Als die Nachricht Anfang Oktober ins Weiße Haus drang, herrschte dort erst einmal Sprachlosigkeit. Barack Obama, erst wenige Monate im Amt, sollte den Friedensnobelpreis bekommen. “Wow“, lautete so denn auch die erste Reaktion von Regierungssprecher Robert Gibbs auf diese für alle überraschende Entscheidung des Nobel-Kommitees. Viel, vor allem aber kontrovers wurde seitdem diskutiert. Heute morgen war es dann endlich soweit: Barack Obama trat, gemeinsam mit Gattin Michelle, seinen 24-stündigen Besuch im fernen Europa an, um den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen.
Dem vorherrschenden Unmut ist sich der US-Präsident durchaus bewusst. “Ich wäre nachlässig, wenn ich die verständliche Kontroverse darüber nicht wahrgenommen hätte, die Ihre großzügige Entscheidung erzeugt hat. Teilweise liegt das daran, dass ich noch am Anfang und nicht am Ende meiner Arbeit auf der Weltbühne stehe. Verglichen mit einigen Großen der Geschichte, die diese Auszeichnung erhalten haben – Schweitzer und King, Marschall und Mandela -, sind meine Verdienste gering. (…)”, gibt er in seiner Rede zu verstehen. Er scheut sich nicht, auch über seine jüngste Entscheidung, noch mehr Truppen nach Afghanistan zu senden, zu sprechen, verteidigt diese Strategie als eine Art Mission des Friedens, gesteht aber auch ein: “Ich habe heute keine Lösung für die Probleme des Krieges parat.”
“Der verramschte Nobelpreis”
Ob das seine Kritiker überzeugen kann? Während Obama noch in Oslo sprach, schickte sich die New York Times an, die Stimmung innerhalb der Bevölkerung einzufangen und veröffentlichte eine Umfrage der NYT/CBS, in der der Präsident die niedrigsten Zustimmungswerte seit seinem Amtsantritt erzielte. Lediglich 50 Prozent zeigten sich zufrieden mit seiner Arbeit – es waren auch schon mal 66 Prozent.
Kritisch sind in diesen Stunden auch deutsche Blogger. So wird etwa auf efeder.wordpress.com getitelt: “Der verramschte Nobelpreis”. Der Autor hätte sich gewünscht, dass Obama den Preis abgelehnt hätte. Dann hätte er in seinen Augen wahre politische Größe bewiesen.
Autor Sven Gösmann will sich derweil genau dieses Szenario vorstellen. In “Obamas Würde, Obamas Bürde“, malt er sich aus, wie es wohl gelaufen wäre, wenn dieser die Auszeichnung nicht angenommen hätte. Und so schreibt er: “Stellen wir uns vor, es wäre so gekommen. Der Respekt vor der Weisheit und Demut des Politikers hätte den Eklat verdrängt. Viele hätten Obama gepriesen, dass er das vorschnelle Urteil des Nobelpreiskomitees zurückwies. Doch es kam anders. Ab heute lastet die Friedensnobelpreis-Medaille wie ein bleiernes Gewicht auf den Schultern von Barack Obama, der sich selbst einen ‘Kriegspräsidenten’ nennt.” Doch es ist anders gekommen. Für Autorin Julie von meinpolitikblog.de Grund genug zu folgern: “Im Notfall müssen die Fakten dran glauben“. Seine Auszeichnung unterstreiche, “wie groß die Kluft zwischen Rhetorik und Sachzwängen sein kann”.
Hier seine Rede in voller Länge:
Video 1
Video 2
Photo Quelle/Copyright: Statsministerens kontor, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
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