Es war schon immer ein Thema für die Untertanen, wie sie sich beim Herrscher beliebt machen können, um ein wenig von seinem Glanz und Reichtum abzubekommen. Man kann dem Herrscher sein eigenes wertvolles Wissen und Können zu Füßen legen. Das ist der mühsame Weg zum Erfolg in seinem Tross. Man kann dem Herrn auch gefallen, indem man ihm den Narren macht. Der Narr darf sich sogar Freiheiten herausnehmen und ziemlich locker mit für den Herrscher unbequemen Wahrheiten jonglieren und anscheinend nur zum Scherz auf die Lebensinteressen der Allgemeinheit zu verweisen. Sein Verdienst ist es, dem Herrscher den Schein eigener Intellektualität und Kritikfähigkeit zu gewähren, ohne wirklich lästig zu fallen. Der Narr der es ernst meint, wird geschasst.
Weit erfolgreicher sind die Günstlinge des Herrschers, die sich bei ihm dadurch einschleimen, dass sie dessen Gegner spektakulär auf die Hörner nehmen, die Groben mit der Hellebarde, die Geriebenen mit der Feder. Sie spielen nicht wie der Narr mit der Wahrheit. Im Interesse des Herrschers, treten sie die Wahrheit wahllos mit den Füßen. Sie setzen sich auch skrupellos über das Wohl der Allgemeinheit hinweg, wenn dies ihrem Herren dient. Sie meinen es wirklich ernst.
Die Tageszeitung (taz), die manchen vor langer Zeit einmal wie eine letzte Rückzugsstation zu den Politik und Wirtschaft gefälligen Blättern in Deutschland vorkam, zeigt heute Tag für Tag, wie ernst es auch ihr damit ist, sich ganz im Dienste der Mächtigen ins Zeug zu werfen. Sie scheut sich dabei nicht, kübelweise Unrat über die auszuschütten, die dem Wohl der Herrschenden das Wohl der Allgemeinheit voranstellen. Ralf Bollmann setzt auf TAZ ZWEI vom heutigen Tage da eine kräftige Duftmarke.
Bollmann, Jahrgang 1969, spricht vom “naiven Glauben” an ein “angebliches Gemeinwohl”, der nach seiner Meinung nur eine schlechte Tradition des deutschen Obrigkeitsstaats ist, bestenfalls paternalistisch, schlimmstenfalls totalitär. Daher verwirft er ganz und gar die Kritik an der Klientelpolitik der FDP und der anderen etablierten Parteien. Ohne solche an fremden Interssen orientierte Politik gibt es nach seiner Meinung gar keinen Widerstreit der Interessen in der Gesellschaft. Das läuft auf den irgendwann von einem unbekannten Spaßvogel erfundenen Spruch hinaus:
“Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.”
Wer denkt da nicht an Merkels gleich geistfreien Spruch: “Die Wirtschaft muss frei sein” und an ihr verkorkstes Wachsumsbeschleunigungsgesetz. Beim hemmungslosen Ellenbogenkapitalismus bleiben zwangsläufig ganze Gruppen von Teilnehmern des Spiels auf der Strecke. Die freien Kräfte des Marktes schaffen zwar immer mehr Wachstum je freier sie sind. Sie schaffen aber keine Ordnung und sorgen nicht für die Dinge, die von den Mitgliedern der Gesellschaft wirklich gebraucht werden. So entsteht eine Konsumgesellschaft, in der der Wert der Güter die zweite oder gar keine Rolle spielt. Das misslungene Experiment des “historischen Sozialismus” hat zwar deutlich gezeigt, dass es unmöglich ist, den wahren Bedarf der Allgemeinheit zu planen. Aber was spricht denn dagegen, den Wildwuchs im freien Wirtschaftssystem zu begrenzen?
Wir aber reden beispielsweise von Umweltverschmutzung und nöglichster Schonung von Ressourcen und machen Flugbenzin so billig, dass ein gewaltiger sinnloser Flugtourismus entstanden ist. Soll man das Air-Berlin-Hunold vorwerfen? Oder den reisefrohen Bürgern? Natürlich nicht, alle tun nur das, was Merkel und Westerwelle von ihnen wollen. Sie genießen die Freiheit.
Der Schönredner Bollmann findet sogar noch gute Worte für direkte Inteventionen von Parteien im Interesse ihrer Auftraggeber aus der Wirtschaft bei der Gesetzgebung und bei der Verteilung von Wohltaten aus der Staatskasse. Er findet es gut, dass jede Partei ihre eigenen gesellschaftlichen Schichten hat, denen sie Wohltaten gönnt um damit ihre Stimmen zu kaufen. Er sieht als schlechte Alternative nur eine kampflose Durchsetzung der Interessen eines Diktators oder eines Autokraten wie des Basta-Kanzlers Schröder.
Dass Politiker sich ein eigenes Bild von den unterschiedlichen Interessen in der Gesellschaft machen könnten, dass sie gar in innerem Abstand zu den unterschiedlichen Positionen unter Berücksichtigung der verfassungskonformen Präferenzen einen sinnvollen Ausgleich unter den Interessen herbeiführen könnten, kommt dem Youngster Bollmann nicht in den Sinn. Ich kann das sehr gut verstehen, denn die politische Realität hat schon lange keine praktischen Beispiele dafür mehr hervorgebracht. Um öffentlich tätige ernsthaft am Allgemeinwohl orientierte Demokraten zu finden, kommt man bei den derzeitigen Akteuren in den Parlamenten und den Regierungen in Deutschland nicht weit. In den Sterberegistern findet man sie noch in größerer Zahl.
Auch wenn junge Leute wie Bollmann alle Gegner der Lobbypolitik für wirklichkeitsfremde Schwärmer halten, kann ich nicht umhin, in privaten Kreisen und auch bei praktisch allen Kontakten mit Normalmenschen draußen eine ganz andere Verteilung zu finden. Da hält sich kaum einer auf, der es nicht erbärmlich findet, wie die Politik sich heute gegen das Volk stellt.
Wahrscheinlich muss sich das System erst vor die Wand fahren, bevor überhaupt ansatzweise eine Änderung möglich ist. Nur wer sich den Kopf anhaut hat Kopfweh, die meisten älteren wissen das, einige der Jungspunde müssen das erst noch lernen.
Insofern hat das mit dem Sterberegister durchaus seinen Sinn.
Angebliche Wissensexplosion, Computer Zeitalter, Multimedia an allen Orten, Früherziehung, Ganztagsschule, sexuelle Revolution, Selbstverwirklichung und ICH AG’s so weit die Pupille reicht, bla bla und warme Luft treiben den Klimaschwindel voran. Alles ist in Bewegung.
Das offensichtliche, das Notwendige sehen sehen nur wenige.
Auf dem Altar der Selbstgerechtigkeit und der Selbstoptimierung tanzen unsere “Bundeshosenanzugsträgerinnen” , die Parteien, die Wirtschaftsverbände, unser Ackermännchen, die GrünenInnen, die EKD Vorsitzende, die Gewerkschaften, kurz alles die, wenn sie morgen nicht mehr da wären, von niemanden vermisst würden!
Aber ruhig Blut. Da gibt es wahrscheinlich eine Gesetzmässigkeit die wir nicht beherrschen.
Die nächste Flut kommt bestimmt!
Zitat: alles wird gut!