Lyrileison – Neue Lyrik und deren kritische Betrachtung: Teil 52

Helles Land (II) Alljährlich blüht der Baum vor dem Fenster Und täglich singen sie vor dem Allerheiligsten. Am Sonntag klingelt es an der Tür und Ein Junge holt seine Freundin ab zum Gottesdienst. Die Mutter starb zu früh, Grausam die Umarmung des Todes. Die Lautsprecher dröhnen und der Vater erschrickt

sdfsdfdvf1111.jpgHelles Land (II)

Alljährlich blüht der Baum vor dem Fenster

Und täglich singen sie vor dem Allerheiligsten.

Am Sonntag klingelt es an der Tür und

Ein Junge holt seine Freundin ab zum Gottesdienst.

Die Mutter starb zu früh,

Grausam die Umarmung des Todes.

Die Lautsprecher dröhnen und der Vater erschrickt

Und er schreit, wenn es dröhnt,

Viel zu früh starb die Frau,

Grausam die Umarmung des Todes.

Der königliche Geschmack ist abhängig vom Konto,

Goldene Hufeisen für die Pferde,

Für die Menschen nichts.

Sie nahmen ihn bei den Ohren, auf dass er höre,

Luden ihn ein zum gemeinsamen Mal,

Nachdem Blitzkrieg dann nicht mehr,

Dann putzten sie ihre Zähne.

Viel zu früh starb die Mutter,

Grausam die Umarmung des Todes.

Wer hält die heiligen Hände empor,

Wenn das Unheil kommt?

Wer zieht das lappende Tuch der alten Gesinnung beiseite,

Auf dem gestickt ist mit kundiger Hand

Das Bild des Kampfes,

Der Vernichtung,

das Ziel?

Zum Sprung bereit ist der Panther.

Ich hörte ein Lied,

Ein Querschnittgelähmter sang es:

Kommt Zeit, kommt rat.

Dieses Volk schreitet in den Abgrund.

Mit der Gebärde des Hai greift es zum Lorbeer,

Deckt es sich zu mit dem Sand des Vergessens.

Ich fuhr durch das Land und nur

Der Fahrtwind war mein Begleiter,

Fuhr über die Dörfer,

Es lagen die Dörfer frisch gepflügt.

Trau nicht den schönen Dörfern,

Die aus den Hügeln lugen,

Sie haben wehrhafte Türme

Und in ihren Mauern lauert Verfolgung,

Es späht aus der Ritze das Auge des Nachbarn,

Wenn das Kalb geführt wird, das weint

Und der Töter hebt das Beil.

Trau nicht der romantischen Straße,

Nichtnutz wuchert am Rand

Für den Lehrer mit dem Katzengesicht,

Der Gesetze des Kampfes weiß

Und Nichtse durch Prüfungen schleppt:

Ihr seid die Elite des Volkes!

Vergraben sind die Tugenden:

Erbarmen und Hilfe.

Nur die Mauer steht

Mit der wehrhaften Zinne,

Die Wand aus gehämmertem Ich,

Aus Stolz getrieben.

Und über allem weht die graue Fahne des Ziels.

Dieses Volk ist im Aufbruch.

Sein Ziel ist die Stille.

Das Volk hat gesündigt.

Am Vorabend des Lebens hat es gefehlt.

Es hat den Baum gefällt,

Die Wurzel gerodet,

der Brut das Nest zerstört.

Und so ist das Volk im Aufbruch,

Bis es sich wieder findet

In der Hilfe von Bruder und Schwester

Und in der Liebe der Kinder,

In der Achtung vor sich selbst.

Klaus Grunenberg

Kritik

Zeitgenössische Lyrik, der man sich hingeben kann, bei der sich bestimmt einige an einiges erinnern werden. Man bekommt den Eindruck, manches schon einmal gehört, selbst erlebt zu haben. Und es sprechen in der Tat, wie mir der Autor versichert, Beobachtungen aus der Realität zu uns. Und wenn es in lyrische Form, in wiederum metaphorischer Art zuweilen versteckt ist, also eine Sache, eine Beschreibung verschlüsselt angeboten wird, so ist dennoch der Wahrheitsgehalt zu spüren, mehr noch die eigentliche Absicht, (immer hat der Dichter eine Absicht), nämlich zu warnen, aufzurütteln vom Schlaf.

Ed Moercke

Moderne Lyrik lese ich eigentlich nicht gerne, außer die polnische. Mein Zugang zu deutscher Lyrik wird mit Heinrich Heine vollends befriedigt, trotzdem hat mich dies hier sehr erschüttert.

Mark Beil-Ritzi

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Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via pixelio.de


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