Lyrileison – Neue Lyrik und deren kritische Betrachtung: Teil 45

Vom Wirken der Menschen (IV) Singvogel sprang aus der Höhe zu mir, pirschte sich dicht an mein Ohr und sang: Hilfe, Hilfe aus fernem Dorf, richte die Sachen, halt dich bereit! Verstecktes Bemühen der Witwe brachte Erlaubnis zur Ausfahrt, Euphrosyne`s Geplauder durchwuchs mit Schläue den Wall. Federleicht schwamm durch die

jenpho1111111111111112111111111111111111.jpgVom Wirken der Menschen (IV)

Singvogel sprang aus der Höhe zu mir,

pirschte sich dicht an mein Ohr und sang:

Hilfe, Hilfe aus fernem Dorf,

richte die Sachen,

halt dich bereit!

Verstecktes Bemühen der Witwe brachte

Erlaubnis zur Ausfahrt,

Euphrosyne`s Geplauder

durchwuchs mit Schläue den Wall.

Federleicht schwamm durch die Gassen,

als im gepolsterten Bus fröhlich die Armen entschwanden

(durch die Charybdis zur Milch).

USA -Weißbrot und Düfte,

Englands Union Jack wehte,

Tanten, getüncht in Linnen, Kochlöffel -schwingend

begannen.

Fremde Sprache redete wohlfeil,

im Garten der Heimat begrüßte man uns,

tausendfach im Grund der Seele

füllte sich das Glas mit Schaum.

Und Treue begann zu flehen im Garten der Großmutter,

selbst gestrickte Stollen, Rosinen

und Butter und Hühner und Ei.

Danach das Grün des Gartens,

ein Quittenbaum beugte den Rücken,

Stechmücken suchten das Licht,

Wespen umflogen die Nessel,

Zuteilung wurde zur Freude,

Kühe bestaunten mit großen Augen den Tag,

draußen im Hain lag Egon,

hütete freundlich das Vieh.

Vielerlei Wirrwarr im Winter,

versteckte Fouls auf dem Eis,

jubelnde Kinder, vergnügt,

kreischten das Weh aus der Welt.

Klaus Grunenberg

Kritik

Vieles (aber nicht alles) von dem, was das Kind damals in den Jahren 1945 und etwas später sah, was es erlebte und fühlte, wird hier wieder in verdichteter Form berichtet. Der Rhythmus erscheint archaisch wie die Teile (I), (II) und (III) vorher und es gibt endlich so etwas wie eine einkehrende Ruhe.

Eine neue Heimat erscheint (“Und eine neue Welt und eine neue Welt”), sie ist kindgerecht, ist wohl so oder ganz ähnlich, wie hier beschrieben. Die Erinnerung mag zwar einiges abschleifen, etwas verschönern, aber immerhin, die Erfahrungen eines Landlebens wirken wohltuend, so will es scheinen.

Es ist gut, dass darüber berichtet wird. Vielleicht hilft es, damalige Ereignisse besser zu verstehen.

Ed Moercke

Es mag ja sein, dass es wichtig ist, was damals erlebt wurde. Deshalb will ich alles so stehen lassen, wie beschrieben. Ohne Zweifel bin ich aber wirklich froh, dass nun endlich Schluss ist damit.

Her mit neuer Dichtung, den Vorhang auf und Neues auf den Plan!

Mark Beil-Ritzi

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Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via pixelio.de

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