In dunkles Weinrot gehüllt, auf der Nase eine seriös wirkende Brille, wandte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am ersten Januar 2009 an die Bürger der Republik. “Die Welt hat über ihre Verhältnisse gelebt”, konstatierte sie damals. Nicht locker lassen wollte sie vor zwölf Monaten und viele neue Investitionen auf den Weg bringen. “Politik für die nächste Generation”, eben, die keine alten Fehler wiederholt.
In diesem Jahr geht sie weit zurück in die Vergangenheit, der Mauerfall drängt sich erneut ins Blickfeld, um dann sogleich ziemlich pessimistisch fortzufahren: “Ich sage es sehr offen: Wir können nicht erwarten, dass der Wirtschaftseinbruch schnell wieder vorbei ist. Manches wird gerade im neuen Jahr erst noch schwieriger, bevor es wieder besser werden kann.” Auf ein Neues folgen “unverbindliche und allgemeine Versprechen”. Fünf Minuten Einstimmung – dann ist schon wieder alles vorbei. Der Aha-Effekt bleibt aus.
Die Süddeutsche sorgt heute selbst für einen solchen und hat kurzerhand ihre “wahre Rede” ausgegraben. Ein “Dokument schonungsloser Offenheit”, wie Autor Thorsten Denkler zusammenfasst. “Ich sage ihnen ganz ehrlich: Das war nicht das Allerbeste, was wir bisher als schwarz-gelbe Koalition abgeliefert haben. Das zeigte eben nicht jene Exzellenz, die wir beispielsweise von unseren Hochschulen oder unseren Bankern und Managern erwarten”, lässt er die Kanzlerin kleinlaut werden. Sie hätten sich von der FDP über den Tisch ziehen lassen. Dieser ökonomische Widersinn mit Steuersenkungen auf Pump und dieses Geschenk der reduzierten Mehrwertsteuer für Hoteliers habe zu Recht die Experten wütend gemacht. “Ich sage Ihnen, ich wollte das alles nicht. Es muss Schluss sein mit der vereinigten Lobby-Politik in diesem Land. Ich bin bereit für den Kampf und will nicht immer nur den kleinsten Nenner suchen, den andere dann als Erfolg verkünden.”
Solche Worte hätten wir uns sicherlich alle gewünscht. Bis es eines Tages soweit ist, bleibt nur der Humor – und der schlägt nicht erst seit 2009 reichlich zu:
Super!