Man kann fragen wen man will: zum Neuen Jahr ““ und nicht nur dafür ““ wünschen wir uns Gesundheit und Wohlbefinden. Auf lange Sicht ist unser größter Wunsch, viele Jahre so verbringen zu können. Diesem Interesse tragen die Statistiker Rechnung, wenn sie jedes Jahr berichten, welche Ausgaben für die Gesundheit aufgebracht wurden und wie lange wir unter den gegebenen Umständen voraussichtlich leben können. Was sie Zahlen leider nicht sagen ist, ob wir über die Lebenspanne hinweg gesund sein werden oder die Zeit über unter Krankheiten leiden müssen. Das ist ein anderes Thema. Hier geht es mir nur um das Leben als solches.
Den Angaben über die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben in den OECD-Ländern aus 2007 habe ich einmal die akuellen Zahlen der OECD über die durchschnitlliche Lebenserwartung bei der Geburt in diesen Ländern gegenübergestellt und aus den Kosten und der Zahl der Jahre einen Quotienten gebildet.
Bei der Vielschichtigkeit der Ursachen für die Höhe der öffentlichen und privaten Gesundheitskosten und gleichfalls der vielen Einflüsse auf die Lebensdauer der Menschen kann der Quotient nur einer von vielen Markern sein für die Funktion der Gesellschaften und ihres Gesundheitssystems für die Dauer des Lebens der Menschen, allerdings einer mit beträchtlicher Aussagekraft.
Die im Guten wie im Schlechen besonders herausragenden Ergebnisse habe ich in der nachfolgenden Tabelle mit Fettdruck hervorgehoben.
Â
Lebenserwartung    Jahre           Kosten ($)     Quotient
80 Â + Jahre:
Japan                     82,12             2581             31,4
Australien                81,63             3137             38,4
Kanada                    81,23             3895             47,0
Frankreich               80,89             3801             46,9
Schweiz                    80,85             4417             54,6
Schweden                80,86             3323              40,5
Island                      80,67             3424             43,7
Neuseeland                80,36             2510             31,1
Italien                      80,20             2686              33,4
Spanien                   80,05             2617             33,3
Â
79 Â Jahre:
Griechenland           79,66             2727             34,2
Österreich                79,50             3763             47,3
Niederlande              79,40             3527             44,4
Luxemburg               79,33             4162             52,4
Deutschland           79,26             3588             45,2
Belgien                     79,22             3462             43,7
OECD-Schnitt         79,20             2986              37,7
Großbritannien          70,01             2992             37,8
Â
78 Jahre:
Finnland                    78,79             2840              36,0
Südkorea                 78,72             1688              21,4
Irland                        78,24             3424             43,7
Portugal                     78,21             2150              27,4
U.S.A.                       78,11             7290              93,3
Unter 78 Jahre:
Tschechien               76,81             1626              21,1
Mexico                    76,06              823              10,8
Slowakei                   75,40             1555             20,6
Polen                      75,63             1035              13,6
Türkei                    71,96             615                8,5
Käme es allein auf die Kosten-Nutzen-Relation an, für die der Quotient aus Kosten und Lebenserwartung einen Anhalt gibt, wäre unter den OECD-Ländern die Türkei mit nur 615 $ pro-Kopf-Ausgaben im Jahr mit vorn, weil sie den günstigsten Quotienen hat. Sie hat aber auch mit nur 71,96 Jahren Lebenserwartung auch das schlechteste Ergebnis von allen. Fragt sich, welchen Aufwand ist ein Jahr mehr an Lebenserwartung wert oder gar zehn Jahre. Letzteres entsprich grob dem Unterschied in der Lebenerwartung zwischen Japanern und Türken.
Unter diesem Aspekt ist das mexikanische Ergebnis von mit der Türkei vergleichbar geringen Gesundheitskosten, aber einer Lebenserwartung von immerhin 76,06 Jahren schon viel besser, ebenfalls die Ergebnisse für Tschechien, Slowakei und Polen.
Die USA stellen das Extrem auf der anderen Seite dar. Mit den mehr als zur Hälfte auf private Ausgaben zurückzuführenden Gesundheitsausgaben von 7.290 $ pro Kopf wird dort für jeden Einzelnen mehr als das Doppelte fast aller hoch entwickelten Länder ausgegeben. Mit der Lebenserwartung von nur 78,11 Jahren und dem unglaublich hohen Quotienten von 93,3 stehen sie aber an letzter Stelle unter diesen Ländern. Da kann es nicht verwundern, dass Obama für eine Reform des Gesundheitswesens kämpft.
Wirklich hervorragende Quotienten in Verbindung mit blendener oder mindestens diskutabel hoher Lebenserwartung haben nur die asiatischen Länder Südkorea (21,4/78,72) und Japan (31,4/82,12). Relativ gute Werte finden sich bei den Mittelmeerländern Italien, Spanien und Griechenland. Ein positiver Ausreißer zum Besseren ist das naturnahe ruhige Neuseeland. Auffallend ist auch der Unterschied zwischen dem desaströsen Ergebnis für die USA und Kanada, wenn auch Kanada wie alle anderen hoch entwickelten Länder einschließlich der Bundesrepublik nicht wirklich gut aussieht.
Offensichtlich hat die Höhe der Gesundheitskosten wirklich einen Einfluss auf die Höhe der Lebenserwartung.
Länder mit dem günstigsten Quotienten aus Kosten und Lebensdauer wie Japan und Südkorea (mehr als 12) und in etwas geringem Umfang Tschechien, die Slowakei und Ungarn (mehr als
haben auch überdurchscnittlich viele Besuche der Bürger beim Arzt.
Im Detail zeigt sich aber aus der Übersicht, dass andere Faktoren als die Gesundheitskosten oder der Gang zum Arzt eine größere Bedeutung haben. Traditionell bessere Ernährung und Lebensführung wie in Asien und im Mittelmeerraum wirken sich noch stärker aus auf die Länge des Lebens aus. Das sollte uns Deutschen, die im unteren Mittelfeld gelandet sind, zu denken geben und Anlass sein, unsere oft zu armselige Küche vielfältiger zu gestalten.
Wenn wir weiter jeden Tag zum Hauptgericht ein Stück Fleisch (selten Fisch) essen, dazu eine gute Portion Kartolffeln, Nudeln oder Reis und allenfalls eine Sorte Gemüse als Beilage (im Osten gar die gewohnte kleine “žGarnitur”œ) und vorweg oder dabei vielleicht noch einen Salat, den wir mehr schlingen als mit den Zähnen so fein vermahlen, dass wir überhaupt einen Vorteil davon haben, wird der allgemeine Gesundheitsstatus in unserem Land nicht besser werden.
Jeder von uns hat es in der Hand, da seine eigenen Chancen auf ein langes Leben in voller Gesundheit zu verbessern.
Leider taucht Spanien in dieser Liste nicht auf.
Da ich gerade hier bin, werde ich mich jetzt durch Tonnen von Meeresfruechten fressen. Langsam geht das nicht, da ich sonst bis 12 nicht fertig werde. Aber sei es drum: ICH LIEBE ESSEN!!!