Ein armer Mann, dieser Wolf Schneider. Ehedem der Großmeister des guten Deutsch, muss sich der Sprachbewahrer auf seine alten Tage auf der Onlineplattform einer Qualitätszeitung als Darsteller in einer Gelegenheitssoap mit dem denglischen Namen “Speak Schneider” verdingen. Dort hält der “Sprachpapst” (SZ) unbeholfene Reden an das nicht vorhandene Volk: Auf Youtube haben Kopien der Ansprachen des Sprachmächtigen durchschnittlich 500 Aufrufe – in sechs Monaten.
Was da hilft, ist denunzieren.
“Erst denken, dann bloggen” empfiehlt der Emeritus Vocabularis in der jüngsten Folge seiner Erfolgsserie. Angeblich geht es dann in 2.40 Minuten um die dringende Unterscheidung “zwischen nützlichen, abscheulichen oder einfach nur traurigen Blogs, die kein Mensch jemals lesen möchte”, auf das Thema aber kommt Schneider gar nicht so richtig zu sprechen, weil er dauernd geschnitten werden oder auf malerisch das vor ihm platzierte Laptop schauen muss. Wer glaubhaft schimpfen will, muss allerdings erstmal loben, deshalb geht es zum Auftakt nach China, das ist weit weg und daher immer gut.
“Zehntausende freiheitsliebende Blogger”, so hat Schneider wohl eigenhändig im Netz gezählt, würden dort “im Kampf mit der staatlichen überwachungsmaschinerie freie Botschaften in die Welt hinaussenden”.
Das ist dann natürlich wichtig und richtig und deshalb auch nützlich, wie auch die amerikanische Bloggerin Soundso, die sich einen Namen gemacht habe mit ihrem Blog Soundso. Sagt Schneider. Zeit für Begründungen ist nun nicht mehr, man muss das als gegeben hinnehmen, wenn er das so sagt, er wird seine Gründe haben und als Sprachpapst weiß er sicher, dass Behauptungen ohne Belege etwa so wertvoll sind wie eine Währung ohne Wertunterlegung. Aber was heißt ohne Belege! Hier kommen sie ja, sagt Schneider, der weiß, dass “der neue Chefredakteur” der Nachrichtenwaschmaschine dpa seinen Mitarbeitern das Lesen von Blogs verordnet habe: “Wir müssen das sichten, da haben wir einen ungeheuren Vorrat an Material”.
Den hat Wolf Schneider nun mal gar nicht, wie es aussieht. Vielleicht war keine Zeit zum Sichten oder die Sprache musste verstärkt gepflegt werden. Jedenfalls ist der “ungeheure Vorrat an Material” ein eher winziges Häufchen. Nach 1.15 Minuten überrascht der Großanalytiker der Blogsprache schon mit der ungeheuerlich neuen Mitteilung:
“Abscheuliche Blogs gibt es natürlich auch.”
Und wie abscheulich. Da werde “gelogen und verleumdet, das bestreitet ja keiner”. Kaum ist es ausgesprochen, schon hat der Sprachpapst den Gedanken wieder fahren lassen. Ohne Belege ging es los, ohne Belege reitet er er durch bis zum Schluss. Muss eine Art Stilmittel sein, aber das weiß Wolf Schneider sicher besser. Nicht abschreckende Beispiele und akute Fälle von Abscheulichkeit folgen nun, sondern eine Erörterung der mutmaßlichen Einsamkeit des Bloggers, die der Videoblogger Schneider achsogut kennt. Diese Trauer in den Augen, weil niemand zuschaut. Diese unausgesprochene Bitte, doch dranzubleiben, obwohl das alles unausgegorener Quatsch ist, was der Großmeister hier unredigiert in seinen nicht vorhandenen Bart brabbelt.
“Die Einsamkeit, manchmal kann man sie förmlich riechen”, ist er für einen Moment ganz bei sich selbst. Die Rede ist dann von einer Kaffeetasse, die auf einem Bloggertisch steht wie bei Wolf Schneider gerade die hübsche Tischlampe. Schneider liest nun vor, was jemand anderes an Belanglosem aufgeschrieben hat und es schließt sich ein großer Kreis der Kleinlichkeit: “Meine Meinung dazu ist ganz einfach”, habe der abscheuliche Blogger geschrieben, “es ist alles ganz furchtbar kompliziert”. Das hält Schneider nicht für eine dringliche Grunderkenntnis, die es Menschen leichter machen kann, mit der Welt im reinen zu bleiben. Nein, das sei jetzt vielmehr sehr traurig, urteilt der Sprachpapst leicht haspelnd. “Offenbar hat doch der Schreiber nicht eine Sekunde daran gedacht, ob das irgendwer lesen möchte.”
Würde Wolf Schneider nie passieren. Hier ist jedes Wort abgewogen und keines wurde für zu leicht befunden. Der Altmeister würde “einem solchen Mitmenschen” zum Abschluss gern noch einen Rat geben, aber auch da fällt ihm im Grunde genommen nichts ein. Also einfach eine “schlichte Weisheit” erfinden, die es so vorher noch nie gab: “Ein bisschen denken vor dem Bloggen hat noch niemandem geschadet”.
Quelle: politplatschquatsch.com
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Ich kann meogrn ja mal ein paar Fotos von den Taschen machen, die ich momentan bevorzugt nutze, und sie bei Twitpic einstellen.