Erinnern Sie sich noch? Mit schwitzenden Händen sitzen sie einer ganzen Führungsriege gegenüber. Sie werden durch die Mangel genommen, auf jedes noch so kleine Detail verbaler und non-verbaler Kommunikation geachtet. Vorstellungsgespräche sind, obschon in der Regel sehr gut vorbereitet, immer noch ein Graus für jeden Kandidaten. Etwas entspannter läuft das derzeit schon bei einigen Unternehmen in den USA ab. Aus Kostengründen verlegen sie das Treffen kurzerhand ins Internet. Via Webcam wird der potentielle neue Mitarbeiter auf Herz und Nieren geprüft. Dass es jedoch auch hier einiges zu beachten gibt, weiß Patrick J. Kiger, Autor bei fastcompany.com. Unter “How to Survive and Thrive” gibt er Tipps, wie der “Spießrutenlauf” auch vom heimischen Wohnzimmer aus zum Erfolg werden kann.
Doch wie geht das genau vonstatten? Welche Technik ist nötig? Da gäbe es zunächst erst einmal verschiedene Tools, die hierführ genutzt werden könnten, erklärt Kiger eingangs. Der Online-Schuh-Vertrieb Zappos.com etwa würde zu diesem Zweck auf den kostenlosen Dienst Skype zurückgreifen. Andere nutzten Anbieter wie zum Beispiel HireVue. Die Gesprächsqualität, so meint auch Collen Aylward, CEO bei InterviewStudio, würde bei richtiger Anwendung, hierdurch jedenfalls nicht leiden. Zwei verschiedene Möglichkeiten des Online-Bewerbungsgespräches seien derzeit zu finden. Zum einen das “live two-way”-Gespräch, das ähnlich eines Termins von Angesicht zu Angesicht oder am Telefon abläuft und freie Antworten erlaubt. Zunehmend würde allerdings das Format “video-on-demand” genutzt. Hierzu logt sich der Kandidat auf einer Internetseite ein und bekommt dort eine Reihe von Fragen gestellt, die er in einer vorgegebenen Zeit beantworten muss. Den Vorteil dabei erklärt Mark Newman, CEO bei HireVue. “Auf diese Weise kann man sich sechs Kandidaten gleichzeitig auf dem Bildschirm anzeigen lassen und ihre Antworten direkt vergleichen.” Unschönes Kramen in Notizen oder gar das Vergessen von Aussagen werde so vermieden, die Auswahl sogar fairer.
Klingt bedrohlich? Muss es gar nicht sein, wie Kiger meint. Denn Newman und Ayland raten:
- Investiere in eine qualitativ hochwertige technische Ausrüstung
- Sorge für eine gute Beleuchtung und angenehme Umgebung
- übe!
- Gebe maximale Information und schwafle nicht herum
- Bleibe mit Deinen Antworten im Zwei-Minuten-Rahmen. Das Wichtigste sollte in den ersten 15 Sekunden gesagt sein
- Sei leidenschaftlich, aber übertreibe nicht, um am Ende nicht wie diese Dame zu wirken
Nun, ganz so frisch, wie zunächst vermutet, fallen die Ratschläge der beiden nicht aus. Gleichen sich doch sehr denjenigen, die wir schon während der “offline-Phase” nutzten, um einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen. Aber dennoch: Der US-Trend auf diese Weise Kosten und Ressourcen zu schonen, klingt gar nicht so abwegig. Denn erste Schritte in diese Richtung scheint es auch in Deutschland zu geben. Schon im September 2008 berichtete Christian Korff, Mitglied der Geschäftsführung von CISCO Deutschland, in einem Live-Chat auf dnadigital.de wie die Unternehmenskommunikation in seinem Hause aussieht. Neben einem hausinternen “Youtube”-Kanal sei es nämlich durchaus üblich Instant Messaging sowie Telefon- und Webkonferenzen im Arbeitsalltag zu nutzen, um diesen angenehmer und effektiver zu gestalten. “Web 2.0 ist eine Chance, Menschen und Systeme produktiver zu machen”, fasste er damals zusammen und träumte schon zu diesem Zeitpunkt von einer “Kommunikation mit der ganzen Welt als wäre sie bei mir im Wohnzimmer”. Und eines ist dabei gewiss: Die schwitzenden Hände bleiben so auf jeden Fall versteckt…
Das klingt wirklich gar nicht so abwegig! Interessanter Beitrag!