Apple’s iPad: Ein weiterer Schritt zur Kommerzialisierung des Internet

Apple hat, gemessen nach mitteleuropäischer Zeit, gestern Nacht sein lange angekündigten Tablet-PC unter dem Namen iPad der Öffentlichkeit vorgestellt. Zunächst erscheint es so, als ob Apple nur eine Maxi-Version des iPod bzw. iPhone damit auf den Markt gebracht hat. Mit dem Gerät lassen sich auf einem entsprechend größeren Touchscreen ca.

ipoad.jpgApple hat, gemessen nach mitteleuropäischer Zeit, gestern Nacht sein lange angekündigten Tablet-PC unter dem Namen iPad der Öffentlichkeit vorgestellt. Zunächst erscheint es so, als ob Apple nur eine Maxi-Version des iPod bzw. iPhone damit auf den Markt gebracht hat. Mit dem Gerät lassen sich auf einem entsprechend größeren Touchscreen ca. 25 cm alle bereits bekannten Applikationen der kleineren Geschwistergeräte direkt nutzen. Es soll in den USA für rund 600,- US Dollar im Handel angeboten werden. Scheinbar hat sich also bis auf die Bildschirmgröße wenig verändert.

Nur ein inkrementeller Schritt?

Bei Innovationen unterscheidet man zwischen inkrementellen und disruptiven Innovationen. Inkrementell sind solche, die nur eine geringfügige Modifikation einer bereits bestehenden Innovation vornehmen. Disruptiv sind Innovationen, wenn sie einen Bruch in der bisherigen Entwicklungslinie darstellen und neue Prinzipien und Technologien Anwendung finden.

Man könnte nun geneigt sein, dass Apple eben nur eine inkrementelle Innovation mit dem iPad aufgrund einer Änderung der Bildschirmgröße vorgenommen hat. Ist das jedoch so?

Wäre die Betrachtung richtig, dann könnte man schnell zur Tagesordnung übergehen, denn was wäre an der Vorstellung bemerkenswert?

Eine andere Sichtweise ergibt jedoch, dass Apple mit dem iPad beabsichtigt in völlig neue Internet-Märkte sich eine starke Marktstellung zu verschaffen. Hierzu zählen insbesondere der eBook-Markt, der bisher von Amazons Kindle beherrscht wurde sowie die mobile kommerzielle Nutzung von Filmen und Video-Inhalten in hoher Bildqualität. Des Weiteren ist über ein solches Endgerät sehr viel wirkungsvoller multimediale Internet-Werbung zu platzieren. Andere Applikationen sind Navigation, location-based Internet-Services kommen hinzu. Damit zielt Apple erneut auf neue ertrags- und wachstumsstarke Märkte im Bereich des mobilen Breitbandinternets. Bisher fehlt es hier an Endgeräten, die leicht auch unterwegs zu bedienen sind, d.h. beispielsweise auch im Stehen oder Gehen, genutzt werden können. Mit den Netbooks haben Asus mit dem EeePC die Marktlücke für mobile Internet-Endgeräte erkannt, die eine Fusion zwischen Mobiltelefon und Notebook mit mobilen Internet-Zugang anstrebt. Als Alternative gibt es hierzu bisher nur den Bereich der Smartphones.

Im Unterschied zu den anderen Endgerätehersteller im Bereich mobiler Endgeräte verfügt jedoch Apple bereits mit iTunes und App Store über eine sehr erfolgreiche Vertriebsplattform für Musik, Medieninhalte und Software. Damit vertreibt Apple zunehmend nicht nur Hardware, sondern auch Inhalte und Internet-Services. Diese vertikale Integration der Wertschöpfungskette, die in der Regel auch noch sehr gut durch proprietäre Verschlüsselungstechniken (Digital Rights Management) andere Konkurrenten von diesen Vertriebswegen fernhalten kann, hat sich als besonders erfolgreiches Geschäftsmodell erwiesen. Da eine konkrete Dienstleistung direkt mit dem Endgerät verknüpft wird, kann der Kunde in der Regel sich auf dessen Funktionstüchtigkeit verlassen. Bei anderen Endgeräteherstellern ist diese Systemfunktionalität bei den verschiedenen Anwendungen oftmals Glücksache und teilweise mit komplizierten Installationsprozessen verbunden, die die normalen Anwender in der Regel überfordern.

Steve Jobs Mantra der Einheit aus Benutzerfreundlichkeit, attraktiven Design und fortschrittlicher Technologie ist in der ansonsten oftmals von spezialisierten Technologiefreaks beherrschten ICT-Szene ein wenig beachteter Grundsatz. Dies erklärt auch den herausragenden Geschäftserfolg von Apple in diesem Bereich. Apple liefert was Kunden wünschen oder bisher nicht zu träumen wagten. Damit wurde Apple auch zur Kultmarke für ein breites insbesondere auch ICT-Technik fernes Publikum. Die intuitive Nutzbarkeit einer klar definierten Anwendung für den Massenmarkt wie Musikhören, Telefonieren, Filme- und Videos anschauen sowie Lesen und interaktive Computerspiele sind die Schlüsselbereiche, die die normalen Internetanwender hauptsächlich nutzen wollen. Dabei soll deren Bedürfnis zu angemessenen Kosten auf intuitive Weise befriedigt werden. Technik soll kinderleicht sein.

Mit dem iPad plant er daher sehr viel mehr als nur mittels eines Jumbo-iPods einen Nischenmarkt zu befriedigen. Apple will über die volle Breite multimedialer Inhalte durch eine Integration mit den eigenen Vertriebsplattformen ein weltweites Internet-Imperium in Konkurrenz zu Firmen wie Google aufbauen. Mithin ist der iPad ein erster Schritt zu einer disruptiven Innovation in einen entstehenden multimedialen mobilen Breitbandinternetmarkt. Der iPad ist nur der sichtbare Ausdruck für eine sehr viel komplexere Markterschließungsstrategie. Man sollte daher ein waches Auge auf die nächsten Schritte von Steve Jobs und Apple in diesem Bereich haben.

Photo Quelle/Copyright: cattias.photos, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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