“Ich liege bei iTunes schon vor Stephenie Meyer”

Eigentlich hatte der freischaffende Journalist und Autor Markus Albers das so gar nicht geplant: Sein neuestes Buch “Meconomy” sollte traditionell in gedruckter Form erscheinen. Er war bereit, der Verlag auch – doch die Aktualität war ihm im Weg. Viel zu viel Zeit hätte die Umsetzung in Anspruch genommen. Der Berliner

alber.jpgEigentlich hatte der freischaffende Journalist und Autor Markus Albers das so gar nicht geplant: Sein neuestes Buch “Meconomy” sollte traditionell in gedruckter Form erscheinen. Er war bereit, der Verlag auch – doch die Aktualität war ihm im Weg. Viel zu viel Zeit hätte die Umsetzung in Anspruch genommen. Der Berliner machte sich kurzerhand selbst ans Werk. Das Ergebnis: “Meconomy” gilt als der erste Titel eines deutschen Autors, der ausschließlich elektronisch veröffentlicht wurde. Readers Edition sprach mit ihm über die Herausforderungen, die das Medium mit sich bringt, die Befindlichkeiten eines Autors, der sich auf diesen Pfad begibt und technische Visionen für die Zukunft.

Readers Edition: Sie haben Ihr neues Buch nur im Internet veröffentlicht. Wie ist das erste Echo?

Markus Albers: Verblüffend groß. Presse, Blogs und Twitter haben das Thema begeistert aufgenommen. Allein die PDF-Verkaufszahlen über meine Website waren schon am ersten Tag dreistellig. Und im App-Store von Apple steht “Meconomy” auf Platz 26. Das ist – so habe ich mir erklären lassen – sehr gut, wenn man weiß, dass die meisten anderen E-Books dort entweder für 79 Cent verkauft werden oder sich um Erotik drehen.

Readers Edition: Kann man auf diesem Weg einen Bestseller landen? Wenn ja – mit welchen Mitteln?

Markus Albers: Kommt wie immer darauf an, wie man “Bestseller” definiert. Im Moment liege ich bei iTunes vor Stephenie Meyer, das ist doch schon mal was. Aber ich bin bescheiden. Ich habe immer gesagt: Wenn ich 1000 E-Books verkaufe, bin ich zufrieden. Das Ganze ist ja ein Experiment, ich teste neue Vertriebsmodelle, Erlösquellen und Zukunftstechnologien ganz praktisch und am eigenen Leib.

Readers Edition: Welche Reaktionen haben Sie von Verlagen? Welche von den Feuilletons?

Markus Albers: Von Verlagen habe ich bislang direkt keine Reaktionen bekommen, aber das Fachblatt der Branche – das Börsenblatt – rief mich schon vor Veröffentlichung des Buches an und bat um einen Gastbeitrag, der dann viel Aufmerksamkeit generiert hat. Ich denke mal, viele beobachten meinen Testballon mit Interesse, sicher auch etwas Skepsis, womöglich Ablehnung. Wo das Feuilleton über Meconomy berichtet hat, war das bislang wohlwollend, neugierig, teils euphorisch.

Readers Edition: In Deutschland tobt wieder mal die Debatte über das böse Internet. Können Sie sich erklären, woher diese Stimmung kommt?

Die richtigen Filter, Werkzeuge und Verhaltensweisen entdecken

Markus Albers: Das Gefühl der überlastung, das zum Beispiel Frank Schirrmacher in seinem Buch “Payback” beschreibt, kennt sicher jeder, der zwischen Handy, Twitter, Facebook und dem Feedreader versucht, konzentriert zu arbeiten oder abzuschalten. Die Diagnose ist also zunächst mal durchaus richtig. Ich glaube aber, dass die Antwort nicht in – noch so eloquent formulierter – Technophobie liegen kann, sondern vielmehr darin, die richtigen Filter, Werkzeuge und Verhaltensweisen zu entdecken, um mit den neuen Informationsströmen pragmatisch umzugehen. Dabei helfen Dienste wie Twitter nämlich auch, weil sie als soziale Filter wirken -, das übersieht Schirrmacher. In meinem Buch beschreibe ich ausführlich die Tipps und Tricks der so genannten “Lifehacking”-Bewegung, die sich mit genau diesen Themen befasst.
Readers Edition: Als Sie Ihr Buch geschrieben haben – wussten Sie da schon, dass es ein eBook wird?

Markus Albers: Nein. Ich wollte es ursprünglich ganz klassisch bei einem Verlag veröffentlichen. Der wollte auch, aber erst im kommenden Herbst. Das war mir angesichts des aktuellen Themas zu spät, darum habe ich gesagt: Nicht schlimm, dann mach’ ich das einfach selbst. Angesichts vieler neuer Lesegeräte und der zu Recht wieder aufkommenden Paid-Content-Debatte schien mir die Zeit reif. Das Apple Tablet kommt – mein Buch ist schon im iTunes Store.

Ein eigener Sound – unabhängig vom Medium

Readers Edition: Wie beeinflusst das Medium die Sprache, Ihre Sprache?

Markus Albers: Weniger als man denken sollte. Ich denke, es ist für jeden Schreiber wichtig, einen eigenen Sound zu entwickeln, der wiedererkennbar ist – egal ob elektronisch oder auf Papier. Was man aber in der Tat merkt, ist: Die kurzen Kapitel des Buches und die in sich sachlich geschlossenen fünf Einheiten machen es ideal zum Lesen unterwegs – in der Bahn, im Café, am Flughafen … das ist jedenfalls das Feedback, das ich von Lesern bekommen.

Readers Edition: Warum sind Sie nicht einen Schritt weitergegangen? Sie hätte ja zum Beispiel Links verwenden können…

Markus Albers: Es gibt am Ende des Buches eine ausführliche Materialsammlung, die verlinkt ist. Der Leser kann also meine Recherchen nachvollziehen und vertiefen. Für den eigentlichen Lauftext habe ich Links in Betracht gezogen, aber verworfen: Es hätte die Buchanmutung zerstört, die mir wichtig ist. Und es hätte den Lesefluss enorm zerfasert, das nimmt – so glaube ich – den Spaß …

Readers Edition: Sie hätten ja auch das eine oder andere Interview als Video oder als Audio abspielen können…

Markus Albers: … kann ja noch kommen. Ich denke sowohl über ein Audiobuch nach als auch über eine Art “Extended Version” für Tablets, in der dann dieser Audioanteil sowie Videos enthalten wären. Beides muss man – ehrlich gesagt – aber erst mal produzieren. Und ich als Einzelkämpfer muss es auch selbst finanzieren. Ich würde mich aber freuen, wenn ich Partner fände, die mich dabei unterstützen, so wie es textunes und Sony beim E-Book tun.

Readers Edition: Denken Sie daran, auch Kommentarfunktionen einzuführen, so wie es im Mittelalter die Glossare gab?

Markus Albers: Auf vielen E-Book-Readern kann man ja bereits persönliche Notizen und Kommentare einfügen. Ich wüsste im Moment allerdings nicht, wie man technisch einen dialogischen Kommentarbereich bei E-Books hinbekommt, so wie man ihn aus Blogs kennt … dazu müssten schon mal alle Reader permanent online sein, das ist nicht immer der Fall.

Readers Edition: Nehmen Sie noch Änderungen vor, etwa, wenn Sie einen Fehler merken?

Markus Albers: Habe ich bis kurz vor Veröffentlichung gemacht und würde ich auch jetzt noch tun, wenn ich schlimme Patzer bemerke. Das ist ja eine der Sachen, die mich bei gedruckten Büchern immer gestört hat: Man hat alles fertig recherchiert und geschrieben, aber es dauert Monate, bis das Ergebnis mal im Laden steht. Und dann findet man immer noch etwas, das man ändern möchte, aber das Buch bleibt so für alle Ewigkeit. Kennt jeder Autor, glaube ich. Diese Pein nimmt einem das E-Book schon mal. Ein endloses Work-In-Progress, bei dem jede Studie und jede Zahl immer wieder aktualisiert wird, möchte andererseits wohl auch kein Schreiber auf sich nehmen. So einen Buch-Frischhalte-Service als permanentes Factchecking anzubieten wäre übrigens für die Zukunft sicher ein lohnendes Geschäftsmodell. Ich würde das sofort in Anspruch nehmen, wenn der Preis stimmt.

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