Gruppe Bündnis 90/Die Grünen: Während sich anlässlich des 30. Geburtstages der Partei Bündnis 90/Die Grünen die Glückwünsche auf dem Edelprofil mehren, macht sich ein VZ-Nutzer auf in die Vergangenheit. In zahlreichen Einträgen beleuchtet er mit Hilfe einer Reihe der Frankfurter Rundschau prominente Aussteiger und deren Beweggründe.
Sein erster Blick fällt dabei auf Otto Schily. Dieser erzählt: “Die Gründungszeit der Grünen war aufregend, interessant, teils auch etwas deprimierend. Ich habe mich aus der alternativen Bewegung zum ersten Mal in einen Parteienzusammenhang gewagt. Das hat mich für die politische Praxis nachhaltig geprägt: mein erster Wahlkampf, Flugblätter verteilen auf den Straßen Düsseldorfs; die interessante, aber spannungsreiche Zusammenarbeit mit Joseph Beuys; dazu eine Partei, die sich selbst noch finden musste.” Viele positive Erinnerungen verbindet er in der Folge mit den Jahren im Bundestag und folgert: “Sicher sind nicht alle Ziele, die wir uns damals erträumten, heute erreicht. Aber die Grünen haben in den 30 Jahren eine erstaunliche positive Entwicklung genommen.” Dennoch, 1989 war er der parteiinternen Streitigkeiten müde geworden. In der SPD fühlte er sich von nun an besser aufgehoben.
Die Reihe geht weiter. Das Augenmerk fällt nun auf Oswald Metzger. Seine Beweggründe einst einzutreten beschreibt er wie folgt: “Seit Anfang der 80er symphatisierte ich wie viele aus dem alternativen Spektrum mit den Grünen. Aktiv wurde ich für die Partei erst 1986 – als eintraf, wovor sie gewarnt hatte: die Atomkatastrophe in Tschernobyl. Meine Heimat in Süddeutschland war direkt betroffen, weil sich die verstrahlte Wolke hier abregnete. Das hat viele in der Region grün politisiert.” Von Beginn an war er der Ansicht: eine “Ein-Thema-Partei” dürfte die Grünen nicht bleiben. Das gelang, doch die Richtung der Partei hatte sich gedreht. Er schreibt: “(…) die Grünen (begannen), nach links zu schielen und die Agenda-2010 von links anzugreifen.” Dauerhaft dürften sie sich jedoch seiner Meinung nach nicht zu sehr nach Links orientieren. “Schon vor 20 Jahren gab es die besten grünen Wahlergebnisse in den gutsituierten Vierteln. Viele bürgerliche Eltern betrachten sie als verlorene Söhne und Töchter, die trotz eigener Lebenshaltung, Einkommensmilieus und Wertvorstellungen immer im Schoß der bürgerlichen Familie geblieben sind. Und auch auf diese bürgerlichen Wähler, die die Grünen als erfrischendes Korrektiv begreifen, kann die Partei nicht verzichten.”
Nun ist Gunda Röstel an der Reihe. Die Pädagogin aus Sachsen war bis ins Jahr 2000 Sprecherin des grünen Bundesvorstandes. Im selben Jahr noch verließ sie die Politik nach großen Wahlniederlagen im Osten. Sie schreibt: “Heute bin ich parteipolitisch zwar nur noch passives Mitglied, dafür aber erfolgreiche Unternehmenspraktikerin. Wenn die Grünen wüssten, welches Engagement, welche Ideen in Unternehmen wie unserem zum Thema Umwelt- und Ressourcenschutz stecken, würden sie den Brückenschlag zur Wirtschaft wieder stärken. Ökologie und Ökonomie sind nicht per se Antipoden, sondern klug verknüpft zwei zentrale Säulen einer erfolgversprechenden nachhaltigen Entwicklung.”
Noch einige weitere kommen zum Zug: Der einstige Mit-Gründer der Grünen, Thomas Ebermann ist ebenso mit dabei wie Jutta Dittfurth, Ludger Volmer oder Herbert Rusche.
Ein Mit-Diskutant versucht schließlich mit Hilfe eines Beitrags auf bleib-passiv.de den Bogen zur Gegenwart zu schlagen. Der Status quo der Partei wird hier wie folgt beschrieben: “Die Grünen unterscheiden sich heute kaum mehr von den anderen etablierten Parteien, manch böse Zunge behauptet gar, dass sie sich insbesondere nicht mehr von der FDP unterscheiden.” Schon Joschka Fischer habe auf dem grünen ‘Perspektivenkongress’ im Juni 1988 für eine neue ‘grüne FDP’ plädiert. Nun, wo diese Forderung nahezu umgesetzt sei, mehrten sich die Stimmen für eine Vereinigung der beiden Parteien: Bereits im Jahr 2007 habe Jorgo Chatzimarkakis, zu jenem Zeitpunkt Mitglied des FDP-Parteivorstands, die ‘Wiedervereinigung des deutschen Bürgertums’ gefordert. Und auch die Macher des Freitag würden eine Fusion als probates Mittel sehen…
“manch böse Zunge behauptet gar, dass sie sich insbesondere nicht mehr von der FDP unterscheiden” – wieso böse? Der Unterschied ist doch wirklich nur noch marginal.
Auch dei Grünen sind eine Klientelpartei geworden und spucken auf das einfache Volk.