Ägypten: Inhaftierte Blogger erzählen ihre Geschichten

Mehr als 20 ägyptische Blogger, die sich unterwegs befanden, um den Familien der Opfer des koptischen Massakers ihren Respekt zu erweisen, wurden verhaftet, als ihr Zug im Dorf Naga Hammady in Oberägypten ankam. Sie wurden kurz danach wieder freigelassen, und erzählen uns jetzt ihre Seite von dem, was passiert ist.

Mehr als 20 ägyptische Blogger, die sich unterwegs befanden, um den Familien der Opfer des koptischen Massakers ihren Respekt zu erweisen, wurden verhaftet, als ihr Zug im Dorf Naga Hammady in Oberägypten ankam. Sie wurden kurz danach wieder freigelassen, und erzählen uns jetzt ihre Seite von dem, was passiert ist.

Dr. Mostafa Al Naggar, der führende Kopf hinter dem Besuch, unterstreicht nochmals den Zweck der Reise:

“Wir sind eine Gruppe ägyptischer Aktivisten und Bloggern, die keiner Partei oder Bewegung angeschlossen sind. Wir waren auf dem Weg unseren koptischen Brüdern unser Mitgefühl auszusprechen und den Familien der Opfer unseren Respekt zu erweisen – das war der einzige und der Hauptgrund für unseren Besuch. Ich lud ein paar meiner Blogger-Freunde und Menschenrechtsaktivisten ein und wir waren uns alle einig, dass dies ein rein humanitärer Besuch und keine Medien-Show sein sollte.”

Vor dem Trip erhält er einen Anruf:

“Ich erhielt einen anonymen Anruf; der Anrufer fragte ob ich Dr. Mostafa Al Naggar sei. Ich fragte ihn, wer er sei und er sagte, das gehe mich nichts an und ich solle nicht nach Naga Hammady fahren. Er sagte: “Die Partei wird morgen etwas organisieren und wir brauchen keine Außenseiter.” Auf meine Frage, welche Partei es sei, legte er auf und ich habe mich nicht weiter darum gekümmert.”

Nach ihrer Ankunft wurden sie von der Polizei umstellt und die folgende Unterhaltung fand zwischen dem Offizier und Dr. Al Naggar statt:

“Ich ging auf ihn zu und fragte: was ist los?
Er sagte: Nichts! Fordern Sie Ihre Kollegen lediglich auf einzusteigen, bevor wir sie dazu zwingen.
Ich sagte zu ihm: warum? Was haben wir getan, um auf diese Weise behandelt zu werden? Wir sind gekommen unser Beileid auszusprechen und dann fahren wir wieder weg.
Er grinste mich an und sagte: Beileid? Sie sind alle verhaftet! Macht zu!
Wir waren alle verblüfft und Marian fragte mich, was los sei und ich war ratlos.
Ich ging zu dem Offizier und sagte zu ihm: Lassen Sie die Mädchen nach Hause gehen und wir kommen mit Ihnen mit.
Er schrie mich an und rief: Glauben Sie, Sie haben eine Wahl?! Sie kommen alle mit!
Wir wurden zur Nagaa Hammady Polizeistation gebracht dann zum Qena Regierungsgebäude, wo wir in zwei separate Zellen eingesperrt wurden, eine für die Männer und eine für die Damen.”

Zur Diskussion über das Massaker und die rechtswidrige Festnahme veröffentlichte Mahmoud Saber einen Link zu seinem Blog und seiner Facebook Adresse mit der Ankündigung:

“Ägyptische Initiative für eine Menschenrechtskonvention”

Ahmed Badawy lud ein paar Bilder hoch und informierte uns über seine Erfahrungen:

“Da war ein Offizier, der uns mit einem breiten Lächeln auf seinem Gesicht sehr häufig besuchte; er erzählte uns die Geschichte von Josef und wie er für 7 Jahre ins Gefängnis geworfen wurde und dass das Leben voller Probleme, Unfälle und Katastrophen sei – und dass wir alle unser Unglück zu tragen hätten.”

Sherif Abdel Aziz bloggte seinen Zeugenbericht wie folgt:

“Als ich mich entschied nach Nagaa Hammady zu fahren, basierte meine Entscheidung darauf, dass ich für den Kampf gegen das Sektenwesen und seine Ursachen voll engagiert bin. Ich wollte versuchen, die leidtragenden Eltern, die ihre Lieben bei diesem schrecklichen Vorfall verloren hatten, zu trösten. Ich wollte die Hände der unschuldigen Opfer schütteln und mit ihnen ihre Schmerzen und Leiden teilen. Ich weiß, dass nichts die Toten wieder zurückbringen kann, aber ich wollte ihnen sagen, dass ich ein Muslim bin und dass ich das, was sich ereignet hat, nicht billige.”

Wa7da Masrya postet ein Bild von dem Offizier, der sie verhaftet hatte, und beklagte sich über dessen unangebrachte grobe Behandlung:
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In der Zwischenzeit hat El Tahawi Bilder aus seiner Zelle veröffentlicht. Sie sind dabei über Graffiti von El Kamony gestolpert, zufälligerweise einer der Schützen in dem Massaker:

“Wenn die Gerechtigkeit zu verteidigen ein Verbrechen ist, dann lebe hoch das Verbrechen.”

Mohamed Adel (Ameed Meit) veröffentlichte Bilder der Blogger nach ihrer Entlassung und Amira El Tahawi zeigte ein Bild in Facebook, welches die ganze Bigotterie zusammenfasst:
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Das Foto besteht aus zwei Teilen aus der Zeitung Al Naba – der eine (linke) Teil beschreibt die Christen, die als “Opfer” starben, der andere (rechte) Teil bezieht sich auf die Muslime, die als “Märtyrer” gestorben sind.

Wie jeder andere auch fragt sich Sandmonkey: Was Ist Dort Passiert?!

“Die Regierung entschied sich also endlich, die verhafteten Aktivisten am Samstag zu entlassen und am Samstagabend waren sie alle wieder unversehrt zurück in Kairo. Es gab keine Schläge, es gab keine Folter es sei denn man betrachtet als Folter, wenn man einen ganzen Tag und eine Nacht in einen kleinen Raum eingesperrt ist, ohne etwas zum Sitzen oder Liegen zu haben [] Am nächsten Morgen wurde die Anweisung für die Entlassung der Aktivisten ausgestellt, aber man zog es vor ihnen nichts davon zu sagen. Sie ließen sie einfach bis Mittag da drin, dann holten sie sie aus ihren Zellen, steckten sie in Mini-Busse, und schickten sie zurück nach Kairo. Sie sind alle heil und gesund und erschöpft. Sie haben immer noch keine Erklärung, warum sie auf diese Weise behandelt wurden, und sie konnten niemals die Familien der Opfer erreichen, um ihnen ihr Beileid auszudrücken. Es ist anscheinend ein zu großes Risiko, wenn Christen, die Opfer von muslimischen Hass-Verbrechen geworden sind, von Muslimen getröstet werden. Es könnte ja den Hass oder so etwas verringern, aber das geht natürlich nicht!”

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die übersetzung erfolgte durch Hans H. Knauf, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.

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  1. Die Kopten stellen die Oberschicht in Ägypten und behaupten sich schon seit Jahrhunderten in diesem Umfeld, waren schon in Ägypten als es noch gar keine Muslims gab. Kopten haben das Geld und die Macht im Staat

    Ist das wieder der wöchentliche Anti Islam Beitrag?

    Von wo schreiben Sie, aus Jerusalem ???