Der erste Newcomerwettbewerb “stage defloration day” des Vereins zur Förderung von Jugendveranstaltungen e.V. war ein riesiger Erfolg
Als nicht weniger als einen furiosen Start in das “Umsonst& Draußen Jahr 2010″ kann das bezeichnet werden, was da am vergangenen Samstag aufs Parkett gelegt wurde. Der voll gepackte Veranstaltungskalender begann für die vielen ehrenamtlichen Helfer diesmal mit einem Newcomerwettbewerb. Eine Idee, die bereits im letzten Sommer geboren wurde, da das Team dem Ansturm an Bewerbungen für das Festival nahezu nicht mehr nachkommen konnte, aber dennoch auch unbekannten, begabten Nachwuchsmusikern eine Chance geben wollte. So entstand also der “stage defloration day”, was übersetzt wohl so viel heißt wie “Bühnenentjungferungstag”. Dabei versammelten sich die sieben besten Bands der Region Main-Rhön, die zuvor einem Auswahlverfahren unterzogen wurden, im Jugendzentrum zu Bad Kissingen und heizten dem Publikum trotz eisiger Außentemperaturen so richtig ein. Von Jahrhunderttief “Daisy” hatte sich an diesem Abend niemand abschrecken lassen, den Weg ins JuKuZ zu finden, das war sicher.
“Wir würden uns wirklich riesig freuen dabei sein zu dürfen”, hatten “Dumb” vor einigen Monaten an das Organisationsteam des Newcomerwettbewerbs geschrieben. Drei Demostücke waren angehängt und von ersten Live-Erfahrungen in diversen Jugendräumen und Veranstaltungen berichtet. Seit Februar 2009 seien sie zusammen unterwegs: Musikjunkies, die sich dem Post-Grunge verschrieben haben, eben. Damals ahnten sie noch nicht, was da Anfang Januar auf sie zukommen sollte. Und auch zu Beginn der Veranstaltung lag noch völlig im Dunkeln, dass es am Ende genau dieses Duo sein sollte, das als beste Band des Abends gekürt würde. Dabei waren sie es, die die eigentlich undankbare erste Position im kleinen Reigen einnehmen mussten. Doch “Dumb”, bestehend aus Stephan Heil und Lukas Kleinhenz, die extra aus Oberbach und Oberleichtersbach anreisten, meisterten diesen “Job” mit Bravour”. Mit einem ganzen Fanbus waren sie in der Kurstadt “eingefallen”, so dass sich bereits zu Beginn der Konzerte eine 50 Meter lange Schlange auf dem angrenzenden Parkplatz bildete. Als Liebhaber “wahrer Musik” präsentierten sie dem Bad Kissinger Publikum sodann eine eingängige Mischung aus “acoustic songwriting” und “classic rock” – mit viel “spirit” und “soul”. Ein Konzept, das von der ersten Minute an aufging. Unter wahren Jubelstürmen und rhythmischem Mitklatschen der Zuschauer spielten sich in die Herzen aller Zuhörer.
Doch noch lag fast der gesamte Abend vor den Musikern und den anwesenden Gästen. Ordentlich eingestimmt betrat nun die Hammelburger Formation “Inwastement” die Bühne, um ein komplettes Kontrastprogramm zu liefern. Die fünf Jungs, die laut Anmoderation “frisch aus dem Keller des Hammelburger Wasserhauses ausgebrochen waren”, überzeugten durch ein recht buntes Programm, geprägt von Metal- und Hardcore-Elementen, harten Gitarrenriffs und jeder Menge Geschrei. Ihnen folgten keine “unbeschriebenen Blätter” in Sachen Contest. Die dritte Band an diesem Abend hatte bereits beim letztjährigen Local Vision Wettbewerb im Schweinfurter Stattbahnhof mit einem hervorragenden ersten Platz auf sich aufmerksam gemacht. “Retalin”, die zwei Damen und drei Herren im Alter von gut 16 Jahren waren, zusammen mit ihren Eltern, aus Untereuerheim in der Nähe von Schonungen ins JuKuZ gekommen. Lorin, Christina, Jana, Christoph und Konstantin, die allesamt in Schwarz-Weiß gehalten, die Bühne betraten. sind bereits seit zwei Jahren “im Geschäft”. Seitdem stehen für sie “Deutsche Texte mit Sinn” im Vordergrund, getragen von einer Musik, die sich irgendwo zwischen Alternative, Indie, Nintendo- oder Postcore ansiedelt.
Richtige Ohrwürmer und Bands, die alles andere als leise sind
Das dezente Farbspiel wurde jedoch bereits kurze Zeit später von äußerst selbstbewussten Ausrufen abgelöst. “Wir sind die beste Band der Welt, neben den Ärzten”, tönte es auf einmal von der Bühne herab. Zugeordnet werden konnten diesen den ersten Bad Kissinger Lokalmatadoren “The Spotted Hogs”. Auch sie hatten sich schon Vorfeld stark um ihre Fans bemüht und mit gut 50 Mann das Jugendzentrum gestürmt. Die vier jungen Herren, die seit dem 11.11.2008 gemeinsam musizieren, hatten denn auch richtige “Ohrwürmer” für diese im Gepäck und konnten so eindrucksvoll ihre eingangs aufgestellte These untermauern. Denn ihre Fans verwandelten die Tanzfläche in einen brodelnden Hexenkessel. Danach waren vier Herren aus dem Raum Bad Neustadt an der Reihe ihre Performance dem fachkundigen Publikum zu zeigen. Die Band “She calls him dude”, die es zwar schon beinahe zwei Jahre gibt, hatte sich endlich entschlossen den Proberaum zu verlassen. Und was sie zum Besten gaben, konnte sich auf jeden Fall hören lassen. Mit durchwegs selbst komponierten Indie- Klängen und Alternative Grunge Einflüssen verwöhnten sie die anwesenden Gäste. Die sich nun auf die vorletzte Band im Starterfeld freuen durften. Die zweiten Bad Kissinger Lokalmatadoren “Raw Idol”, stürmten ohne Schuhe die Bühne. Mit ihrer erst 15 jährigen, aber durchaus stimmgewaltigen Sängerin Julia Witas, die “mit ihrer bezaubernden Stimme selbst bei einem Fischstäbchen eine Gänsehaut erzeugen kann”, präsentierten sie sich bei ihrem erst zweiten Auftritt überhaupt in prächtiger Verfassung. Noch sichtlich unter dem Nachhall der zuvor erklungenen Fangesänge, kam es schließlich zum krönenden Abschluss. Dieser gebührte “Becoming Atropos”. Die vier Herren aus dem fernen Werneck, die an diesem Abend bereits im Schweinfurter Jugendhaus gastierten und trotz Schneechaos den Weg nach Bad Kissingen heil gefunden hatten, gaben dem Musikfans noch mal so richtig was auf die Ohren. Denn “Deathcore” ist alles andere als leise!
Das Ergebnis hätte knapper kaum sein können
Nun durften die gut 250 Zuschauer entscheiden, wer den Sieg davontragen durfte und somit auf dem Umsonst& Draußen Festival 2010, das 25. und 26. Juni sein wird, auftreten darf. Während das Team hinter den Kulissen die Stimmen auszählte, verzauberte die Bad Kissinger Band “Pull the trigger” die anwesenden Gäste mit einer acoustic-Performance, die man laut Aussage eines Gastes mittleren Alters, dank des Charismas der Sängerinnen Laetitia Heyl und Larissa Renninger hätte “stundenlang anhören” können. Kurze Zeit später war es dann soweit. Alle teilnehmenden Bands erhielten als Dankeschön eine Urkunde und wurden vom Publikum frenetisch für ihre Darbietungen gefeiert. “Es war ein super Abend, unsere Fans waren spitze”, wurde ein ums andere Mal laut. “Manche Bands heute Abend sind deutlich besser, als ein paar andere, profiliertere, die ich hier schon gesehen habe”, gab es sogar ein Lob von der Tontechnik. Dementsprechend hätte das Ergebnis auch kaum knapper sein können. Auf dem dritten Platz landete schlussendlich die Band “Raw Idol” mit 190 Wertungspunkten, wovon sie durchaus überrascht waren, da sie nur wenige Fans und Freunde hatten mobilisieren können. Zweiter wurde die Bad Kissinger Band “The Spotted Hogs”, die 192 Wertungspunkte erreichte und damit ebenfalls nicht unzufrieden war. Um Haaresbreite vorne lag am Ende das Rhöner Duo “Dumb” mit 195 Wertungspunkten. In einer kurzen Ansprache dankten sie ihren Fans für die Unterstützung und gaben am Ende nochmals ihren hitverdächtigen Song “Maybe” zum besten.
Wer sich von der Qualität der Band “Dumb” gerne einmal selbst überzeugen möchte, der kann dies die nächsten Male am Rockbus an der Alten Piesel in Fulda (26.2.) und bei Rock vorm Markt in Oberbach (22.5.), oder auf myspace tun (http://www.myspace.com/dumbmusic) ,ehe sie auf die Bühnen des Umsonst & Draußen Festivals 2010 zurückkehren. Und wie es mit den U&D Winterkonzerten weitergeht, steht auch schon fest. Als nächstes sind am 20. Februar Hardcore und Progressive Rock an der Reihe. Es gastieren Malm, Today we rise, Hamada und Bender.
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