Gruppe Bündnis 90/Die Grünen: Während derzeit überall Spendenaufrufe für die Opfer der Naturkatastrophe auf Haiti zu sehen, lesen und zu hören sind, befassen sich die VZ-Nutzer in diesem Forum mit einer ganz anderen Perspektive aus der Katastrophenhilfe auch gesehen werden kann.
Der Thread-Eröffner beginnt seine Gedanken wie folgt: “Seit längerem schwillt die Diskussion um die Vermischung von Hilfeleistungen und den Armeen der Nato/EU abseits des veröffentlichten Blickfelds. Die Strategen in Brüssel und Washington haben neben den Erfahrungen des Marshall-Plans die Katastrophenhilfe als strategisches Gewicht für die Gewinnung der Herzen und der Hirne einer Bevölkerung erkannt und setzen Konzepte dieser Art vermehrt in den Operationsgebieten wie auf dem Balkan, in Afghanistan und im Irak um. Hilfe ist zu einem stragetischen Faktor geworden und er verkleidet diese als einen ‘ganzheitlichen Lösungsansatz’.” Die Vorraussetzungen hierfür seien gut, ist er überzeugt, besonders in Sachen Logistik seien die westlichen Armeen ihren ‘zivilen Konkurrenten’, den klassischen Hilfsorganisationen haushoch überlegen. Diesen bleibe daher nur noch die Kritik, die Aufgabe der neutralen Hilfe würde verdrängt werden, diese würde vielmehr zu einem militärischen Werkzeug und militär-strategischer Logik ausgesetzt.
Sein Schluss hieraus: “Es ist zu befürchten, das Hilfe ‘gezielt’ eingesetzt oder bei Monopol-Stellung seitens der Armee verweigert oder gar zurückgehalten wird, um Widerstand gegen Besatzung und Militäroperationen zu schwächen, sowie wohlgefälliges Verhalten zu belohnen oder zu erkaufen. Die Kritik geht soweit, das die klassischen Hilfsorganisationen zum Ziel des Widerstands wurden, da diese zur Zusammenarbeit und gemeinsamen Auftreten mit der NATO/ISAF in Afganistan ‘genötigt’ wurden und für den Widerstand daher als Feindkomponente wahrgenommen werden. Angesichts der allgemein eskalierten Sicherheitslage eine schwierige Behauptung, jedoch ist auffällig, das vor Ende 2001 neutrale Hilfe geleistet werden konnte, sowie auch arabische und pakistanische Mitarbeiter des ‘Roten Halbmondes’ Ziel von Angriffen wurden.”
Zustimmung, statt gesunde Skepsis bei Militäreinsätzen
Der Trend, so führt der VZ-Nutzer weiter aus, sei vermutlich bereits zu stark gesetzt und eine Diskussion fände nicht statt. Vielmehr würden Aktionen der BW in den Medien positives Gehör finden, wie zum Beispiel die Verteilungen von winterfester Kleidung, Brennholz etwa an Afghanistan.
Den Höhepunkt erreichen diese Bestrebungen scheinbar in der aktuellen Hilfe für Haiti. “Mit einer gigantischen Mobilmachung eilt das US-Militär den Erdbebenopfern in Haiti zu Hilfe. Doch selbst Elitesoldaten sehen sich von der Katastrophe vor schier unüberwindliche Hürden gestellt – die Zeit wird zu ihrem größten Feind”, zitiert er Spiegel Online. Und fügt anschließend selbst hinzu: “Neben leicht bitteren Geschmack des ‘Militarismus’ in diesem Artikel, scheint sich solches Engagement militärischer Logistik zu etablieren – wie soll man sich angesichts der Katastrophe denn auch erwehren, ja man müsste doch zustimmen!”
Doch er warnt: “Mit einer solchen Etablierung wird ein neuer, schwer anstreitbarer Rechtfertigungsgrund für militärische Anschaffungen geschaffen (Bereich Logistik – A400M, Einsatzgruppenversorger 702), die eh und je konventionell ausgelegt sind. Auch wird es damit regelrecht unmöglich, eine nicht-militärische Struktur aufzubauen, ja überhaupt einzufordern, da auf die bereits bestehenden ‘Kapazitäten’ verwiesen würde und man in den Zentren der Planungen nur ungern auf die Vorteile militarisierter Hilfe verzichtet.”
Gibt es auf Haiti überhaupt Alternativen zur militärischen Hilfe?
Ob seine Kritik allerdings berechtigt ist, wagen andere anzuzweifeln. Ein Mit-Diskutant schreibt: “Tja, was Dein Artikel nur offen lässt sind die Alternativen zur ‘militärischen Katastrophenhilfe’. Und die sehe ich gerade in Bezug auf Haiti einfach nicht. Ohne die logistische Unterstützung des Militärs wird der Mensch derartige Katastrophen nicht bewältigen können. Gerade im Hinblick auf die Herstellung einer öffentlichen Sicherheit und Ordnung nach solchen Katastrophen, sollte jeder dankbar sein, dass geholfen wird.” Andere wiederum verstehen das Problem des Diskussionseröffners gar nicht. So ist auch Folgendes zu lesen: “Wenn das Militär eine entsprechende Infrastruktur hat, die außer für den Einsatz in Kriegsfällen auch für humanitäre Hilfe geeignet ist, warum soll man dann überhaupt noch eine weitere Hilfs-Infrastruktur aufbauen?”
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