Erste Abfuhr für die LKW-Monster 2007: LKW-Hersteller wie Scania, MAN, Volvo, Krone, Daimler-Benz und mehr in ganz Europa graben sich zusammen mit Großspediteuren und ihren Verbänden seit Jahren bei allen Ländern, auch einzelnen deutschen Bundesländern, und der EU-Kommission ein und drängen mit aller Macht auf die europaweite Zulassung von Gigalinern.
Gigaliner ist nur einer der vielen Namen für riesengroße LKWs, die in Europa insgesamt unter folgenden Namen bekannt sind:
· Ecocombi
· Langere en Zwaardere Vrachtautocombinatie
· Ökoliner
http://www.nomegatrucks.eu/deu/service/glossar/eurocombi/
Die Größe der Laster ist in der Tat gewaltig und nur mit einer Boeing 737 zu vergleichen:

http://www.nomegatrucks.eu/deu/mega-trucks-in-5-minuten/
Eine Boeing 737 hat übrigens nur ein fast so hohes Startgewicht wie diese Laster. Das Landegewicht der Version 737-300 beträgt maximal 46 Tonnen, meist nur an die 40 Tonnen. Die Tankfüllung wiegt mehr als 22 Tonnen.
Nachdem in Schweden, den Niederlanden, Belgien und innerhalb Deutschlands in allen Bundesländern mit Ausnahme der acht Bundesländer, in denen kein Hersteller solcher Fahrzeuge ansässig ist (Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen- Anhalt und Schleswig-Holstein) örtlich begrenzte Zulassungen der Teilnahme solcher Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr vorgekommen waren und der Plan in der Öffentlichkeit treffend als “Größenwahn auf Rädern” gegeißelt worden war, erteilte die EU-Kommission 2007 dem Plan eine Abfuhr.
“Es ist auffällig, dass ausgerechnet die Bundesländer Feldversuche planen, in denen auch die Hersteller solcher Fahrzeuge sitzen”, sagt damals Allianz-Geschäftsführer Dirk Flege und wies darauf hin, dass auch in Toddin (Mecklenburg-Vorpommern) als auch Triptis (Thüringen) Gigaliner produziert werden. Thüringen hat mit Fliegl Fahrzeugbau und Schmitz Cargo Bull sogar zwei weitere Herstellerstandorte von Gigalinern im Lande.
Der ausgeschiedene SPD-Verkehrsminister Tiefensee war übrigens ein bekennender Gegner der Riesenlaster. Tiefensee hat man – vielleicht zu Recht – Kungeleien mit dem untragbahren ehemaligen Bahnchef Mehdorn nachgesagt. Aber wenigstens war er gegen die Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Bahn, wofür die Riesenlaster verstärkt sorgen werden.
Vom Burschenschaftler im Amt, CSU Ramsauer, der alsbald nach der Machtübernahme die Einführung der PKW-Maut forderte, kann man gewiss nicht erwarten, dass er die Wünsche der Lobby zurückwiese, besonders nicht weil er bessere Einsichten hätte.
Neuer Anlauf zur Durchsetzung der Riesenlaster
Eine Lobby mit so viel Interesse gibt natürlich nicht auf. Mit der ersten Ablehnung 2007 hatte die EU-Kommission ein Türchen offen gelassen und erklärt, dass sie eine eigene Studie über den Sinn der Zulassung der Großlaster in Auftrag geben werde.
Seit Ende Januar 2009 liegt die Endfassung dieser Studie vor, die – wen kann das noch erstaunen – nach Presseberichten wohl stark von den Befürwortern geprägt ist.
Der Text der Studie ist im Netz nicht zu finden. Bekannt wurde, dass dort festgehlten wurde, dass in der EU der CO² Emissions Ausstoß durch die Riesnlaster um 3,6 Prozent sänke und der Spritverbrauch um 13 Prozent zurück ginge, so jedenfalls Wikipedia (auch von dort her lässt sich der Text nicht zurückverfolgen). Im Ergebnis erklärt die EU-Kommission jetzt die Einführung der Gigaliner für sinnvoll. Da die Diskussion über Wert und Unwert der Zulassung der Riesenlaster allerdings schon 2007 vollständig abgeschlossen war und die Gegengründe einfach überwältigend sind, lohnt ein weiteres Graben nach dem Originaltext der Studie nicht.
Da der Europäische Verkehrs-Ministerrat auch nach der Studie keine Einigkeit erzielte, kündigte die EU-Kommission eine neue europäische Initiative für den Gigaliner für die Zeit der EU-Präsidentschafts Volvo-Schwedens in der zweiten Hälfte 2009 an. Was daraus wurde, ist nicht veröffentlicht worden, jedenfalls nicht im Netz.
Die neue Bundesregierung hat jetzt aber auf eine Anfrage des Verkehrrsexperten der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmann, erklärt, dass sie einen deutschlandweiten Versuch mit den überlangen und überschweren LKWs plane. Noch in diesem Frühjahr will sie eine Bund-Länder-Aktionsgruppe einberufen, die den Feldversuch konzipieren soll. Wir können uns schon darauf einstellen, plötzlich auf auf allen bundesdeutschen Straßen solchen bis Ende 2012 versuchsweise rollenden Riesengeräten zu begegnen. Zweifelt jemand daran, dass unsere absolut wirtschaftshörige und volksfremde schwarz-gelbe Regierung dann generell diese Ungeheuer ungebremst auf uns loslassen wird?
Kurzer Abriss von Vor- und Nachteilen der Gigaliner
Wie gesagt, waren die Vor- und Nachteile schon 2007 komplett abgewogen. Die allgemeine Zulassung solcher Riesenfahrzeuge auf dem engen Straßennetz in Deutschland und in Europa ist der helle Wahnsinn.
Mag sein, dass bezogen auf das Transportgewicht der Spritverbrauch um ein paar Prozentpunkte zurückgeht, während die maximale Zuladung um 25 Prozent auf 60 Tonnen steigt. Allein auf die Verkehrsriesen bezogen mag auch der CO2-Ausstoß geringer sein. Unter Berücksichtigung der sicheren schweren Behinderung des fließenden Verkehrs wird es aber viel mehr Kohlendiosydausstoß geben. Solche Argumente, wie man sie aus Brüssel hört, sind aber an den Haaren herbei gezogen.
Die Entscheider in Brüssel und Berlin setzen sich dreist über die einhellige Meinung aller Experten hinweg. Dabei gibt es Dutzende wissenschaftlicher Untersuchungen und Stellungnahmen, die die Gefährlichkeit und die Unwirtschaftlichkeit der Großlaster auf unseren Straßen belegen. Zu nennen sind insbesondere die folgenden wissenschaftlichen Arbeiten:
Studie von Fraunhofer ISI zu den Klimaeffekten von Mega Trucks Bericht des Umweltbundesamtes Bericht der Bundesanstalt für Straßenwesen Studie des Transport Research Laboratory Studie von K+P Transport Consultants und das Gutachten von TIM Consult Schon heute sind Unfälle mit schweren Lastern die größte Quelle für tödliche Unfälle mit anderen Verkehrsteilnehmern, neben PKW-Insassen auf der Autobahn besonders von Fahrradfahrern in den Städten und auf dem Land. Mit der Vermehrung der Masse steigen die Gefahren in der Potenz. Kein heutger PKW ist so gebaut, dass er einem Auffahrunfall durch ein solches Monster konstruktiv widerstehen würde. Aber auch unsere Straßen und Brücken halten der Belastung durch solche Schwergewichte nicht stand.
Will die LKW-Industrie und wollen die Großspediteure die wahnsinnigen Kosten der vermehrten Reparaturen tragen? Oder vielleicht die Wirtschaft, die ihre Lager weiter verkleinert und verstärkt auf die Straße verlegt? Wer trägt die Kosten des Umbaus der Raststätten, die ja Nachtstandplätze für die überlangen Fahrzeuge vorhalten müssen?
Kein Wunder, dass die Bevölkerung strikt gegen die allgemeine Zulassung von Gigalinern ist. Die Umfragen sind den EU-Strategen und der Regierung in Berlin natürlich bekannt:
81 Prozent der Franzosen sind gegen Mega Trucks , wie eine CSA-Umfrage aus Juni 2009 ergab, 80 Prozent der Schweizer sagen Nein zum Gigaliner, ermittelte das Link-Institut im November 2009, 75 Prozent der Briten lehnen Mega Trucks ab, wie das Forschungsinstitut GfK im August 2007 ermittelte und 73 Prozent der Deutschen wollen keine Gigaliner, wie eine Umfrage im September 2007 ergab.
Die Ergebnisse der Forsa-Umfrage in Kürze:
- 54% der Bürger haben schon einmal etwas von Gigalinern gehört- 73% aller Bürger sind gegen die Zulassung von Gigalinern
- Frauen (80%) lehnen Gigaliner noch stärker ab als Männer (65%).
- 68% gaben als wichtigsten Grund für ihre Ablehnung von Gigalinern an, dass die Fahrzeuge aufgrund ihrer Größe und Schwere das Unfallrisiko für die Verkehrsteilnehmer erhöhen.
Zweitwichtigster Grund (64%) für die Ablehnung sind die hohen Infrastrukturkosten, die auf die Steuerzahler zukämen, weil Gigaliner den teilweisen Umbau des Straßennetzes erfordern.
Fast ebenso wichtig (63%) ist den Befragten die Tatsache, dass Gigaliner dazu führen, dass Transporte von der Schiene auf die Straße verlagert werden und damit der Umwelt schaden.
Glauben die von uns direkt oder indirekt mit der politischen Macht in Deutschland und Europa Betrauten wirklich, dass sie so gegen alle Vernunft und gegen den Willen der Völker entscheiden können? Sie sollten den Bogen nicht überspannen, besonders nicht in 2010, in dessen Verlauf die schrecklichen Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise und der hilflosen Versuche ihrer Bewältigung durch die Regierungen erst richtig spürbar werden.
Hoffentlich wird beim nächsten eisglatten Winter nicht eines dieser 60 t Geschosse auf den Dienstwagen von Frau Merkel zubrausen.