Lyrileison – Neue Lyrik und deren kritische Betrachtung: Teil 51

Helles Land (I) Dieses Volk ist im Aufbruch, Dies ist die Frage der Zeit. Nach dem Anschluss zum Glück greift das Volk Mit der Gebärde der Verzweiflung. Sieh dieses Volk, Gestraft durch den Stachel Gottes, Gezähmt von der Rute des Menschen, Voll von Striemen der Rücken. Sieh dieses Volk wie

sdfsdfdvf111.jpgHelles Land (I)

Dieses Volk ist im Aufbruch,

Dies ist die Frage der Zeit.

Nach dem Anschluss zum Glück greift das Volk

Mit der Gebärde der Verzweiflung.

Sieh dieses Volk,

Gestraft durch den Stachel Gottes,

Gezähmt von der Rute des Menschen,

Voll von Striemen der Rücken.

Sieh dieses Volk wie es hungert,

Nach Liebe, wie es leckt

Nach Wasser, wie es schreit

Nach Glück!

Tausendschön rast über glatten Asphalt

Mit dem Gesicht der Panzerechse.

Tausendschön funkelt bei Nacht,

Tanzt mit der Goldmähnigen den Reigen,

Tandaradei, den Reigen dreht die Schwarzmähnige,

Es durchbohrt ihn der Blick.

Am Morgen danach das

Guterkaffeegesicht.

Schön, schön alles,

Schön!

Wo ist der Bruder,

Wo ist die Schwester?

Der Bruder hinkt mit der Lüge einher,

Die Schwester trällert ihr Lied,

Schwer hebt sich das Tuch der Lüge.

Wer hebt das Tuch der Lüge,

Wer singt das Lied zur Nacht,

Wer singt das Lied am Tag?

Dieses Volk ist im Aufbruch.

Mit der rauschenden Mähne des Siegers

Schreitet es und verlor doch sein Tagwerk schon.

Ich hörte ein Lied.

Es war ein Kind, das sang

Mit der hellen Stimme des Mohns,

Es sang mit der Gabelstimme,

Die alles aufspießt:

“Ich bin froh,

weil Jesus bei mir ist.”

Da klatschten sie in die Hände.

Dieses Volk ist im Aufbruch,

Denn es hat ein Ziel.

Nicht das alte Ziel der ärmlichen Feindschaft,

Ja, es hat ein Ziel.

Ich hörte ein Lied,

Es kam aus dem Radio

Und die Menschen stellten eine Flasche beiseite,

Er hätte ja kommen können heut oder morgen.

Zum Aufbruch bereit waren die Menschen,

Aber dort hungern sie und sie verkommen,

Weil sich kein Arm regt und sie sprengen

Fruchtbare Erde in die Luft und es kräht der Hahn.

Klaus Grunenberg

Kritik

Der Beginn eines epischen Liedes voller Anspielungen an Vergangenheit und Gegenwart, und es ist nicht fröhlich, was sich da auftut.

Was auffällig ist, ist die Verwendung einer Metaphorik, also von Metaphern, die in der ersten Bedeutung, besser Ausdeutung, etwas anderes bezeichnen, als vermutet. Dadurch werden Bedeutungen verschoben und bekommen einen anderen Sinn. Der “Stachel Gottes” bedeutet z.B. Schicksal oder einfacher: Eigenes Verschulden.

Aber was ist überhaupt gemeint? Die engere Region, Deutschland, ein flüchtiger Zustand? Oder ist etwa alles viel weiter gefasst, bespricht es die allgemeine Gegenwart, verheißt es Zukünftiges nach dem Muster des Gewesenen und Momentanen? Ist vielleicht alles doch nur wie eine aus den Fingern gesaugte Angst vor dem, was kommen wird?

Vielleicht erzählt es einfach nur die bisherige Realität, gespeist von eigener Erfahrung und es wendet sich gnädig das Blatt, weil Umkehr, wir nennen es bisweilen Seelenerleuchtung, Gewissensqual oder gar Liebe locken?

Ed Moercke

Nana, wieder so ein Zeugs, ein wehmütiges Schauen nach hinten, getragen von der Sucht, sich selbst zu quälen?

Ich weiß nicht.

Mark Beil-Ritzi

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Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via pixelio.de

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