Mehr als Schabernack: Nervenkrieg gegen eine Rezensentin bei Amazon

“Lasset die Rezensenten zu mir kommen und wehret ihrer nicht, denn sie schreiben auch über Bücher, die sie nicht gelesen haben (können).” Dieses Kunststück bringt bei Amazon nicht nur jemand zustande, der sich “Morgenländer” nennt und angeblich in Bremen wohnt. Der erfindet einen Professor und schiebt ihm eine Buchempfehlung unter.

“Lasset die Rezensenten zu mir kommen und wehret ihrer nicht, denn sie schreiben auch über Bücher, die sie nicht gelesen haben (können).” Dieses Kunststück bringt bei Amazon nicht nur jemand zustande, der sich “Morgenländer” nennt und angeblich in Bremen wohnt. Der erfindet einen Professor und schiebt ihm eine Buchempfehlung unter. Unfug machen können aber auch andere. Zum Beispiel eine gewisse W., die wie eine Besessene in ihren Fantasiebeiträgen den Rezensionsstil einer Frankfurterin kopiert. W. wohnt angeblich in Remscheid.

Sie führen seit Monaten einen Nervenkrieg gegen die aktuelle Nummer 2 in der Rezensentenliste. Dabei nutzen sie jede Möglichkeit, die dieser Online-Einzelhändler ihnen bietet – sie lassen per Klick Kommentare unsichtbar werden, weil die angeblich nicht zur Diskussion über einen Beitrag der Frankfurterin gehören. Sie bewerten Rezensionen von Helga König schneller als ein Ferrari auf Touren kommt. Sie lauern am Computer auf Stellungnahmen, die ihnen nicht passen. Und fallen über den Kommentator in einer Art und Weise her, dass sich neutrale Beobachter die Augen reiben müssen.

Seitenhiebe auch im Profil

W. verteilt sogar in ihrem Profil Seitenhiebe auf die Nummer 2: “Ich habe keine Lust, mich kritisch mit etwas auseinanderzusetzen oder gar Rezensionen abzuliefern, bei denen ich denken muss.”

Einer Studie zufolge sind Kundenurteile wichtig für Kaufentscheidungen im Internet. Helga König hat sich vorgenommen, nur Produkte vorzustellen, die ihr gefallen. Das gefällt “Morgenländer”, das gefällt W. und das gefällt anderen nicht. Sie machen so lange alles von der Frankfurterin Geschriebene nieder, bis mindestens die Hälfte der Kommentare zu ihren Beiträgen wieder verschwunden ist.

Das sieht dann so aus:

Laasiram meint: Die meisten Kunden meinen, dass der Beitrag nicht zur Diskussion gehört.

@Laasiram
Schade, ich dachte doch, das Sie als Studentin wissen was ich mit meinen Kommentaren meinte. Hier nun die Auflösung – es sind, halten Sie sich fest, die von meiner Person erstellten Niederschriften. Sollte nochwas unklar sein, fragen Sie Ihren Professor.

Lapepe meint: Oh, wie schlagFertig ist meine Liebe.

Leselust meint: Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört.

Der Verkaufs-Sache von Amazon dient derlei Sinnentleertes sicher nicht. Trotzdem schaut der Online-Einzelhändler tatenlos zu und ermuntert auf diese Weise eine Handvoll Blödsinntreibender zu immer neuem Schabernack mit einer Rezensentin, die sie sogar noch morgens um halb vier aufs Korn nehmen. Diese Frage drängt sich geradezu auf: Warum schreitet der Online-Einzelhändler nicht ein?

Kommentare

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  1. “Laasiram meint: Die meisten Kunden meinen, dass der Beitrag nicht zur Diskussion gehört.”
    Dazu meint Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur) :
    “In einem Internet-Medium wird ein Autor als Troll bezeichnet, dessen Beitrag nicht zu dem Thema beiträgt, sondern der vor allem das Ziel hat, weitere Reaktionen hervorzurufen, ohne am eigentlichen Thema interessiert zu sein. Die Beiträge selbst werden meist als Troll, Trollbeitrag, Troll-Post, Troll-Posting oder Flamebait bezeichnet.”
    Wer hätte gedacht das Web 2.0 immer unterhaltsamer wird?
    Web 2.0 verlangt eben erhöhten Personaleinsatz der Netzbetreiber. Und den gibt´s nicht. Kostet. Und das “kostet” aber auch Qualität…