Forschungsprojekt der Uni München: Gottesbild ehemaliger Zeugen Jehovas

“Bewahrt euch in Gottes Liebe” lautet der Titel einer Broschüre, die im vorigen Jahr von der Wachtturmgesellschaft herausgegeben worden ist und von den Zeugen Jehovas verbreitet wird. Auf der Rückseite werden Fragen gestellt: “Wie kannst du beweisen, dass du Gott wirklich liebst?” “Wann kannst du deinem Gewissen trauen?” “Wie bestimmt

“Bewahrt euch in Gottes Liebe” lautet der Titel einer Broschüre, die im vorigen Jahr von der Wachtturmgesellschaft herausgegeben worden ist und von den Zeugen Jehovas verbreitet wird. Auf der Rückseite werden Fragen gestellt: “Wie kannst du beweisen, dass du Gott wirklich liebst?” “Wann kannst du deinem Gewissen trauen?” “Wie bestimmt eigentlich dein Verhältnis zu Autorität Gottes Verhältnis zu dir?” “Warum ist es das Beste, Gottes Moralprinzipien zu deinen eigenen zu machen?” “Wie kann dir deine Arbeit ein Gefühl der Zufriedenheit geben?” “Wie erhältst du dir deinen Herzenswunsch, immer auf Jehova zu hören?”

Bedingungslos ist die Liebe des Gottes der Zeugen Jehovas also nicht. Steht auch auf Seite 7: “An der Formulierung ´bewahrt euch´ kann man ablesen, dass wir etwas tun müssen, wenn wir in Gottes Liebe bleiben möchten.” Dazu gehört: “Halte dem Teufel und seinen Machenschaften stand.” (Seite 183) Der Teufel der Zeugen Jehovas ist angeblich nicht erfreut, wenn sich jemand als Zeuge Jehova taufen lässt: “Es gibt da allerdings noch andere, die bei solchen Anlässen zuschauen, sich aber maßlos darüber ärgern: Satan und die Dämonen. Sie kochen vor Wut, wenn sie sehen, dass Tausende der kaputten Welt den Rücken kehren.”

Religion kann auch krank machen

Zum Gottesbild der Zeugen Jehovas gehören also Gegenspieler, vor denen man ausschließlich unter dem Dach der Wachtturmgesellschaft Schutz findet. Nun wird dieses Gottesbild Gegenstand eines Projektes der Abteilung Psychoanalyse und psychodynamische Forschung an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität. Dazu Projektleiter Professor Dr. Wolfgang Mertens: “Hintergrund ist die Erforschung der Religiosität bei der Persönlichkeitsentwicklung und der Bewältigung von Lebenskrisen. Obwohl der Religiosität meistens eine positive und helfende Rolle bei der Lebensbewältigung zugeschrieben wird, zeigen neuere Studien, dass Religion auch krank machen kann und daher nicht selbstverständlich vom heilsamen Glauben gesprochen werden kann.”

Interviews auch am Telefon

Für das Forschungsprojekt “Religiosität und Gottesbild” werden ehemalige Zeugen Jehovas gesucht. Die Interviews dauern 30 bis 45 Minuten. Die Gespräche können persönlich oder am Telefon geführt werden. Herausgearbeitet werden soll dabei “die wichtige Rolle des Glaubens”. Denn: “Der Glaube hat gerade für religiöse Menschen eine besondere Bedeutung in schwierigen Lebenslagen. Entscheidend ist, ob dieser Glaube mit positiven oder negativen Werten und Bildern verbunden wird. So kann ein Glaube, der mit einem negativen Gottesbild belastet ist, nicht dem Heil oder der Heilung dienen.”

Weitere Informationen: Professor Dr. Wolfgang Mertens, Lehrstuhl für Klinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität, Leopoldstraße 13, 80802 München, Telefon 089/2180-5196.

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  1. Gerade bei den Zeugen Jehovas und auch bei den Neuen Aposteln kommt es weniger auf den Inhalt der simplen Heilslehren an als auf den sozialen Druck, den diese Gemeinschaften auf ihre Mitglieder ausüben. Die Glaubensformeln sind nur die Transportmittel für die Anwendung psychischer Druckmittel. Nur soll man nicht glauben, dass nur solche besonders krassen Sekten ihre Leutchen versklavten. Das tun bekanntlich die Scientologen mit ihrer Pseudoreligion auch – und natürlich die staatlich anerkannten Kirchen!

    Das Forschungsprojekt ist aber auch mit der Beschränkung auf die Schäden, die die
    Zeugen Jehovas bei ihren Anhängern anrichten, von großem Wert. Nach und nach kann man ja auch ma sehen, wie die Dinge bei den anderen Fundamentalisten stehen.