Der schlanke kleine Mann mit dem schütteren Haar ist schon ein Phänomen. Er hat eine Gefolgschaft von vielen Tausenden Gesundheitsbewusster im ganzen deutschprachigen Raum aufgebaut, wo er sich selbst als renommierten Arzt, Psychotherapeuten, Autor und Ganzheitsmediziner bezeichnet. Richtig kennen ihn und seine extremen Thesen aber nur wenige.
Geboren ist Rüdiger Dahlke am 24.7.1951 in Ostberlin und aufgewachsen ist er im bayerischen Freising. Er studierte Medizin in München und promovierte dort im Jahre 1978. Er unterhält in Johanniskirchen in Niederbayern das Heilkundeinstitut Dahlke, das von seiner getrennt von ihm lebenden Frau Margit geleitet wird. Dort soll auch ein älterer Arzt tätig sein, der approbiert ist. Â In der Steiermark hat er gerade ein größeres Anwesen gekauft, um mit seinem zweiten Standbein, dem Heilkundeinstitut in Hitzendorf bei Graz dorthin umzuziehen. In Fürigen in der Schweiz kaufte er vor Kurzem ein prächtiges Domizil mit dem Blick über den Vierwaldstädter See auf Luzern.
Derweil hält ihm seine derzeitige Lebensabschnittsgefährtin sein Haus auf der Sunda-Insel Bali warm, wo er angeblich seinen alleinigen Wohnsitz hat.. Er hat keine ärztliche Zulassung und gehört daher auch keiner Ärztekammer an. Damit unterliegt er keiner berufsständischen Kontrolle.
Irgendwie hat dieser Ostberliner es erreicht, dass ihn jeder für einen Österreicher hält, besonders die Österreicher selbst. Er tourt den größeren Teil des Jahres durch Europa, teils agiert er auch auf  Kreuzfahrten, und hält Jahr für Jahr Vorträge über seine Lösung der Welträtsel in der Medizin und überhaupt. Er ist ein fleißiger Autor, arbeitet auf seinen Reisen aber auch als Psychotherapeut. Das Gesetz nennt das eine “žAusübung der Heilkunde im Umherziehen.”œ
Schon früh entdeckte Dahlke einen ganz besonderen Markt: die Esoterik. Er wurde Schüler des Sektengründers Thorwald Dethlefsen. An dessen “žInstitut für außerordentliche Psychologie”œ machte er eine Ausbildung zum “žReinkarnationstherpeuten”œ und nennt sich seither Psychotherapeut. Im Streit trennte er sich 1989 von Dethlefsen, dem er auch den Ansatz verdankt, die Astrologie als Mittel der medizinischen Diagnose einzusetzen. Dethlefsen und Dahlke verteten in dem gemeinsam geschriebenen Buch “žKrankheit als Weg”œ (1983/2008) die Überzeugung, dass Krankheiten das unausweichliche Schicksal der Kranken sind: “žDie Menschen haben Krebs, weil sie Krebs sind.”œ
Das 1974 von Dethlefsen gegründete Institut wandelte dieser 1993 in den Kowana-Konvent um und ließ den Konvent1996 beim Amtsgericht München als “žKawwana- Kirche des Neuen Aeon”œ eintragen, der er als “žVicarius”œ vorstand. 2003 erklärte Dethlefsen, diese Kirche sei “žin die Welt des Briah”œ erhoben worden. Den am Münchner Gärtnerplatz stehenden “žTempel des höchsten Gottes”œ dieser Kirche ließ Dethlefsen im Juni 2009 abreißen.
Ob Dahlke sich bei diesem Hintergrund zu Recht als Psychotherapeut bezeichnen darf oder gar auf diesem Gebiet tätig sein darf, erscheint zweifelhaft. Denn nach dem Psychotherapiegesetz von 1999 darf ein Psychotherapeut den Beruf nur ausüben, wenn er approbiert ist, was ein abgeschlossenes Studium der Psychologie sowie eine Ausbildung in einem anerkannten Therapieverfahren voraussetzt. Thorwald Dethlefsens seltsame Kirche samt Institut kann aber nie und nimmer als Ausbildungsstätte für Psychotherapie anerkannt gewesen sein.
Dahlke ist ein guter Redner, der es versteht, interessant vorzutragen. Von seinen abwegigsten Grundauffassungen spricht er in seinen Vorträgen klugerweise fast gar nicht. Da bleibt er an der Oberfläche und wird von seinen Anhängern als alternativer Mediziner geschätzt. Man sollte sich aber doch ein paar seiner Sprüche aus ” Krankheit als Weg”, zu Gemüte führen, bevor man ihm auf den Leim geht.
“žDer Hörsturz ist die Aufforderung nach innen zu horchen und der inneren Stimme zu gehorchen. Taub wird nur der, der für seine Innere Stimme schon lange taub ist.”œ (S. 212)
“žUnfälle [sind] unbewusst motiviert”œ (S. 307)
“žDie Natur wacht darüber, dass der Mensch im Laufe seines Lebens sich immer tiefer ins Kranksein hineinentwickelt, das durch den Tod seinen krönenden Abschluss findet. Das Ziel des körperlichen Teils ist das mineralische Dasein.”œ(S. 83)
Die hinter solchen Sprüchen stehende inhumane Einstellung ist die, dass jeder selbst Schuld hat, wenn er krank wird. Solch ein Fatalismus in einem christlich geprägten Umfeld!
Erst recht spinnert wird es, wenn Dahlke in den früheren Leben der Patienten nach den Gründen für ihr heutiges Missgeschick sucht. Da lässt er dann Sprüche ab wie:
“œWer in einem früheren Leben zuviel gehasst hat, kriegt heute Krebs!”œ Gelegentlich sind seine Vorstellungen auch einfach drollig. So erklärte er vor ein paar Jahren den verdutzten Zuhöreren einer Talk-Runde bei Beckmann, dass angewachsene Ohrläppchen ein Zeichen hoher Intelligenz seien. ???
Allzu viel Ehre gebührt diesem sonderbaren Arzt allerdings nicht. Wer mehr über Dahlkes seltsame Phantasien wissen will, sollte einmal bei esowatch.com hineinschauen.
Wirtschafliche Verstrickungen
Wer die Geschichte des mittelmäßigen Science-Fiction-Autors Ron L. Hubbard, des Gründers der Scientologie-Sekte kennt, wird bald Parallelen zum Phänomen Dahlke entdecken. Bei beiden geht es um angebliches Herrschaftswissen und um Geld.
Wie ich auf RE vor einigen Monaten im Beitrag über Mietmäuler und Huren in der Gesundheitswerbung mitteilte, ist Dahlke entgegen seinen ständigen Beteuerungen immer wieder heftig engagiert bei Geschäften mit der Gesundheit. Mir erklärte er wahrheitswidrig, dass er in seinem Leben noch nie für ein Produkt gut gesagt hätte. Dabei hörte ich danach immer mehr davon, von seinen bezahlten Empfehlungen von obskuren Diagnose-Geräten, schwingenden Betten und Nahrungsergänzungsmitteln, selbst von einer Verstrickungen im Multi-Level-Marketing.
Nachdem er im kollusiven Zusammenwirken mit einem industriellen Nachahmer der von mir entwickelten Produkte zur Umsetzung meiner Hypothese über die Wege zur Förderung der zerebralen Serotoninsynthese gegen das Versprechen der Zahlung einer Umsatzprovision heftig Werbung für das fremde Produkt gemacht hatte und sich auch nicht zu schade war, meine Produkte krass wettbewerbswidrig zu verunglimpfen (“žreizt die Darmwände”œ), drohte ich ihm die Strafanzeige an, wenn er von diesem Tun nicht abließ. Er hat jetzt ein Einsehen gezigt und hat erklärt, dass er solche einseitige Werbung nicht mehr treiben werde.
Nun aber dreht er sich auch gegen seine neuen industriellen Freunde. Denn er hat über seine Anwälte erklären lassen, dass er jetzt ein anderes nach dem von mir entdecken Prinzip wirkendes Produkt suchen und über sein Heilkundeinstitut allgemein empfehlen und verkaufen werde. Gesinnungsgenossen, die er neuerdings bei mir hat anrufen lassen, lassen beiläufig die Bemerkung fallen, dass Dahlke doch der Entdecker der Serotoninsynthese sei. Er sei ja auch dabei, dafür ein neues Produkt zu schaffen. Der Jahrmarkt geht weiter.
Das Phänomen Dahlke reduziert sich letztlich ganz auf seine wirtschaftlichen Interessen.
Stellen Sie sich einmal vor, meine Entdeckung der Wege zur zentralnervösen Synthese des Schlüsselhormons Serotonin wird einmal in der ganzen Wissenschaft anerkannt und auch die Annahme, dass die Verbesserung der Versorgung mit diesem Hormon absolut segensreiche Wirkungen bei praktisch allen psychischen Störungen wie Migräne, Depression, Burnout, Fibromyalgie, AD(H)S, Restless-Leg-Syndrom, Panikattacken, Zwangsstörungen, Suizidalität, aber auch bei Fettsucht und vielen durch Stress ausgelösten schweren körperlichen Leiden hat. Und da erklärt dieser zweifelhafte Psychotherapeut Dahlke, dass sich alle menschlichen Krankheiten nur aus vorhergendem Fehlverhalten der Betroffenen erklären, die Verbesserung des mental-hormonellen Gleichgewichts also gar keine entscheidende bessernde Wirkung haben kann!
Als ich ihm erstmals Mitte 2007 in Stuttgart begegnete, erklärte er rundheraus, dass man doch mit verbesserter Serotoninversorgung nicht Depressionen heilen könne. Depressionen hätten doch viele und ganz andere Gründe. Welche sagte er nicht. Dabei wusste er von den vielfachen Aufgaben und Zuständigkeiten von Serotonin bis dahin praktisch nichts, weniger noch darüber, unter welchen Bedinungen sich dieses Hormon im Stammhirn aufbauen kann. Als er dann erstmals darüber schrieb, übernahm er meine Ausarbeitungen für seine Beiträge.
Ein Beispiel für die hilflose und unhaltbare Herangehensweise Dahlkes will ich abschließend noch zeigen, Dahlkes Ausführungen zum Burnout-Syndrom, Krankheit als Symbol, Bertelsmann 2007,S. 227 f.:
“Burnout ““Syndrom ( chronisches Ausgebranntsein; siehe auch Depression, Schlafprobleme)
Körperebene: der ganze Körper kann betroffen sein.
Symptomebene: sich an “žfalscher”œ Stelle verbrennen und verzehren; chronische  -> Müdigkeit, die durch Schlaf kaum zu bessern ist; Abgeschlagenheit; Energierreserven sind bis auf tiefste Ebene erschöpft (“žleer Akkus”œ); Gefühl, nihct genug zu leisten, hinter den Anorderungen zurück zu bleiben und dem Leben nicht mehr gerecht zu werden; autoaggressive Ausbeutung; Flucht aus einer nicht mehr zu bewältigenden Anforderung (beruflich, familiär, partnerschaftlich); Vorstufe zur Depression.
Bearbeitung: für inner Ruhe sorgen; sich bewusst aus den täglichen Auseinandersetzungen des Lebenskampfs zurückziehen; Abstand gewinnen; Energielecks (z.B. unbewältigte Lebenskrise, faule Kompromisse) ggf. mit Hilfe von Psychotherapie identifizieren und schließen; sich seelisch so verausgaben, bis auch hier Leere einkehrt; an “žrichtiger”œ Stelle brennen; echte Begeisterung und Motivation entwickeln (brennendes Herz), z.B. Arbeit finden, die Freude macht.
Einlösung: auf seine ureigenen Kraftquellen zurückgreifen; Leere auf der letzten Ebene verwirklichen im Sinne des buddhistischen Nirwana; Meditation.
Urprinzipieller Bezug: Neptun.”œ
Nirwana??? Neptun??? Bla, bla, bla. Aber es verkauft sich ja.
“Unfälle [sind] unbewusst motiviert”
Hoffentlich passiert dem Trottel mal ein wirklich schlimmer Unfall und er muss den Rest seines “Lebens” als entstellter Krüppel verbringen. Ich würd mich halbtot lachen!