An und um Weihnachten bemühen sich die Radio- und Fernsehsender um ein dem Anlaß angemessenes Programm. Außer unsere Privaten. Die nudeln da auch schon mal Horror-Filme ab . Nun ja: Womöglich sollen die uns auf unsere Zukunft einstimmen? Spass beiseite. Das Thema ist zu ernst:
Wie u. a. Funkhaus Europa heute in den Nachrichten vermeldete, kann offenbar das US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba nicht – wie “fristgerecht” geplant – am 22. Januar 2010 geschlossen werden. Wie das? Hatte der viel versprechende Präsident Barack Hussein Obama die Schließung des völkerrechtswidrigen und menschenverachtenden US-Folterlagers der Welt sozusagen nicht in die Hand versprochen? Und zwar nach Jahresfrist seines Amtsantritts. Und nun bricht womöglich der selbe Präsident, unterdessen jedoch frisch zum Friedensnobelpreisträger gekürte, Mister Obama sein Versprechen? Es sieht ganz danach aus.
US-Gefangenenlager Guantánamo vielleicht erst 2011 zu?
Eigentlich sollten die auf Guantánamo noch verbliebenen 223 völkerrechtswidrig festgehaltenen Menschen nun in ein Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat Illinois verlegt und in den USA vor ein ordentliches Gericht gestellt werden. Nun aber heißt es, die Verlegung könne sich vielleicht noch bis 2011 (!) hinziehen. Liegt es nun an den fehlenden Dollars (die könnten sicherlich allein spielend leicht mit dem Geld doppelt und dreifach aufgebracht werden, welches an nur einem Tag für den US-Krieg im Irak bzw. in Afghanistan verpulvert werden) für den Umbau des Gefängnisse? Oder an anderen Problemen (Obama soll auch bei seinen eigenen Demokraten in Bezug auf die Schließung von Guantánamo auf Widerstand stossen)? Eines ist klar: Das ist so nicht hinnehmbar.
Stellen Sie sich einmal vor,…
In erster Linie schon wegen der Gefangenen selbst. Viele von ihnen dürften mittlerweile psychisch wie physisch ziemlich am Ende sein. Stellen Sie sich einmal vor, liebe Leserin, lieber Leser, Sie werden einfach und unter widrigen Umständen unter dem Verdacht des Terrorismus verhaftet. Und dann vielleicht verkauft man Sie seitens einer korrupten Polizei an US-Behörden. Für 3000 Dollar. Ohne vernünftigen Rechtsbeistand bzw. ganz ohne diesen finden Sie sich auf einmal irgendwo (denn Sie wissen nicht, wo Sie sind) in einer Zelle wieder, wo Sie klirrender Kälte oder brütender Hitze ausgesetzt werden. Abwechselnd. Oder brüllend lauter Rockmusik. Gerade so, wie es ihrem Wärter in den Sinn kommt. Sie sitzen in einem Folterlager. Ohne Aussicht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren! Sie sind gewissermaßen aus der Welt und einer schier unglaublichen Willkür ausgesetzt. Sie haben nicht die Chance eines Urteils, das Sie vielleicht für 10 Jahre in den Knast bringt. Dann wüsste man aber wenigstens, wann man wieder in Freiheit kommt. Nein: Sie haben gar nichts. Und wissen nichts. Sie können vor sich hin vegetieren…
Ein Bericht aus Guantánamo von Murat Kurnaz
Wie das in etwa ist, können Sie immerhin ziemlich sicher in den eigenen mollig beheizten vier Wänden erfahren. Auch an Weihnachten. Viele dieser US-Gefangenen leiden nämlich ähnlich wie Christus einst gelitten haben musste. Womöglich sogar noch grausamer. Nur es interessiert kaum jemanden auf der Welt. Denn diese Gefangenen sind Muslime. Murat Kurnaz (ja, richtig: der angebliche “Bremer Taliban”) hat ein Buch darüber geschrieben. Der Bremer war mal eben so für fünf Jahre (!) nach Guantánamo verreist (worden).
Lassen Sie den Horrorfilm im Privat-Tittytainment-TV diesmal ruhig einmal sausen.
Lesen Sie Murat Kurnaz’ “Fünf Jahre meines Lebens: Ein Bericht aus Guantánamo”. Es muss ja nicht gleich das gesamte Buch auf einmal sein. Das geht sowieso nicht. Wenn Sie’s lesen, dann wissen Sie, warum. Bei Amazon bekommen Sie das packende, tief zu Herzen gehende Buch schon für 16 Euro und ein paar Zerquetschte…
Frohe Weihnachten, Frau Bundeskanzlerin!
Achso: Frau Merkel, was sagen Sie eigentlich dazu, dass Friedensnobelpreisträger Obama (sonst hacken ihm wohl die Falken daheim nicht nur ein Auge aus) betreffs Guantánamo höchstwahrscheinlich wortbrüchig werden wird? Man schweigt und genießt den Weihnachtsbraten. Frohe und gesegnete Weihnachten, Frau Bundeskanzlerin!
Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung meldete sich zu Wort
Immerhin hat sich der “Menschenrechtsbeauftragte” der deutschen Bundesregierung, der ehemalige Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR, Günter Nooke (CDU) zu Wort gemeldet. Zum Gerichtsprozess gegen den chinesischen Schriftsteller und Bürgerrechtler Liu Xiaobo.Â
Dem drohen 15 Jahre Haft wegen “Untergrabung der Staatsgewalt”.
Da sieht man doch wieder, wie ernst es die als Pfarrerstochter geborene Bundeskanzlerin Angela Merkel doch meint. Sie betont immer wieder und bleibt dabei: Die Menschenrechte sind unteilbar.
In Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 heißt es: “Alle Menschen sind frei und gleich in Würde und Rechten geboren.”
In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!
Photo/Quelle: Maren Beßler via Pixelio.de
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