Lyrileison – Neue Lyrik und deren kritische Betrachtung: Teil 46

Alte Häuser in den Hassbergen “Kimmst heind owend!” Einsame Fenster und voller Sprünge das Holz, der graue Tag wartet und der Nebel webt ein Netz. Das zerbrechliche Pfarrhaus hat einen verwilderten Garten für alle Ewigkeit, Gras wächst im Hof. – Die echte Schönheit der kleinen Kirche berührt uns. – Betreten

jenpho11111111111111121111111111111111111.jpgAlte Häuser in den Hassbergen
“Kimmst heind owend!”

Einsame Fenster und voller Sprünge das Holz,
der graue Tag wartet und der Nebel webt ein Netz.
Das zerbrechliche Pfarrhaus hat einen verwilderten Garten für alle Ewigkeit, Gras wächst im Hof. -
Die echte Schönheit der kleinen Kirche berührt uns. -
Betreten betreten die letzten Bewohner die Straße, sie kommen vom
Friedhof, einer sitzt im Rollstuhl und erzählt von damals. -
Wir machen uns bekannt, man kennt uns.

Stolze Häuser von einst, neu hergerichtet und auch
geduckte Bauten mit selten schönem Fachwerk.
Eines steht erhöht wie auf einem Wall.
Sie sagen, Paul wäre ab und zu da und bessere die Fenster aus,
käme einmal wieder, um alles zu übernehmen.

Mitten im Dorf das gepflegte Anwesen vom Seidenfabrikanten aus Krefeld, die Nachkommen pflegen es gerne.

Wir gehen die Straße entlang und erblicken wirkliche Gärten.
Eine Katze schnurrt über die Gasse, ein Hund bellt.

Und endlich wieder die Lieder von einst.
Es gehen die Lichter an und aus dem Nachbarhaus kommt Gertrud.
Langes Gespräch, der Abend wird kalt,
kälter noch die Gewissheit, dass verloren ging, was früher einmal war.

Ruhig gleiten die Räder des Gefährts auf dem Feldweg und langsames
Fahren entlang des dunkelnden Waldes, rechts fließt der Bach.

Jetzt leuchten auf die Fenster des schönen Nachbardorfes, das früher zur Hälfte von Juden bewohnt wurde, von Händlern und Bauern wie alle hier. ““

Vergessen heute – so scheint es – der Abzug von damals, als vergeblich die Blicke baten und man die freundliche Bitte des jüdischen Vaters aus der Jugendzeit vergaß, als alle sich noch kannten:
“žKimmst heind owend auf´n Danz un dänz mit der Betty!”œ

Klaus Grunenberg

Kritik

Ländliche Idylle? Wohl kaum und wenn, dann in eigenartiger Art, denn nicht überall in den Dörfern ist das zu finden, was wir Gestresste gerne suchen, um zufrieden zu werden. Und dennoch wagen sich Menschen in die Einsamkeiten des Landes, leben zufrieden mit sich, mit den Ihren und den Tieren. Das gilt nicht nur für den äußeren Rand Frankens, wie hier im Gedicht, sondern wohl auch für andere Regionen unseres Landes. Und es war doch auch Lebens dereinst in den Dörfern, es herrschte Licht und Treiben in den Stuben und in den Ställen auch. Man verstand sich, gerade auch Fremdes wurde oft und lang geduldet, weil es friedlich war, wenn auch fremd.

Nun, es wurde gearbeitet und es wurde gefehlt damals, genau wie in den Städten auch. Und das Ergebnis erleben und sehen wir heute. Immer noch weht ein kalter Hauch durch unser Land, gerade in kleinen Städtchen und Dörfern, ein Hauch, der von dem erzählt und geradezu flüstert, was einst geschah. Nicht vergessen dies und das, nicht dagegen antreten gar mit Springerstiefeln. Durchwandern diese Welt und jedem das entgegenbringen, was man selbst erwarten kann, das genügt, das hilft!

Ed Moercke

Na, schön! Ganz gut getroffen, diese etwas öde Atmosphäre. Und trotzdem möchte ich lieber auf dem Land hausen, mit den Leuten reden und trinken und durch die Gegend streifen wie früher. Fürchterlich diese künstliche Lebensart in den großen Städten und in einigen Jahrzehnten lebt ein Dreiviertel der Menschheit in den Städten.
Da müssen sich alle gut verstehen, sonst wird es ungemütlich.

Mark Beil-Ritzi

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Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via pixelio.de


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