Jährlich ist es das gleiche: es hat doch so schön werden sollen! Auf Arbeit eh kaum noch was zu tun, Geschenke lassen sich nebenbei besorgen und den lästigen Besuch der Schwiegereltern am 25. kriegt man bestimmt auch noch rum. Dachten Sie. Das war Ende Oktober. Jetzt, eine Woche vor dem Heiligen Abend, steuern Sie jedoch überlastet und völlig überreizt erkennbar auf eine berufliche und private Katastrophe zu. Da gibt es nur einen Weg: Vergessen Sie die hehren Ziele (haben Sie all die Jahre eh nicht erreicht). Lesen Sie hier stattdessen, wie Sie das Fest zu einem zünftigen Desaster werden lassen – von dem alle noch in zehn Jahren reden werden.
Fest der Liebe?! Pah! Nieder mit dem Harmoniekult!
Trotz angestrengtester Bemühungen (Sie haben sich wirklich zusammengerissen) waren auch letztes Jahr wieder alle beleidigt, woraufhin um irgendeine kleine Nichtigkeit eine Mafia-verdächtige Familienfehde losgetreten wurde? Da können Sie dieses Jahr mal ruhig noch einen drauflegen. Statt sich und Ihre Lieben mit einem medial erzeugten Harmoniekult zu überfordern können Sie Ihr Heil heuer auch mal in der Freude ausgesprochenen Garstig-seins suchen. Wenn Sie trotz Ihrer (natürlich völlig unerwarteten) gegenwärtigen beruflichen Überforderung noch Zeit haben sollten, lesen Sie zur Einstimmung einen der neoexistenzialistischen Exzesse von Sybille Berg (“žz.B. Sex II”œ). Nach außen hin sollten Sie die Erwartungen aber möglichst extrem hoch halten: Lassen Sie deshalb gegenüber Ihren Lieben regelmäßig Sätze fallen wie: “žDieses Jahr muss es ein wirklich perfektes Fest werden!“œ oder “žWer Heiligabend als Familienfest nicht ehrt, ist keinen lausigen Bratapfel wert.”œ und ähnlichen Schwachsinn.
Planen Sie alles ““ und nichts
Planen Sie vor allem nichts gemeinsam! Die anderen machen ja ohnehin nur, was sie wollen. Anstelle einer sinnvollen und klaren Aufgabenverteilung (Essen machen, Baum besorgen, Baum schmücken usw.) sollte sich niemand richtig verantwortlich fühlen und völlig unklar sein, wer wann für was Zeit haben könnte. Wer dann am meisten unter Druck gerät, macht dann eben auch alles. Vermeiden Sie es nach Möglichkeit auch, sich frei zu nehmen und vereinbaren Sie unbedingt noch ein paar Extra-Termine mit flüchtigen Bekannten bzw. für unnötige Arztbesuche ““ oder bringen Sie wenigstens einen Haufen Arbeit mit nach Hause und verteilen Sie diesen überall in der Wohnung. So haben Sie immer einen guten Grund parat, um sich aus der familiären Enge (oder von lästigen Haushaltsaufgaben) zurück zu ziehen. Wenn es deshalb lange Gesichter gibt, schimpfen Sie laut darüber, dass niemand jemals sieht, was Sie alles leisten müssen.
Geschenke richtig nutzen
Hervorragend geeignet für ein schönes Misanthropen-Weihnachten ist natürlich auch das weite Feld der Geschenke. Sagen Sie im Vorfeld auf keinen Fall klar an, was und in welcher Preisklasse Sie wirklich freuen würde. Stattdessen können Sie ein paar vage und völlig widersprüchliche Andeutungen machen – und dann beim Auspacken von Klamotten, die Sie nie anziehen würden oder fertigen Geschenk-Sets aus der Drogerie die Stirn runzeln und ein “žIch freu mich. Ehrlich“œ vor sich hinhüsteln. Als Fortgeschrittener können Sie aber auch gleich den Klassiker bringen: “žWir schenken uns dieses Jahr nichts.”œ Natürlich hoffen alle Beteiligten irgendwie (Sie eingeschlossen), dass dann doch was unter dem Baum liegt. Was das dann auch immer ist ““ irgendjemand bekommt bestimmt nichts und kann dann mit tränenerstickter Stimme behaupten, es sei “žWirklich völlig in Ordnung so. Hatten wir ja abgemacht“œ. Auch demütigende Geschenke sind natürlich gut geeignet für ein Bisschen Ramba-Zamba in der Bude. Zu nennen sind hier beispielsweise Lebenshilfe-Ratgeber (“žDepression und Familie“œ, “žLeben ohne Alkohol“œ), penisförmige Scherzartikel oder Mittel gegen Fuß- bzw. Mundgeruch (können Sie auch am 23. noch überhastet besorgen). Niemandem jedoch, insbesondere Kindern und Teenagern, sollten Sie etwas schenken, was sich die Person wirklich gewünscht hat – Sie wissen ja auch eh viel besser, was andere brauchen.
Die richtige Themenwahl für den Festtagstisch
Da Weihnachten endlich mal wieder alle zusammensitzen, ist das eine der seltenen Gelegenheiten, um sich einmal richtig auszusprechen. Laden Sie auch entfernte Verwandte ein, insbesondere dann, wenn deren Anwesenheit von niemanden (auch von den Betroffenen selbst nicht) wirklich gewünscht ist. Nutzen Sie dann diese einzigartige Gelegenheit, alle schwierigen familiären und persönlichen Konfliktthemen möglichst auf einmal auf den Tisch zu bringen ““ je länger die Zwistigkeiten zurückliegen, desto besser! Lassen Sie nichts aus! Damit sich Ihre Zunge etwas löst, sollten Sie bereits vorher ein paar Drinks nehmen ““ aber nur hartes Zeug (Schenken Sie auch den anderen ordentlich ein). Sie werden schnell entdecken, wie befreiend es ist, wenn sich endlich einmal alle alles von der Seele reden. Falls dennoch lästige Schweigepausen auftreten sollten, machen Sie einfach ein paar hundert Fotos (mit Vorblitz!) oder drehen Sie einfach den Fernseher auf volle Lautstärke. Legen Sie aber zur Sicherheit eine Tasche mit Ihren wichtigsten Dokumenten (Ausweis, Führerschein) und etwas Geld griffbereit in die Nähe der Wohnungstür. Man kann nie wissen.
Bildquelle: pixelio.de (Lisa-Marie)
Pingback: Twitter Trackbacks for Readers Edition » Tipps zum Fest: Wie man sich Weihnachten richtig versaut [readers-edition.de] on Topsy.com