Die Spatzen pfeifen es bereits seit längerer Zeit von den Dächern ““ nun reagiert auch die ehemalige sportliche Heimat von Michael Schumacher, Italien, auf die anhaltenden Gerüchte über eine mögliche Rückkehr des Rekordweltmeisters in die Formel 1. Die teilweise bissigen und von verletztem Stolz geprägten Überschriften aus den italienischen Gazetten zu einem möglichen Einstieg des Kerpeners bei Intimfeind Mercedes sind ein weiterer Hinweis auf die womöglich bald folgende Traumhochzeit zwischen den erfolgreichsten deutschen Exportschlagern.
Gekränkte Gazetten
“žSchumi und Ferrari: Scheidung! Schumacher will gehen? Für Ferrari kein Problem. Niemand will ihn mit aller Kraft halten”œ, titelte am Dienstag die Sportzeitung Tuttosport und folgert: “žEs muss eine Freude und Ehre sein, mit Ferrari zu arbeiten, kein Zwang.”œ Der Corriere dello Sport geht sogar noch weiter und fühlt sich verraten: “žSchumi, dann geh ruhig”œ, zitierte das Blatt Ferrari-Boss Luca di Montezemolo und fügte an: “žVier lobende Worte begraben 15 Jahre tolle Zusammenarbeit und totale Identifikation, Treueschwüre für dieses und das nächste Leben. Der neue Schumacher ist jetzt Fernando Alonso. Ferrari ist zu klein für drei Starpiloten.”œ
Phantomschmerz
Die Heftigkeit der Reaktionen und die ihnen innewohnende Enttäuschung verdeutlicht in erster Linie die große Wertschätzung, die der siebenmaligen Weltmeister aufgrund seiner unglaublichen sportlichen Erfolge seit seinem Einstieg bei Ferrari 1996 erlebt hatte. Nach anfänglicher Skepsis gewannen die Italiener den Deutschen nach den fünf Titelgewinnen mit der Scuderia ab 2000 richtig lieb und bewunderten den unbeugsamen Ehrgeiz und die Arbeitsmoral des Wunderfahrers. Selbst seine offen zur Schau gestellte Nüchternheit nahm man ihm im Land des “žDolce Vita”œ schon bald nicht mehr übel ““ im Gegenteil: Im selben Zug wie auch Schumacher nach und nach weniger verkrampft und unnahbar wirkte, sich öffnete, und Emotionen zeigte wie es die Italiener lieben, so hat sich auch der Rennstall von den Vorzügen Schumachers inspirieren lassen. Der lange als launig geltende Traditionsrennstall funktionierte immer professioneller und sorgte kaum noch mit Skandalen, sondern ausschließlich mit sportlichen Rekordleistungen für Schlagzeilen. Schumi hat vermutlich mehr für die deutsch-italienische Freundschaft getan, als es die Spitzenpolitiker beider Länder seit dem 2. Weltkrieg geschafft haben. Daher sind die öffentlichen Reaktionen, die an den Frust des Verlassenen in einer vormals als “žperfekt”œ deklarierten Beziehung erinnern, nur allzu verständlich und als weitere Auszeichnung für Schumacher zu verstehen.
Traumhochzeit in Sicht
Für “žSchumi”œ würde sich mit der Rückkehr zu Mercedes jedenfalls ein Kreis schließen: Dort begann er einst im Junior-Team seine Motorsportkarriere und sammelte erste Meriten. Mittlerweile hat Ross “žThe Brain”œ Brawn, der im vergangenen Jahr sensationell den Fahrer- und Konstrukteurtitel mit seinem neu gegründeten Team “žBrawn-GP”œ gewann, das sportliche Zepter bei den “žSilberpfeilen”œ übernommen. Brawn war auch stets das Mastermind bei Schumachers bisherigen sieben WM-Titeln. Sowohl bei Benetton als auch später bei Ferrari saß der Brite am Kommandostand und tüftelte die Rennstrategie aus. Gerüchten zufolge soll Schumacher bereits ein unterschriftsreifer Vertrag bei Mercedes vorliegen, einzig der Gesundheitsscheck, der sein bereits für das letzte Jahr geplante Comeback verhinderte, steht noch aus. Sollte auch von dieser Stelle die Ampel auf “žgrün”œ schalten, so werden sich wohl alle Motorsportfans weltweit, vor allem jedoch die aus Deutschland, über eine neue “žTraumhochzeit”œ freuen. Und auch die Italiener werden sich eines Tages wieder daran erinnern, wie schön es mit ihm war und ihren Schmerz überwinden.
Marc Strasser arbeitet in einer Sportredaktion und bloggt für betfair
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