Buchauszug 2.0: Schweinegrippe als Jahrtausend-Fake

Buchauszug 2.0: Schweinegrippe als Jahrtausend-Fake: Die Ausbreitung der Schweinegrippe, von Fachleuten auch Neue Grippe genannt, hat einen weltweit einmaligen Prozess in Gang gesetzt: Nie zuvor sind Medikamente in Form von Impfstoffen so schnell und mit so wenigen klinischen Langzeitdaten über mögliche Risiken und Nebenwirkungen vermarktet worden. Nur wenige Monate, nachdem

H1N1-Fake.jpgBuchauszug 2.0: Schweinegrippe als Jahrtausend-Fake:

Die Ausbreitung der Schweinegrippe, von Fachleuten auch Neue Grippe genannt, hat einen weltweit einmaligen Prozess in Gang gesetzt: Nie zuvor sind Medikamente in Form von Impfstoffen so schnell und mit so wenigen klinischen Langzeitdaten über mögliche Risiken und Nebenwirkungen vermarktet worden. Nur wenige Monate, nachdem Virologen den Erreger H1N1/A identifizierten, rief die in Genf ansässige Weltgesundheitsorganisation WHO den Pandemie-Status aus.

Allein dieser Schritt erscheint aus zwei Gründen mehr als ungewohnt. Zum einen ist das Auftreten neuartiger Virenstämme keinesfalls neu. Zum anderen erwies sich die aufkeimende Schweinegrippe in Mexiko ebenso wie in allen anderen betroffenen Ländern als eher harmlose Variante eines neuen Influenzaerregers. Die Pandemie, das kann man heute mit Bestimmtheit sagen, entstand primär an Schreibtischen wichtiger Entscheidungsträger.

Lesen Sie an dieser Stelle einen exklusiven Auszug der 2., überarbeiteten und erweiterten Ausgabe, die seit dem 3. Dezember im Handel ist.

Der Aktionismus der WHO hatte weitreichende Folgen. Praktisch schlagartig rückten ausgerechnet jene Mittel in den Fokus der Gesundheitsbehörden, die sich vor Beginn der Schweinegrippe als zunehmend wirkungslos gegen herkömmliche Influenzaviren erwiesen hatten. Ob mit oder ohne Absicht verhalf die WHO wenigen Pharmaherstellern zu einem unverhofften Comeback ihrer alten Garde, wobei das Medikament Tamiflu des Schweizer Pharmaherstellers Roche zweifelsohne der bekannteste Vertreter der antiviralen Comeback-Generation ist. Ebenso schnell wie die Jagd nach Tamiflu und anderen, verwandten Produkten setzte im Herbst 2009 der globale Run auf Impfstoffe gegen die Neue Grippe ein. Allein die Bundesrepublik orderte Vakzine im Wert von über 600 Millionen Euro, obwohl andere Länder weitaus vorsichtiger reagierten – und auf Grund der fehlenden klinischen Langzeit-Daten bestimmten Altersgruppen von einer Impfung abrieten. Ende November 2009 zitierte SPIEGEL ONLINE wiederum Ärzte, die mit einem Mal vom Ende der ersten Schweinegrippewelle sprachen ““ bis dahin waren in Deutschland nicht einmal 100 Menschen an den Folgen einer H1N1/A Infektion gestorben. Pandemien, so lernen es schon Medizinstudenten, sehen anders aus.

Dennoch ließen im Herbst 2009 die auch in Deutschland auftretenden ersten Todesfälle im Zusammenhang mit der Schweinegrippe nahezu alle Bedenkenträger auf der medizinischen Seite zur Minderheit werden. Getragen vom H1N1/A Hype berichteten Medien nahezu täglich über die Schweinegrippe, und empfahlen dabei das, was im Nachhinein betrachtet aus den PR-Mühlen der Pharmaindustrie zu kommen scheint: Neuramidinase-Hemmer und Vakzine als Schutzschild gegen die vermeintlich so lebensbedrohliche Seuche.

Gewiss, jeder einzelne Todesfall ist ein tragischer Verlust und einer zu viel, nur: Aus epidemiologischer Sicht bleibt es fraglich, warum Gesundheitsbehörden so kopflos reagierten und Impfstoffe bestellten, zu denen keine aussagekräftigen Langzeitstudien existierten.

Denn wichtige Studien, die auf Risiken und Nebenwirkungen der Impfstoffe hinwiesen, und sich dabei auf Erfahrungen in den USA und Schweden beriefen, blieben zunächst unbeachtet. Die Folge: So genannte Modellimpfstoffe, Vakzine also, die noch nicht im Detail erforscht worden waren, erhielten im Rekordtempo die Zulassung durch US amerikanische und europäische Behörden.

Dass sich diese Praxis derart schnell durchsetzte, verwundert.

In vergleichbaren Situationen, etwa unter dem Druck des Vogelgrippe-Erregers H5N1, schien die Entwicklung eines Impfstoffs Jahre und Unsummen zu verschlingen. Rund eine Milliarde Euro kostet die Entwicklung eines einzigen neuen Medikaments, lässt die Pharmaindustrie immer wieder Medienvertreter wissen. Klinische Tests seien langwierig und extrem kostenintensiv, mitunter ein Grund, warum Medikamente in Deutschland so teuer sein müssten. Über die realen Entwicklungskosten freilich gibt es unterschiedliche Aussagen, Experten bezweifeln die von der Pharmaindustrie genannte Größenordnung (siehe dazu auch “Die Gesundheitsmafia”, S.Fischer Verlag 2005). Allerdings sind die Vorgaben der Zulassungsbehörden tatsächlich hoch angesiedelt. Bereits die Dokumentation der klinischen Versuche ist mehr als aufwändig, so dass kein Wirkstoff in Windeseile vermarktet werden kann.

Die hohen Hürden der Behörden haben ihren guten Grund. Spätestens seit dem Contergan-Desaster im Jahr 1961/1962 wissen Mediziner und die Pharmabranche, wie drastisch unbekannte Nebenwirkungen ausfallen können. Lange Studien, hohe Patientensicherheit ““ eine ebenso einfache wie effektive Formel bewahrt die Menschheit vor Pharmakatastrophen.

Zumindest theoretisch. Beispiele wie Vioxx oder Lipobay belegen, dass trotz umfangreicher Langzeitstudien Risiken bleiben können ““ die Vermarktung der H1N1/A-Vakzine erfolgte im Vergleich zu den vorgenannten Medikamenten im Zeitraffer. Langzeitstudien und die Publikation auch unliebsamer Ergebnisse, wie vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im November 2009 gefordert, sind die Grundlage einer nachhaltigen Patientensicherheit. “Durch das Verschweigen von vorhandenen Studiendaten nimmt der Hersteller Patienten und Ärzten die Möglichkeit, sich informiert zwischen verschiedenen Therapieoptionen zu entscheiden”, sagte Peter T. Sawicki, Leiter des IQWiG, und bezog sich dabei auf die allgemein gängige Praxis der Pharmaindustrie. Die, folgerte der renommierter Mediziner, behindere letztendlich die Arbeit von Institutionen wie dem IQWiG. Wie sich das Institut selbst definiert, ließ es in einer Mitteilung ebenfalls im November wissen: “Ziel des IQWiG ist es, verlässliche Schlussfolgerungen über Nutzen und Schaden der Medikamente zu ziehen. Diese dienen dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als wissenschaftliche Grundlage für Entscheidungen über die Erstattungsfähigkeit von Medikamenten”.

Seltsam nur: Dass Vakzine gegen Schweinegrippe von den Kassen der GKV erstattet würden, erfuhren Medien und Patienten vermutlich zeitgleich mit der IQWiG. Ohnehin findet man, sucht man die Seiten des IQWiG nach dem Begriff Schweinegrippe ab, keinerlei Angaben zur möglichen Medikation. Weder finden sich Hinweise auf Imfpungen, noch auf antivirale Mittel als wirksame Therapie. Das Schweigen des IQWiG kann man deuten, wie man mag. Eine Frage jedoch muss erlaubt sein: Bezog die Bundesregierung das IQWiG in die Handlungen rund um H1N1/A ein?

Seit dem Auftreten der ersten Schweinegrippe-Fälle in Mexiko scheint die Frage der Qualitätskontrolle ohnehin der Vergangenheit anzugehören.

Die Schnelligkeit der Impfstoff-Zulassungen erweist sich mitunter als letztes Glied in einer ganze Kette von Zufällen. Nahezu synchron vermeldeten Virologen die Entdeckung des H1N1/A, die Isolierung des Schweinegrippe-Erregers ging im engen zeitlichen Fenster mit dem Start der entsprechenden Impfstoffforschung einher.

Tot gesagte Mittel wie Tamiflu galten fortan als Rettung vor dem vermeintlichen Todeserreger, und Pharmakonzerne, die wie andere Arzneimittelhersteller ebenfalls die Anzeichen der Weltwirtschaftskrise spürten, standen schlagartig vor prall gefüllten Auftragsbüchern. Regierungen praktisch aller Länder orderten antivirale Mittel und Vakzine, und im November 2009 rief die Ukraine sogar die NATO zur Hilfe, um den Bezug und die Verteilung der Medikamente zu gewährleisten.

Dabei sind die teils lebensbedrohlichen Nebenwirkungen der Impfungen seit Jahrzehnten bekannt, wie das Fachblatt LANCET im November 2009 attestierte. Auch das deutsche Ärzteblatt wies auf entsprechende Studien in Schweden und auf ein Totaldesaster mit Schweinegrippe-Vakzinen in der Vergangenheit hin ““ die Fachblätter blieben jedoch weitgehend unbeachtet. Die ersten zwei Todesfälle die im Zusammenhang mit dem Schweinegrippe-Vakzin auftraten beschäftigten die Deutschlands Behörden ebenfalls im November 2009 ““ aber trotz der Zwischenfälle, die Medien aus juristischen Gründen ebenso wie wir als “Verdachtsfälle” nennen mussten, impften Ärzte weiter. Zehn Menschen starben bis Ende November zeitnah nach der Impfung ““ aber keiner davon wegen des Vakzins. Wie unsicher die Produktion der Impfstoffe verläuft erfuhr die Weltöffentlichkeit, als GlaxoSmithKline in Kanada über 150.000 Impfstoffe vom Markt nehmen musste, weil es zu schweren allergischen Nebenwirkungen und einem offiziell bestätigten Todesfall infolge einer Impfung gekommen war. Ähnliche Kuriositäten spielten sich bei den antiviralen Wirkstoffen ab. Erstaunliche Informationslücken traten nämlich auch hier, vorwiegend bei Tamiflu, auf. So zitierte der globale Seucheninformationsdienst Promed am Anfang der H1N1/A-Welle die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC, wonach der Erreger im Laborversuch gegen Tamiflu resistent sei. Zudem bestätigten weitere Studien bis zum Spätsommer 2009 die Befürchtungen der CDC. Dennoch avancierte das Mittel bei vielen Ärzten zum beliebten Medikament, und erfuhr damit ein sensationelles Comeback.

Im Juli 2009 verkündete Roche, seinen Umsatz mit Tamiflu auf rund eine Milliarde Schweizer Franken verdreifacht zu haben. Weitaus spannender lesen sich die Zahlen, wenn man die Zeit zuvor analysiert. “In den Vogelgrippe-Jahren 2006 und 2007 konnte Roche für rund 4 Mrd. Franken Tamiflu an Regierungen verkaufen”, berichtete der Schweizer Online Informationsdienst SwissInfo (www.swissinfo.ch), und: “2008 jedoch folgte ein dünnes Jahr: Die Verkäufe des Medikaments fielen um über 70 Prozent auf 609 Mio. Franken”.

Dass die weltweite Schweinegrippe-Panik dem Mittel zum Comeback verhalf, steht außer Frage. Beachtlich hingegen ist die Tatsache, dass Roche gegenüber SwissInfo.ch bereits im Juli 2009 eine strategische Einschätzung zu den kommenden Vakzinen der Konkurrenz abgab: “Tamiflu und die Impfungen werden sich ergänzen, nicht ausschließen. Tamiflu kann auch eingesetzt werden, wenn jemand trotz Impfung krank wird und im Gegensatz zu den Impfungen muss Tamiflu nicht jedes Jahr angepasst werden”, erklärte Konzernsprecherin Martina Rupp. Geht es lediglich um den Verkauf tot gesagter Blockbuster um jeden Preis? Die wahre Geschichte der Schweinegrippe ist weitaus komplizierter und eng mit den Big Playern der Pharmabranche verbunden. Dabei geht es nicht um eine neue Seuche und einzelne Mittel allein. Vielmehr spielen strategische, nachhaltige Überlegungen die entscheidende Rolle, wie ein weiteres Beispiel demonstriert ““ die Schweinegrippe spielt dabei keine Rolle.

Es handelt sich um um den Kapitalwert der Unternehmen an den internationalen Finanzmärkten. Viren erweisen sich dabei als zentrale Größe: Die Winzlinge entscheiden über Aufstieg und Fall von Aktienkursen und können schlimmstenfalls Unternehmen ruinieren. Wie schnell die Finanzwelt auf virologisch bedingte Nachrichten reagiert erfuhr beispielsweise der Pharmakonzern Baxter Anfang 2009.

Auszug mit freundlicher Genehmigung der LifeGen.de LTD

Background: Chronik einer geplanten Seuche

Anlässlich der aktuellen H1N1/A – Welle hat LifeGen.de das Sachbuch jetzt publiziert, um die Chronik einer geplanten Seuche zeitnah und real time zu dokumentieren. Lesen Sie, warum viele Experten von Beginn an Zweifel an der Ausrufung der Pandemie hegten und warum die Impfung gegen Schweinegrippe auch ohne Todesfälle womöglich mehr schaden könnte, als sie nutzt. Erfahren Sie auch, weswegen in Deutschland die Ständige Impfkommission (STIKO) unter Korruptionsverdacht geriet – und auf welche Weise altgediente Pharma-Blockbuster ein Comeback erfuhren. Wer die Chronik der Schweinegrippe verstehen will kommt an diesem Buch nicht vorbei. Herausgeber sind die Chefredakteure von LifeGen.de, Marita Vollborn und Vlad Georgescu.

Schweinegrippe als Jahrtausend-Fake
Chronik einer geplanten Seuche

Books on Demand
ISBN 978-3-8391-3964-6
Paperback, 100 Seiten, 2. Auflage

Journalistinnen und Journalisten können ein Rezensionsexemplar über diesen Link beziehen.

Kommentare

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  1. Und nun betteln alle, das wir uns doch impfen lassen mögen, da sie zuviel Impfstoff haben. Wir werden doch überall verar…
    Ist das selbe mit dem ‘menschgemachten’ Klimawandel … es geht immer nur ums Geld, und dafür wird gelogen, betrogen usw ..

    Traurige Welt, in der wir leben. Und Deutschland geht dabei immer vorne vor … wie immer.

    Aber hey .. ‘Wir sind Deutschland’