Nicht Wachstum brauchen wir… Glaubt man der schwarz-gelben Bundesregierung, dann braucht unsere Gesellschaft Wirtschaftswachstum. Sie hat sogar mit Nachdruck das ominöse Wirtschaftsbeschleunigungsgesetz durch die Instanzen gepeitscht.
Wachstum ist für sie alles, selbst im sozialen Bereich. Aus dem”Sozial ist, wer Arbeit schafft” von Hitlers Vordenker Alfred Hugenberg machte die CDU ihr albernes: “Sozial ist, was Arbeit schafft”.
Dabei weiß doch jedes Kind, dass es unsoziale Arbeit gibt, eben Kinderarbeit, Sklavenarbeit und Arbeit zu unwürdig geringer Gegenleistung wie unter Hartz IV und bei der Leiharbeit.
… wir brauchen Nahrung, Haus, menschliche Nähe und Bildung
Jeder weiß doch auch, dass wir zum Leben zuvorderst gute Ernährung und damit Gesundheit (“ohne Gesundheit ist alles nix”) brauchen und ein Dach über dem Kopf. Dann brauchen soziale Wesen wie wir Menschen die Nähe zu unseren Mitmenschen. Als Wesen mit angeborener Neugier brauchen wir aber auch die Auseinandersetzung mit der Welt. Daher brauchen wir Informationen, Wissen und Bildung – eben Kultur. Mit Wachstum hat das nur am Rande zu tun.
Die Bibel enthält viel menschliche Weisheit. Eine der ältesten dieser Weisheiten ist die, dass wir nach dem Verzehr des Apfels vom Baum der Erkenntnis auf uns selbst geworfen sind und “im Schweiße unseres Angesichts” unser Brot essen müssen (1. Mose 3,19). Entlassen aus dem Schoß der Natur ist es ein Problem, das für alle zusammen zu bringen, was wir wirklich im Leben brauchen, von der Ernährung bis zur Kultur.
Wir brauchen Problemlöser
Das Problem vor dem Problem ist die Frage, wie wir am Besten Probleme lösen können. Wir haben ein Gehirn, das geeigeet ist, Probleme zu erkennen und zu lösen. Aber wir haben auch das, was wir die menschliche Trägheit nennen, die geistige Unbeweglichkeit, die Engstirnigkeit, unsere Scheuklappen und unsere Faulheit.
Daher ist es eine große Hilfe, wenn wir bessere Wege zur Problemlösung finden. Einer, der sich auf dem Gebiet der Experimentalpsychologie auf der Schittfläche zur Neurophysiologie erschöpfend mit den Bedingungen besserer Problemlösung auseinandergesetzt hat und nach einem erfolgreichen Ausflug in die Leitung eines Unternehmens sein Wissen auch anderen Unternehmen zur Verfügung stellt, ist der Bremer Professor Peter Kruse. Er macht darauf aufmerksam, dass kein Problen besser als bisher gelöst werden kann, wenn man seine Problemlösungskompetenz nicht erhöht, was nicht geht, wenn man nicht kreativ ist.
Problemlösen kann man lernen
Kruse hält nichts davon, Menschen aufzufordern, kreativ zu sein. Das ist so dumm wie einem Raucher zu sagen, er solle es lassen, einem übergewichtigen zu sagen, er solle weniger essen oder einem schlechten Schüler, er solle doch seinen Verstand benutzen. Direkte Variable, die solche Änderungen herbeiführen können, gibt es kaum. Aber es gibt indirekte Variable, Änderungen in den Rahmenbedingungen, die das können.
Unterschiedlichkeit der Lösungsansätze erhöhen
Kruse nennt eine wichtige Variable, die so genannte diversity – leider ein englisches Wort, eingedeutscht Diversität. Man kann aber mit den deutschen Begriffen Vielfältigkeit und Verschiedenheit je nach Intention vollwertig beschreiben, was gemeint ist. Im Ergebnis tut Kruse das auch. Er schlägt vor, im Interesse der Erhöhung der Problemlösungskompetenz die Unterscheidlichkeit der Lösungsansätze zu erhöhen, gleich ob kulturell oder nur stilmäßig (ich würde ergänzen: oder wie auch immer). Man soll Lösungsmöglichkeiten akkumulieren und nicht nur bekannte assimilieren. Der übergang zu neuen Mustern und Sichtweisen erhöht die Spannung im System. Ganz deutlich erklärt er: “Harmonische Systeme sind dumme Systeme!” In der Natur entstehen Ordnungsmuster immer aus Widerspruch, nicht aus Harmonie. Komplexe Ordnungsmuster brauchen hohe Unteschiedlichkeit im System.
Dabei müssen die Systeme, die die überkommenen herausfordern, die Komplexität der alten möglichst überschreiten. Er zitiert Ashbys Gesetz: “Wo immer wir ein komplexes dynamisches Problemsystem haben, brauchen wir ein minderstens ebeso komplexes dynamisches Lösungssystem.” Unser Gehirn ist so ein komplexes dynamisches System, das mit den heutigen vernetzten Komplexen dynamischen Systemen fertig werden kann. Unser Gehirn produziert unkalkulierbare Dynamiken, deshalb können wir mit solchen außerhalb auch umgehen. Es ist daher ein perfektes Modell für die Erarbeitung einer großen Lösung.
Einzelne Problemlöser: erfolgreiche biographische Unfälle
Wenn früher nach Kreativität gerufen wurde, verlangte man einen schöpferisch veranlagten und tätigen Menschen. Kruse nennt einen solchen Menschen einen biographischen Unfall, der auf Grund der Folgen eines umwälzenden biographischen Ereignisses zur Problemlösung herausgefordert wurde und Kreativität entwickelte. Er erwähnt selbst seine private Herausforderung, als er durch familiäre Umstände vom universitäten Elfenbeinturm in die Niederungen wirtschaftlicher Betätigung gestürzt wurde und erkannte, wie gut er sein Wissen über die Problemlösungskapazität des menschlichen Gehirns in die Praxis umsetzen konnte. Der Gedanke einer konfliktiven biographischen Umwälzung als Auslöser besonderer Aktivität ist methodisch nicht neu. Er erinnert ein wenig an das Schockerlebnis, das der verfemte Begründer der Neuen Germanischen Medizin Ryke Hamer einmal allen Krankheiten zu Grunde legen wollte. Aber im vorliegenden Zusammenhang ist gut nachzuvollziehen, dass oft ohne besonderen Druck schlafende menschliche Kapazitäten nicht freizusetzen sind.
Aus eigener Erfahrung kann ich Kruses Annahmen bestätigen. Als ich durch ungünstige wirtschaftliche Umstände gezwungen war, neue Wege zu gehen, sah ich auf einmal auf allen möglichen Wissensgebieten – beileibe nicht nur auf dem Gebiet der vernünftigen Ernährung - großen unerledigten Problemstau und fand Wege ihn zu lösen. Ganz im Sinne der Kruse’schen Diversität zeigte sich die Einbezeihung vieler Disziplinen besonders hilfreich. Den Weg der körpereigenen Synthese zentralnervösen Serotonins hätte ich nie ohnen Zuhilfenahme vieler neuer Erkenntnisse aus der Chemie, der Bolchemie, der Physiologie, der Gasteroenterologie, der Ernährungswissenschaft und der Endokrinologie finden können.
Anderen Problemlösern ging es ähnlich. Man nehme nur den Dozenten Dr. Bodo Kuklinski, der u.a. ungezählten Menschen mit seiner Entdeckung der “Schwachstelle Genick” und deren Stabilisierung zu neuem schmerzfreien Leben verholfen hat. E ist Facharzt für innere Medizin, Umwelt- und Nährstoffmedizin, war von 1988 – 1995 Chefarzt der inneren Medizin, Rostock, und ist seit 1995 Leiter des Diagnostik- und Therapiezentrum für Umweltmedizin, Rostock. Seine Spezialisierungen sind: Stoffwechsel/Endokrinologie, Onkologie, Geriatrie, Gastroenterologie, Intensivtherapie, Ernährung, Vitamin- und Spurenelementenhaushalt, oxidativer Stress, Umweltmedizinische Diagnostik und Therapie. Von ihm gibt es mehr als 120 Publikationen, von Büchern und zahlreichen Buchbeiträgen. Zudem ist er Mitglied von mehreren internationalen wissenschaftlichen Organisationen, wie z. B. Deutsche Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung, Deutsche Lipidliga, Deutsche Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie etc.. Schließlich ist er Vorstand des Deutschen Berufverbandes der Umweltmediziner. Wie wichtig für ihn die Diversifizierung an Stelle des üblichen Scheuklappendenkens ist, erläutert er so:
“Es ist höchste Zeit, die Gesundheit des Menschen als das Zusammenwirken komplexer Prozesse zu begreifen, die ganzheitlich funktionieren, anstelle streng geordnet nach Fachrichtungen zu diagnostizieren und zu behandeln.”
Netzwerke schaffen komplexe dynamische Lösungssysteme
Kruse rät, dass wir in freier Kommunikation Netzwerke bauen, die die alten geordneten Systeme stören und deren scheinbare Stabilität erschüttern. In Netzwerken entstehen Situationen, in der die nicht linearen Rückkopplungseffekte immer wieder für das Auflösen von stabilen Zuständen sorgen. In Netzwerken können wir zwar den beschriebenen Einzelenen, der auf Grund seiner Biographie zum Problemlöser wurde, einsetzen. Man kann auch gezielt Netzwerke aufbauen, die diesen einzelnen biographischen Unfall nicht mehr brauchen, weil sie selber ein solcher Unfall sind. Baut man bewusst Systeme, die stören, die nicht stabilitätsorientiert sind, weckt man in den Beteiligten die kreativen Talente.
Zusammengefasst kann man sagen, dass wir es anlegen müssen auf Diverstität und die Rückkopplungsmuster in Netzwerken. Die also sind die indirekten Variablen, die extrem positiv sind für die Entstehung von Kreativität. Unsere Regierungen in Deutschland, die unisono nach mehr Innovation schreien, sollten das bedenken, wenn ihre Appelle nicht wie üblich verpuffen sollen.
Die drei wesentlichen Menschentypen in Netzwerken
In Kruses Netzwerken schälen sich regelmäßig drei verschiedene Menschentypen heraus (wenn nicht, muss man danach suchen):
1. Der Creator, der Spinner, der Störer, der immer mit neuen Ideen aufwartet,
2. der Owner, der Wissenseigner, der etwas im ff beherrscht und
3. Der Broker, das ist der, die die Leute kennt, der etwas weiß und der zusammenführt.
Ich verwende hier die von Kruse eingeführten englischen Begriffe. Natürlich ginge es auch deutsch.
Verkürzt gesagt bilden die drei Menschentypen zusammen das Gehirn des Netzwerks. Creator und Owner zusammen bringen die Ideen. Owner und Broker sind unterscheidliche Bewerter. Creator und Broker schaffen beide Bewegung. Sie stören den Owner und bringen ihn letztendlich zur neuen Lösung.
Der Owner ist nach Kruse der wirklich wertvolle Mensch, der etwas weiß. Alleine bringt er aber selten neue Lösungen, weil er die Instabilität nicht hinbekommt. Er braucht die Erregung und die Störung von außen.Daher ist die Welt voller großartiger Experten und die neuen Lösungen kommen von außerhalb. Netzwerke sind die intelligenten Systeme mit Menschen, deren Summenintelligenz größer ist als die der beteiligten Menschen.
Dass der kreative Mensch meist ohne Hilfe nichts auf die Beine bringt, ist eh bekannt. Kaum einem Erfinder gelingt es, mit seinen Ideen Geld zu verdienen. Der Broker dagegen ist erfolgreich, wenn er die Menschen zusammen bringt. Man sollte seinen Part nicht unterschätzen.
weniger bürokratie würde mir persönlich schon reichen. wäre vielleicht auch ein kreativer ansatz…………;-)