Ausschreitungen im Iran – Retweets alle 50 Sekunden

Gruppe Bündnis 90/Die Grünen: Bereits seit dem 22. Juni dieses Jahres beschäftigen sich die StudiVZler innerhalb der Gruppe mit dem Thema Iran. Mehr als 120 Wortmeldungen hat der Thread bis dato auf sich gezogen. Auch in den vergangenen Tagen waren die Kommentatoren voll bei der Sache. “Irans Haupstadt wird von

Gruppe Bündnis 90/Die Grünen: Bereits seit dem 22. Juni dieses Jahres beschäftigen sich die StudiVZler innerhalb der Gruppe mit dem Thema Iran. Mehr als 120 Wortmeldungen hat der Thread bis dato auf sich gezogen. Auch in den vergangenen Tagen waren die Kommentatoren voll bei der Sache.

“Irans Haupstadt wird von heftigen Straßenkämpfen erschüttert”, melden die VZ-Nutzer am zweiten Weihnachtsfeiertag. “Bei Protesten gegen die Regierung in Teheran sind nach Angaben der Opposition mindestens drei Menschen getötet worden”, heißt es bereits einen Tag später. Kurz darauf folgte die Meldung: “Sicherheitskräfte erschießen Demonstranten”. Darauf hin meint ein Diskutant: “Laut Parlemannew sind Mussavis Schwester und Neffe tot. Vermutlich denkt das Regime er könne die Demonstranten zurückpfeifen. Gerüchteweise (Anrufer bei epersianradio) soll sich vor mehreren großen Städten das Militär sammeln. Mussavis Familie wird anscheinend systematisch abgeschlachtet.”

Skepsis gepaart mit Resignation bestimmen die Worte eines weiteren Kommentators. Er schreibt ins Forum: “Nachrichten aus dem Iran klingen bisweilen märchenhaft. Kann alles sein, kann auch alles ganz anders sein. Aber sei dem wie dem wolle, das Regime hat dieses Jahr schon ganz andere Stürme abgewettert, die Wahlfälschung zB. Es ist offensichtlich, wer da protestiert, die Studenten, die unzufriedenen Intelligenzler. Das einfache Volk zieht aber nicht genügend mit. Das alles hat wenig Chancen, solange das so bleibt. Und wenn die Demonstranten sich jetzt unter Pilger mischen, aus religiösen Aufzügen heraus politisch demonstrieren und so Unbeteiligte – vielleicht sogar bewußt, um durch weitere Opfer die einfachen Massen zu mobilisieren – mit hineinziehen, ist das freundlich ausgedrückt, auch nicht gerade human. Das Schlimme ist: Man weiß doch jetzt schon, wer am Ende gewinnt, nämlich die mit den Kalaschnikows, die genau wissen, dass sie im Fall der Niederlage selbst dran glauben müssen. Letztesmal gab es angeblich 72 Tote, wenn es diesesmal 140 sind bis wieder Ruhe ist, dass ist dem Regime doch egal.”

Unterdessen beobachtet ein Diskutant die Nachrichtenlage auf dem Microblogging-Dienst Twitter: Schon verrückt, entfährt es ihm in Anbetracht dessen. “60 Retweets alle zehn Sekunden”. Seine Einschätzung der Lage gibt folgender Nutzer ab. Er meint: “Die Opposition erreicht den point of no return oder wie soll man das sehen, dass nach den drakonischen Strafen und Todesurteilen nach der letzten Demo-Serie die Proteste jetzt aus dem Mut der Verzweiflung heraus noch weiter eskalieren? Und die jetzt verstorbenen prominenten Oppositionellen scheinen ja auch keines natürlichen Todes gestorben zu sein. Für den Westen wird sich bald die Frage stellen, ob man einem Massaker an der Minderheit zuschauen will und ob wegschauen überhaupt noch möglich ist.”

Am heutigen Dienstag schließlich bezieht sich ein Diskussionsteilnehmer auf einen Artikel der Zeit. Hierzu kommentiert er: “Die Zeit schreibt schon das Ende der islamischen Republik herbei. Zwar wünschenswert, aber wohl ist da eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Oder erleben wir hier die zweite französische Revolution mit? Wenn man sich mal die Landkarte vom Iran anschaut wird man sehen, dass der Großteil der Bevölkerung Perser sind. Diese wollen mit dem Islam nix zu tun haben. Zudem wenden immer mehr Geistige dem Regime den Rücken zu. 60% der Iraner sind unter 30 und wollen keine Islamische sondern eine Demokratische Republik Iran.”

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