Der Preis der Technisierung – Payback (eine Rezension):

Frank Schirrmacher gelingt es in seinem Werk “žPayback“œ auf beeindruckende Weise uns allen, die wir im Internet surfen, twittern, bloggen (so wie hier) oder sich sonst wie auf der Datenautobahn bewegen einen Spiegel vorzuhalten. Wer ist inzwischen nicht mehr oder weniger abhängig von der vielgelobten Technikwelt, prüft im Minutentakt Emails

Frank Schirrmacher gelingt es in seinem Werk “žPayback“œ auf beeindruckende Weise uns allen, die wir im Internet surfen, twittern, bloggen (so wie hier) oder sich sonst wie auf der Datenautobahn bewegen einen Spiegel vorzuhalten. Wer ist inzwischen nicht mehr oder weniger abhängig von der vielgelobten Technikwelt, prüft im Minutentakt Emails oder twittert durch die Welt. Dabei passt sich unser Gehirn immer mehr der Technik an und wir bedienen sie nur noch, ohne zu realisieren, warum wir Dinge überhaupt machen.

Schirrmacher beschreibt beeindruckend, wie wir verlernen, die Dinge
nach ihrer Wichtigkeit zu unterscheiden. Ihm gelang ein Buch, das kurzweilig die Probleme unserer Zeit darstellt und uns wachrütteln soll, die immer mehr ins Abseits geratende Fähigkeit aufmerksam zu sein bei uns und anderen zu reanimieren.

Wer liest heute noch Bücher?

Alle googeln sich durch die Welt, glauben nahezu blind an die Rankings der Suchergebnisse der Datenkrake Google. Auch Wikipedia Artikel werden nur von den wenigsten hinterfragt. Wer kennt schon den jeweiligen Autoren und dessen Fachkenntnis. Frank Schirrmacher versteht es vortrefflich aufzuzeigen wie uns die Datenbanken von Amazon und anderen schon heute unseren Einkauf von morgen aussuchen. Ein Buch, das sich zu lesen lohnt. Möglicherweise hilft es uns, die eigene Aufmerksamkeit mehr auf den Gesprächspartner bei der Verabredung in der Kneipe oder Restaurant zu legen.

Wer kennt das nicht?

Man verabredet sich auf ein Bier, der Gegenüber spielt den ganzen Abend mit seinem neuesten elektronischen Fetisch, geht für ein “žkurzes”œ Telefonat mal schnell für eine halbe Stunde vor die Tür (ich nehme mich da nicht aus). Die Folge ist eine gestörte Kommunikation, da man sich kaum noch auf das Gespräch mit dem Visavis konzentriert, sondern gedanklich schon die nächste unabdingbare Software auf das iPhone lädt. In einem Internetforum las ich vor einiger Zeit, dass jemand für Freunde Klavier spielte, während einer nicht dem Spiel lauschte, stattdessen SMS und Emails verschickte, sowie besagte Applikationen heruntergeladen hat. Ich vermute, es handelt sich nicht um einen Einzelfall.

Was bleibt also?

Schirrmachers Buch lesen, vielleicht überhaupt mal wieder ein Buch von Anfang bis Ende lesen und seinem Gegenüber mehr Aufmerksamkeit und Konzentration widmen. Es wird Zeit den Eintrag zu twittern.

Mehr zum Thema:

- Frank Schirrmacher ist überfordert
- Internet schlägt nicht nur dem FAZ-Herausgeber aufs Gehirn

Kommentare

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  1. noch besser: maresch lesen.

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31640/1.html

    aber keine frage: schirrmacher braucht einen medienberater. dringend.
    am besten entwickeln wir ihm einen digitalen vorselektor.
    algorithmen werden unterschätzt: sie sind die protostrukturen der gedanken.

    dass der mensch abgehängt wird, ist ein technisches problem: das hirn stößt allmählich an seine grenzen. hilfe gestattet nur: noch mehr technik, um der effekte der technik herr zu werden.
    klingt das paradox?

    ich sage nur noch eines: evolution ;)