Die Staatsanwaltschaft hat sich in der Zwischenzeit der Sache angenommen und untersucht seither mehr als 60 Spiele von der 2. Liga abwärts. Innerhalb Europas sollen sogar über 200 Spiele unter Manipulationsverdacht stehen. Kleines Trostpflaster: die 1. Bundesliga soll von der Wettmafia verschont geblieben sein. Marcel Schuon, bis vor kurzen beim Drittligisten SV Sandhausen unter Vertrag, gibt als erster Spieler die Verstrickungen und Absprachen zu, bestreitet aber, diese aktiv umgesetzt und entscheidend Einfluss auf Spielausgänge genommen zu haben. Sein Ex-Klub, der VfL Osnabrück jedoch stieg in der letzten Spielzeit aus der 2. Liga ab, Schuon spielte damals mit weiteren Verdächtigen bei dem norddeutschen Traditionsklub.
Schiedsrichterbestechung im Handball?
Rekordmeister THW Kiel soll beim Gewinn der Champions League die Schiedsrichter bestochen haben. Auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts gegen Manager Uwe Schwenker und Ex-Trainer Noka Serdarusic. 152.000 Euro sind auf mysteriöse Weise aus der Klubkasse verschwunden, deren Abbleiben Schwenker nicht erklären kann. Des Weiteren sollen 2006 Zollbeamte 50.000 Dollar im Gepäck des deutschen Schiedsrichtergespanns Frank Lemme und Bern Ullrich gefunden haben. Beide weisen Bestechungsvorwürfe von sich, bleiben aber bis zu deren Klärung vom Spielbetrieb suspendiert.
Formel 1 erneut im Fokus
Beim GP von Australien wird Toyota-Pilot Jarno Trulli bestraft, weil er unerlaubterweise überholt hat, wodurch Lewis Hamilton vorrückt. Hamilton und McLaren-Sportdirektor Dave Ryan behaupten: es gab keine Anweisung, Trulli überholen zu lassen. Die Funksprüche allerdings belegen, dass beide lügen: Hamilton entschuldigt sich, Ryan wird suspendiert, Chef Ron Dennis tritt zurück. Getoppt wird diese Geschichte durch den Unfall-Skandal: Der Crash von Nelson Piquet Jr. in Singapur 2008 war volle Absicht, um Teamkollege Fernando Alonso zum Sieg zu verhelfen. Teamchef und Zampano Flavio Briatore wird als Drahtzieher lebenslang aus allen FIA-Rennserien ausgeschlossen.
Spiegelbild der Gesellschaft
Das Jahr 2009 beweist: Die Sportwelt leidet unter den alltäglichen Problemen und Symptomen der Gesellschaft. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes dazu lapidar: “Auch bei uns gibt es nicht nur Engel. Der Sport ist keine Insel der Seligen.”
Marc Strasser arbeitet in einer Sportredaktion und bloggt für betfair.
ist es nicht eher umgekehrt?
der gesellschaft wird vorgelebt, daß man nur mit lug und betrug (und das nicht nur im profisport) vorankommen und ein “leistungsträger” werden kann.
die zunehmende ellebogenisierung der gesellschaft schreitet erfolgreich weiter voran und gerade lustvoll wird jeder und jedes, das kein “leistungsträger” ist, dem öffentlichen hohn und spott preisgegeben.
wenn man all den unrat, den man über arbeitslose, dicke, raucher und andere “minderperformer” hemmungslos ergießen kann, auch nur einmal und dauch nur ansatzweise über einen afro-amerikaner oder menschen jüdischen glaubens ergießen würde, wäre der staatsanwalt aber ganz schnell zur stelle.
trotzdem, allen eun schönes neues jahrzehnt und gute besserung!