“Tu nichts böses” (do no evil), sagt Google. Die Ironie ist jedoch, dass Google der chinesischen Regierung geholfen hat, sensible Informationen von chinesischen Internet-Nutzern fernzuhalten, was notwendig ist, wenn man in China operieren möchte. Doch diesmal scheint es wirklich provoziert worden zu sein und hat deshalb seine schwelende Fehde mit den Behörden veröffentlicht. Google wird China wahrscheinlich verlassen.
Der Beitrag im Google-Blog erklärt, dass Google-China seit Langem unter Cyber-Angriffen leidet und dass Informationen seiner Kunden, von den viele Menschenrechtler sind, von Dritten eingesehen wurden.
Bekannter ist jedoch seine Selbstzensur. Wenn man bei Google.cn zum Beispiel Wörter wie ‘Tienanmen’ eingibt, erhält man keine Bilder oder Texte über den Vorfall von 1989.
Als Google also vergangene Nacht ankündigte, dass die Zensur aufgehoben wird, überfluteten die chinesischen Internet-Nutzer die Webseite, um nach all den sensiblen Begriffen zu suchen, zu denen ihnen in der Vergangenheit kein Zugang gewährt worden war. Bei Twitter, in Foren und Diskussionsbeiträgen erleben wir eine Explosion von Unterhaltungen über Google und seinen möglichen Abgang oder Exil, aus China.
Bei Twitter sagt pzhtx:
“In der Liste der Pop-Tags steigt ‘Tienanmen’ auf den ersten Platz. Auf diese Weise verabschieden sich die chinesischen Netizen von Google.”
Die Leute trauern darüber, dass sie nun auf das größte LAN-Netzwerk der Welt beschränkt sind, das von der strengen Zensur der Großen Feuermauer umgeben ist:
“Facebooks Sünde ist, dass es den Leuten dabei hilft, etwas kennenzulernen, was sie wissen möchten. Twitters Sünde ist es, dass es den Menschen zu sagen erlaubt, was sie sagen wollen. Googles Sünde ist es, das es den Leuten erlaubt zu finden, was sie finden wollen und Youtube lässt uns sehen, was wir sehen wollen. Deshalb werden sie alle ausgestoßen.”
Es wird sich auf Millionen von Netizens auswirken, denn seit Googles Erscheinen in China wurde seine Suchmaschine, Gmail und Google Doc von vielen benutzt. Ein Netizen bei Xiaonei, die Webseite eines sozialen Netzwerkes welche bei jungen Leuten sehr beliebt ist, war in Panik:
“Ich habe gesehen, dass “Google plant, den chinesischen Markt zu verlassen.” Ich wurde schrecklich munter Meine Gmail, meine Google Docs, meine Google-Suche und mein Internet.”
Solche Tage sind für das chinesische Cyberspace ungewöhnlich. Baidu wurde gerade von selbst-ernannten iranischen Hackern angegriffen, was einen Cyber-Krieg hervorrief. Baidu, eine lokale chinesische Suchmaschine mit dem größten Marktanteil, wird oft mit Google verglichen. Ihr Ruf ist jedoch angeschwärzt wegen seiner strengeren Zensur und der Tatsache, dass Suchergebnisse über vergiftete Milch entfernt wurden, nachdem man von den Herstellern Geld angenommen hatte.
“Baidu zeigt dir nichts, was du nicht wissen sollst, aber Google ist das Gegenteil. Es zeigt zu viel.”
Google wird von den Internet-Nutzern sehr gelobt:
“Google verlässt den chinesischen Markt? Ein Unternehmen mit Rückgrat! In einem Land ohne Demokratie zieht Google es vor, sich zurückzuziehen. Was ist wichtiger, Geld oder Moral? Ich will nicht sagen, dass Ausländer unhöflich sind, denn sie haben uns allen gezeigt, was es bedeutet, “sich für die Gerechtigkeit zu opfern”. Sehen Sie sich die Chinesen von heute an, die Verdienste der Vorfahren sind vergessen. Ich bin beschämt, mich als ein Nachkomme der Huaxia Groß-China zu bezeichnen.”
Einige sarkastische Wörter sind in Cyberspace recht beliebt geworden.
“Leute, die in den 90er Jahren geboren wurden: Heute habe ich die’ Große Feuermauer’ überklettert und eine ausländische Webseite namens Google gesehen. Sch es ist ja nur eine Kopie von Baidu.
In den 00er Jahren geboren: Was ist gemeint mit ‘eine Große Feuermauer’ zu überklettern?
In den 10er Jahren geboren: Was ist mit einer ‘Webseite’ gemeint?
In den 20er Jahren geboren: Was bedeutet ‘ausländisch’?
Tang Peng rief: Große Partei, lang lebe die CCP-Dynastie! Endlich will Google den chinesischen Markt ‘freiwillig’ verlassen?”
Die Leute haben sehr schnell herausgefunden, wie das staatliche CCTV den Vorfall kommentieren könnte:
“Weil man kürzlich bei Google auf Probleme wie obszöne Suchergebnisse und Verstöße gegen Urheberrechte traf, wurde sie von den chinesischen Netizen boykottiert. Auch aufgrund der rückläufigen Einnahmen erwägt Google, den Markt zu verlassen. Hier haben wir einen weiteren Fall, wo eine pervertierte ausländische Webseite von dem chinesischen Volk boykottiert wird.”
Eine Kampagne Blumen vor die Google-Büros in China zu legen hat gerade im Internet begonnen. Es wird angenommen, dass dies eine Möglichkeit sein soll, Google in Erinnerung zu behalten und die Trauer und den Zorn über die Zensur auszudrücken. Es wurde bereits mit Maßnahmen begonnen, vor dem Google-Büro in Peking eine Blumen-Gedenkstätte zu errichten.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die übersetzung erfolgte durch Hans H. Knauf, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.
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