Ein Bericht aus der modernen Arbeitswelt: In einer Bildsprache schwebt über den Arbeitnehmern eine Art Staubsauger, der Geld saugt. Nicht nur aus deren Taschen, sondern auch vor deren Händen, mit denen sie ihren Lohn empfangen wollen. Wer schließlich den Beutel leert, soll hier nicht betrachtet werden.
Lassen Sie mich berichten, vom Arbeitsleben von zwei Physiotherapeutinnen.
Die eine hat nach ihrer Ausbildung die erste Anstellung bezogen. Die andere steht am Ende ihres Arbeitslebens und möchte noch ein paar Jahre arbeiten, weil sie gern arbeitet, um Patienten zu heilen und auch damit bei der Bemessung der Rente nicht zu viel gekürzt wird, wegen vorzeitigem Ausstieg aus dem Arbeitsleben.
Beide haben sich sehr gefreut, im nahe liegenden Krankenhaus (25 km) eine Anstellung zu finden. Was das genau bedeutet, lernten die Damen dann im Lauf der folgenden Wochen. Die Anstellung erfolgte organisatorisch nicht mit dem Krankenhaus, sondern auf Grund der Privatisierung der Physiotherapie Abteilung, in eine Art Physiotherapie Großkonzern, der seinen Sitz 135 km entfern hat.
Macht ja nichts, denkt jeder zunächst. Doch spätestens bei der Gehaltsfrage wird der Unterschied klar. Die Besoldung nach dem BAT trifft nur auf die Damen zu, die bei der Privatisierung, vom Krankenhaus übernommen werden mussten. Das Gros der anderen Beschäftigten, wie unsere zwei Damen, leben mit einer anderen Besoldung, die hier mal “ModernTarif” genannt wird. Der Stundesatz beträgt normalerweise zehn Euro und bei Sonntag- und Feiertagarbeit 11,50 Euro. Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld oder gar 13. Gehalt, gibt es nicht. Diese Besoldung gilt aber nicht für die Zeit des Arbeitstages, sondern nur für die netto geleisteten Arbeitsminuten.
In der folgenden Tabelle steht ein Rechenbeispiel für das Gehalt von einer Beschäftigten nach BAT versus dem Gehalt nach Moderntarif.
Es werden zwei Arbeitstage betrachtet, Werktag nach BAT und Sonntag nach “ModernTarif”. Beide sind vergleichbar mit der erstaunlichen Anzahl von drei Behandlungen und entsprechen der Realität.
Diese Darstellung entspricht nicht der Schreibweise von Lohnbuchhaltern, kann aber wohl verstanden werden.
| BAT | | |
| Monatsgehalt mit Anteil der Sonderzahlungen Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld
Stundensatz Aufschlag für Sonn- und Feiertage |
2.708,33 17.91 6,27 |
Euro/Monat Euro/Stunde Euro/Stunde |
| ModernTarif Stundensatz
Aufschlag für Sonn- und Feiertage Tagesverdienst bei 3 Behandlungen SonntagsBehandlungsminuten plus administrative Tätigkeit |
10,00 1,50 25,88 |
Euro/Stunde Euro/Stunde Euro/Tag |
Wenn nun noch die Sondervergünstigungen und Rentenansprüche in diesen Vergleich eingebracht würden, ging der Vergleich ins Bodenlose.
Unterm Strich kommt ein Netto-Monats-Salär von 100 bis 800 Euro heraus.
Es ist auch je ein Auto erforderlich, um den Arbeitsplatz zu erreichen. Ein Nebenargument sind die Kosten für die Anreise, ob sie für einen 8-Stunden oder 3,75-Stunden Arbeitstag erfolgt. Ob die Anreise im Grenzfall überhaupt von dem Gehalt getragen werden kann.
Diese arbeitenden Damen vor dem Hungertod zu bewahren, kann nur jeweils eine Familie leisten oder mit HartzIV.
Geplant war von der jungen Physiotherapeutin, nach ihrer Ausbildung, die in vielen Ländern einen akademischen Grad darstellt, in eine mittlere Gehaltsstruktur einzuschwenken, und nicht ihr Arbeits- und Rentenleben unter der Obhut von HartzIV zu verbringen. Es ließe sich auch der rechnerische Nachweis erstellen, dass die Kosten der Ausbildung, sich in einem derartigen Berufsleben nicht amortisieren.
Bleibt eine gesellschaftliche Schlussbetrachtung: ausgehend davon, dass diese Gangart zügig weiter anwächst und es keine Anzeichen gibt, dass dieser Trend wieder umzukehren ist, stehen wir in der Erwartung eines Feudalstaates, moderner Prägung.
Was das rententechnisch für die Kassen bedeutet, ergibt sicher ein dramatisches Bild. In diesen Fällen geht die Einzahlung in die Rentenkasse, aus dem primär zur Verfügung stehenden Behandlungsbetrag, gegen Null. Daran hängen die Rentenerwartung unserer jungen Physiotherapeutin und die Liquidität der ganzen Rentenkasse.
Erklärbar ist mit diesem Bericht auch der so genannte “Maultaschen-Prozess”, der kürzlich durch die Presse ging. Diese wurden einer Altenpflegerin zum Verhängnis. Das war ein Transfer vom BAT zum “ModernTarif”, bei dem die Arbeitsgerichte Amtshilfe leisten (müssen).
Das sind die Rücken, auf denen sich die Gier der Eliten austobt. Die Firmeninhaber gehören in den Knast und sonst nirgendwo hin.