to elevated CO2 levels is complex and we now need to go back and study each organism in detail.”

Genau. Es sind die Details, auf die es am Ende ankommt. Nicht die Vereinfachung und Simplifizierung führt zu den richtigen Maßnahmen, sondern die Würdigung von Komplexität in ihrem ganzen Ausmaß.

“œThe “œtake-home message” is that we can”™t assume that elevated CO2 causes a proportionate decline in calcification of all calcifying organisms.”

Auch Nicht-Meeresforscher hätten dieses Ergebnis vorhersagen können. Es hätte genügt, die Dinge wie ein Wissenschaftler zu betrachten. Und nicht wie ein Umweltlobbyist.

Der Weltuntergang hat einen Teilnehmer weniger. Der Ozean macht nicht mit.

P.S.: Auf dieses Experiment aufmerksam gemacht hat mich Anthony Watts. Link zu seinem Artikel.

Dieser Text ist die leicht abgewandelte Fassung eines Artikels, der zunächst im Science Sceptical Blog unter dem Titel “Der robuste Ozean” erschienen ist.

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