Helles Land (III)
Erkenntnis birgt das geträumte Lied.
Es ist das Lied von der Wiederkehr des Glücks
Ohne den heißen Atem des Feuers,
Der entsteht, wenn Papier brennt,
Der über Wüsten fegt und leer macht die Herzen.
Der den Menschen zu einer Fackel macht,
Der wegleckt den zarten Schmelz der Liebe
Und der Lüge hilft zu überstehen.
Dieses Volk ist bereit aufzustehen
Mit der Herzkirschjugend,
Die das Tier liebt,
Den Zweig
Und das Rauschen des fruchtbaren Meeres,
Bereit zum Sprung in die Grube der Hoffnung,
Gefüllt mit dem Sand der Erwartung.
Dieses Volk ist unruhig.
Es wurde geschlagen,
Geschlagen wurde es mit der Rute des Zorns,
Denn es folgte dem Jäger mit der Stachelrute,
Es folgte bis hin zur Erniedrigung der durchbluteten Erde.
Bis in die Höhle der Selbstverleugnung folgte das Volk der Lügenfährte,
Glitt es in das durchsichtige Haus aus Glas
Mit den hohen Türmen, deren Namen sind:
Habgier, Stolz und Neid.
Den elfenbeinernen Turm hatte es vergessen.
Seine Knochen breitete das Volk aus vor dem Sieger,
Der die Maske des Wolfes sich übergestülpt hatte
Über den gestutzten Bart,
Über blaue Augen,
Über den heiseren Schrei,
Über die Scham und
Über das zerschlagene Knie.
Mit der Stachelrute schlug der Wolfskopf das Volk,
Das schrie und ihm zuwarf:
Die weiße winkende Hand
Und zum Opfer brachte:
Das Kleinkind,
Den Greis,
Den Dichter,
Die Blume,
Das Land
Und den greinenden Mond.
Dieses Volk kämpft den Kampf des Lebens
Mit der Unruhe des hellen Geistes,
Mit der Hektik des schlechten Gewissens,
Denn der Ruf der Zeit hat es längst erreicht.
Die Rettung des Volkes liegt in der Umkehr
Zur Stille der heilsamen Nacht,
Aus der der Geist kommt, der löst
Und wegnimmt den Drang nach dem Fleisch
Der unschuldigen Kinder.
Klaus Grunenberg
Kritik
Durch episches Versmaß und dadurch, dass wieder Metaphorik im Spiel ist, bekommt das Ganze eine Schlagkraft, die bisweilen etwas zu mächtig wirkt.
Was wird ausgesagt, was verbirgt sich scheinbar hinter den Worten?
Es ist wie eine Abrechnung mit dem Versagen dieses kulturell sich immer so anspruchsvoll gebenden Volkes, des eigenen Volkes in der Zeit zwischen 1920 bis 1945. – Die Frage heißt doch: Warum laufen die Menschen so gerne dem Bösen nach? Was hat das Böse an sich, dass es derart anziehend ist?
Gut, das konnten und können wir verarbeiten in alten griechischen Dramen, altgermanischen Liedern, Romanen, Theaterstücken, Opern usw. Aber dieses Furchtbare alles in eine solch grausame Realität zu setzen und zuvor sogar noch angekündigt zu haben (“Das Bild des Kampfes, der Vernichtung, das Ziel” heißt es in Teil II), das bedrückt doch sehr, immer noch. – Und: Ist denn diese “graue Fahne” des furchtbaren Ziels wirklich eingezogen oder schwebt sie (heimlich) noch immer über uns? Hat sie ein anderes Land gefunden, eine andere geistige Gegend als Heimat, die ihr die “weiße, winkende Hand” zuwirft und opfert?
Dummheit stirbt ja nie aus, wie es scheint.
Ed Moercke
Lest es, Leute und sprecht darüber, aber in Ruhe und mit Ehrlichkeit.
Mark Beil-Ritzi
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