Die Flamme der Freiheit raucht – Eine Sternstunde deutscher Comic-Kultur

Er hat keinen Namen, ist aber seit ein paar Tagen in aller Munde: Ein junger Möchtegern-Nazi erntet mit einem unglaublich schlecht gemachten Nazirap-Video auf Youtube den bitteren Ruhm der Verachtung. Dabei lässt der selbsternannte Rechtsrapper, der das Video nicht selbst hochgeladen hat, mächtig die Verbalmuskeln spielen. Zünftig begrüßt er sein

Er hat keinen Namen, ist aber seit ein paar Tagen in aller Munde: Ein junger Möchtegern-Nazi erntet mit einem unglaublich schlecht gemachten Nazirap-Video auf Youtube den bitteren Ruhm der Verachtung. Dabei lässt der selbsternannte Rechtsrapper, der das Video nicht selbst hochgeladen hat, mächtig die Verbalmuskeln spielen. Zünftig begrüßt er sein Publikum mit einem hingehauchten “Sieg heil”, danach bricht ein Inferno aus Peinlichkeiten los. Die “Flamme der Freiheit lodert und raucht”, reimt der nationale Musikfreund nahe am Irrsinn, ein “neuer Morgen geht auf im Land” und “niemals, niemals, niemals sag ich”, knödelt der junge Rechtsaktivist im Unterhemd, ohne dass klar wird, was. Aber “das Deutsche Reich besteht ewig”, da ist er sicher und auch wieder zu verstehen.

Eine Sternstunde deutscher Comic-Kultur, was da auf Youtube für die arische Rasse rappt, dass die Löcher aus dem Käse fliegen und sich die Zuschauer – mehr als 25000 in wenigen Tagen – peinlich berührt abwenden. “Ist das dieser Bushido?” fragt michak6577 ironisch, “Youdontknowfag” ätzt “das ist ja verdammt peinlich” und Polarkreis 18 tröstet voller Mitleid: “Hey, er ist im Internet zu sehen”.

Und wie. Gegen diesen Auftritt ist das Englisch von Günter Oettinger Oxford, dagegen ist Peter Maffay Musik. Ein heißer Kandidat für die peinlichsten Kandidaten bei DSDS immerhin, der junge Mann aus dem Ostseeörtchen Barth, der, obschon der deutschen Sprache kaum mächtig, alles gibt für “Volk, Reich und Führer”. Hinter ihm bildschirmschont ein harmloser Mond, vorn wälzt sich der unförmige Leib des Rechtsrappers von sinnfreier Zeile zu sinnfreier Zeile: “Sie treiben es mit Kindern, sie treiben es mit jedem”, warnt er nuschelnd, dann kommen “Aidskranke und Schwule an unsere Schule” und “Neger” duften sogar “nach teuren Deo”.

Das empört ihn, den Nachwuchsnazi im T-Shirt aus Indien, in dessen Schrankwand aus Schweden der CD-Player aus China steht. Ginge es nach ihm, gäbe es das alles nicht! Niemals, niemals und so weiter liest der einsame Böhse Onkel im Kinderzimmerchen komischerweise immer türkischer klingenden Rhythmen von einem außer Sichtweite befindlichen Teleprompter wirre Tiraden gegen die Welt außerhalb seiner vier Wände ab. Richtig laut spricht er nicht, weil sonst wohl Mutti hereinkäme und ihm die Ohren langzöge.

Dann wird es dunkel und immer dunkler im Kinderzimmer in Barth. Draußen tobt vielleicht ein Sturm, die Weltanschauung wackelt mit dem vor der Kamera wankenden dicken Körper. Die Szene erinnert an Bruna Ganz im Führerbunker, die letzten Tage brechen an, gleich Eva Braun kommen, den Barther Nationalpropheten zu erlösen. Doch da, das Licht geht aus, der Feind steht vor der Tür. Oder wird es schon der Staatsanwalt sein, der wegen des “Sieg heil” am Anfang ein Ermittlungsverfahren wegen des Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole eingeleitet hat? Dabei hat doch keine Hingucken-Initiative der letzten Jahre dem “Kampf gegen rechts” (Angela Merkel) mehr erreicht als der rumplige Rechtsrapper aus Barth: Er wollte wichtig und gefährlich sein. Und ist eine Lachnummer geworden.

Update: Eine naziseite (altermedia) hat das Werk jetzt auch veröffentlicht, angeblich auf “bitten” des rappers. Die Reaktionen dort sprechen Bände. “ich finde es sehr kontraproduktiv, sowas zu veröffentlichen”, kritisiert ein Nazi, “das ist ein schlechter Witz”, meint ein anderer, “Da haben die Gegner wieder was zu lachen und zu hetzen”, fürchtet ein Dritter.

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